Dr. med. Moritz Felcht, Arzt
Markus Heck, Arzt
Dr. Jan Nicolay, Arzt
Delnaz Delavari, Doktorandin
Melanie Faust, Doktorandin
Jasmin Hambsch, Doktorandin
Sayran Arif-Said, MTA
Anneliese Pfisterer, MTA
Lymphome (Krebs weißer Blutzellen) der Haut umfassen eine Gruppe von Erkrankungen, die durch eine Ansammlung von Zellen und Lymphozyten (weiße Blutzellen) in der Haut charakterisiert sind. Hautlymphome der T-Zellreihe repräsentieren die größte Gruppe (circa 70 %) der Hautlymphome und umfassen klinische Varianten wie die Mykosis fungoides oder das Sézary Syndrom, was mit einer Ausschwemmung der Tumorzellen der Haut in die Blutbahn verbunden ist. Die Mykosis fungoides ist der am häufigsten anzutreffende Typ der Hautlymphome. Frühe Stadien der Erkrankung werden durch fleckige Hautveränderungen charakterisiert und haben eine gute Prognose. In den meisten Fällen entwickeln sich Knoten (Tumorstadium) erst Jahre nach den Flecken. Bei dieser Erkrankung ist es sehr wahrscheinlich, dass Hautläsionen nach der Behandlung wieder auftreten oder dass sich neue Läsionen entwickeln. Aus diesem Grund ist eine regelmäßige Nachsorge zu empfehlen.
Weitaus seltener findet man kutane Lymphome der B-Zellreihe (circa 30%). Hier kommt es in einigen Fällen nur zur Entstehung einzelner Herde, die sich gut chirurgisch bzw. strahlentherapeutisch versorgen lassen. Bedeutsam ist hier immer die klare Abgrenzung von einem Hautbefall durch ein sogenanntes nodales Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphom des Lymphknotens)
Die Aktivitäten der Arbeitsgruppe „Kutane Lymphome“ gliedern sich in einen klinischen und einen wissenschaftlichen Bereich.
Als erste Anlaufstelle für Patienten mit Hautlymphomen (B- und T-Zell-Lymphome) haben wir eine Lymphomsprechstunde in unserer Hautambulanz eingerichtet:
Adresse: Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie
und Allergologie
Universitätsmedizin Mannheim UMM
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Haus 27, Ebene 1
Tel: 0621-383-2282 zur direkten Terminvereinbarung
Zeit: Jeweils donnerstags von 08:00 bis 10:00 Uhr
In der Lymphomsprechstunde werden Sie von unserem Oberarzt Herrn Priv.-Doz. Dr. Klemke sowie von Frau Dr. Booken und Herrn Dr. Nicolay betreut. In der Regel wird in der Sprechstunde zunächst eine genaue diagnostische Einordnung Ihrer Lymphomerkrankung erfolgen. Neben einer gründlichen klinischen Untersuchung umfasst die Diagnostik die histologische Untersuchung einer Gewebeprobe, die molekulare Diagnostik (T-Zell-Rezeptor Rearrangement, IgH-Schwerkettenumlagerung, BIOMED-2-Protokoll) sowie bildgebende Verfahren. In schweren Fällen ist auch jederzeit eine stationäre Behandlung bei uns in der Klinik möglich. Ferner bieten wir im Rahmen der Sprechstunde eine regelmäßige Nachsorge an.
Die Therapie orientiert sich dann an der diagnostizierten Lymphomerkrankung und der festgestellten Ausbreitung. In den ersten Stadien verwenden wir äußerliche Therapien wie z.B. lokale Kortikosteroide, verschiedene Lichtherapien (PUVA, UVB311) und eine lokale Bestrahlungstherapie z. B. mit schnellen Elektronen. Eine weitere Säule der Behandlung stellen Interferon-a, Bexaroten und die extrakorporale Photopherese (ECP = eine UVA-Bestrahlung des Bluts) dar, die vor allem bei Patienten mit einem Sézary Syndrom Anwendung findet.
Darüber hinaus ist auch eine Behandlung im Rahmen von verschiedenen Multizenterstudien möglich. Eine aktuelle Übersicht entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle:
Art der Studie | Titel der Studie |
Kutanes T-Zell-Lymphom | Multizentrisches Therapieprotokoll zur Bexaroten (Targretin)-Monotherapie bei vorbehandelten CTCL ab Stadium Ib mit klarer Zuordnung zu einer EORTC-Diagnose |
Kutanes T-Zell- Lymphom Phase II | Multizentrisches Therapieprotokoll bei Patienten mit histologisch gesicherter Diagnose eines kutanen T-Zell-Lymphoms Stadium Ib bis IVb, einschließlich Mycosis fungoides und Sézary Syndrom. |
Patienten mit fortgeschrittenen Stadien kutaner Lymphome können in der interdisziplinären Tumorkonferenz (Tumorboard „Maligne Hauttumoren“) des Hauttumorzentrums Mannheim mit den Kolleginnen und Kollegen anderer Fachdisziplinen besprochen werden.
Weitere Informationen zu kutanen Lymphomen sowie ein Austausch mit anderen betroffenen Patienten ist über die Homepage der „Cutaneous lymphoma Foundation“
(Patientenselbsthilfeorganisation) möglich. Das Angebot ist bislang nur in englischer Sprache verfügbar.
In der klinischen Forschung führen wir epidemiologische Untersuchungen zur Identifizierung prognostischer Marker durch. Wir konnten als signifikante prognostische Marker der Mykosis fungoides und des Sézary Syndroms einen Lymphknoten- und Blutbefall herausarbeiten. Um hier weitere Fortschritte zu erzielen, haben wir ein klinikeigenes Lymphomregister angelegt. Ferner beteiligen wir uns am „Zentralregister kutaner Lymphome“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
Ein weiteres Forschungsgebiet ist die Bedeutung der molekularen Diagnostik (T-Zell Rezeptor Gen-Rearrangement, IgH-Schwerketten Gen-Rearrangement). Ein besonderes diagnostisches Problem stellt die Abgrenzung einer frühen Mykosis fungoides von entzündlichen Erkrankungen der Parapsoriasis-Gruppe dar. Hier konnten wir zeigen, dass der Nachweis einer klonalen T-Zell Population in der Haut die Diagnose eines kutanen T-Zell Lymphoms unterstützt. Ferner ist die Methode zur Ausbreitungsdiagnostik geeignet, um beispielsweise einen Lymphknoten- oder Blutbefall durch die Identifizierung des zur Haut korrespondierenden Klons im Lymphknoten bzw. Blut zu sichern. Ein wichtiges Ergebnis unserer Forschung war das Auffinden einer sogenannten „Pseudomonoklonalität“ bei nur einmaliger Bestimmung des T-Zell Rezeptor Gen-Rearrangements aus einer Probe. Wir diagnostizieren erst eine Monoklonalität, wenn der gleiche Klon bei zweimaliger Untersuchung einer Haut-, Lymphknoten- oder Blutprobe nachgewiesen wurde. Dies hat sich auch in einer aktuellen Arbeit zur Diagnostik kutaner B-Zell Lymphome gezeigt. Der molekularbiologische Nachweis einer monoklonalen IgH-Schwerketten Gen-Umlagerung unterstützt die Diagnose eines primär kutanen B-Zell Lymphoms in Abgrenzung zu einem Pseudolymphom.
Der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt in der Erforschung der Hautlymphome der T-Zellreihe. Über die Entstehung der kutanen T-Zell Lymphome ist bislang nur wenig bekannt. Da diese Hautlymphome in der Regel nur sehr langsam fortschreiten, vermutet man einen gestörten Zelltod (sogenannte „Apoptose“) als wesentliche Ursache. Im Rahmen unserer Forschungsaktivitäten möchten wir die Rolle und Bedeutung des gestörten Zelltods bei den Hautlymphomen näher erforschen. Dieses Projekt führen wir in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Immungenetik (Leiter: Prof. Dr. P. H. Krammer) am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (www.dkfz.de) vor allem zur Aufschlüsselung der funktionell bedeutsamen Mechanismen einer Apoptoseresistenz durch. Als wesentliche Mechanismen der Apoptoseresistenz konnten wir einen gestörten Aktivierungs-induzierten Zelltod (AICD) der Hautlymphomzellen nachweisen. Nach der Aktivierung des T-Zell-Rezeptors ist die Tumorzelle nicht in der Lage den Todesliganden CD95L zu bilden, der für ein Absterben der Tumorzelle notwendig ist. Desweiteren schützt sich die Tumorzelle durch eine konstitutive Aktivierung des Transkriptionsfaktors NFκB vor Apoptose. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Immungenetik am DKFZ, Heidelberg untersuchen wir die Rolle regulatorischer T-Zellen für die Biologie kutaner Lymphome. Beim aggressiv verlaufenden Sézary Syndrom konnten wir einen Mangel an regulatorischen T-Zellen nachweisen, die möglicherweise zu einer Suppression des Tumorzellwachstums beitragen.
Ein weiteres experimentelles Forschungsgebiet stellt die Identifizierung von pathogenetisch bedeutsamen Genen dar, die bei Patienten mit einem kutanen T-Zell-Lymphom im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen differentiell exprimiert sind. Hierbei werden verschiedene molekularbiologische und molekular-zytogenetische Methoden angewandt, wie zum Beispiel die Gen-Chip-Technologie und die Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung (FISH).
Ferner bestehen wissenschaftliche Kooperationen mit Herrn Prof. Dr. S. Eichmüller (Klinische Kooperationseinheit für Dermato-Onkologie am DKFZ, Heidelberg), Frau PD Dr. B. Schnierle (Abteilung Virologie 2/01 am Paul-Ehrlich-Institut, Langen) und Frau PD Dr. Dagmar Kulms, Institut für Zellbiologie und Immunologie der Universität Stuttgart.
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Letzte Aktualisierung: 08.06.2010
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