Dr. Tom Terboven ist mit 29 Jahren in diesem Jahr der jüngste Dozent der Kinder-Uni Medizin. Er hat aber schon viel Erfahrung im Unterrichten von Studenten im Bereich der Notfallmedizin, und er arbeitet selbst als Notarzt. Deshalb konnte er den Kinder-Uni-Studis viel über die Wiederbelebung – in der Fachsprache Reanimation genannt – von leblosen Menschen erzählen.

Schon in der Bibel ...
Zunächst ging es um die Geschichte der Reanimation, die vor fast 3000 Jahren begann. Dr. Terboven wies darauf hin, dass es schon in der Bibel im Alten Testament Geschichten über angebliche Totenerweckungen gab, wie zum Beispiel die vom Propheten Elias: „Und da Eliah ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett. Und stieg hinauf und legte sich auf das Kind, und legte seinen Mund auf des Kindes Mund, und seine Augen auf seine Augen und seine Hände auf seine Hände und breitete sich so also über ihn, dass des Kindes Leib warm ward. Da schnaubte der Knabe siebenmal; darnach tat der Knabe die Augen auf." (2. Buch der Könige, 4, 32-35)
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Dass der Atem und der Blutkreislauf unterbrochen waren, wenn ein Mensch zum Beispiel nach einem Unfall leblos dalag, hatten unsere Vorfahren schon lange begriffen. So dachten die Indianer, dass sie durch Pfeifenrauch, den sie dem Bewusstlosen ins Gesicht bliesen, den Kreislauf wieder in Schwung bringen könnten. Andernorts versuchte man, die Atmung in Gang zu bringen, indem man dem Betroffenen mit einem Blasebalg Luft ins Gesicht blies. Um das Blut wieder pulsieren zu lassen, wurden in den Niederlanden im 18. Jahrhundert beispielsweise Ertrunkene bäuchlings über ein Fass gelegt und hin- und hergerollt, während im 19. Jahrhundert mit dem gleichen Ziel die leblosen menschlichen Körper auf Pferde geschnallt wurden, die sie kräftig durchschütteln sollten.
Blutkreislauf und Atmung: das A und O!
Die genannten Methoden waren nicht allzu häufig von Erfolg gekrönt – das heißt, es gelang nicht sehr häufig, die so behandelten Menschen ins Leben zurück zu holen. Dr. Terboven machte den Kindern deutlich, dass es bei der Wiederbelebung vor allem um zwei Dinge geht: 1. Das Blut muss durch den Körper fließen, damit alle Organe mit Nähr- und Sauerstoff versorgt werden; 2. Die Atmung muss funktionieren, das heißt, Luft muss in die Lunge hinein- und wieder herausströmen.

Der „Defi“ als Lebensretter
Das Blut zirkuliert nur dann „von selbst“ durch den Körper, wenn das Herz gleichmäßig schlägt. Kommt es zum Herzstillstand, muss man diese „Pumpe“ wieder in Gang bringen. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Methoden – eine davon kannten die Kinder-Uni-Studis aus dem Fernsehen: Mit einem elektrischen Gerät, das aus zwei Bügeleisen-ähnlichen Teilen besteht – einem Defibrillator – werden dem Herz durch Aufsetzen auf den Brustkorb Stromstöße verabreicht.
Das Prinzip, so erklärte der junge Dozent, funktioniert ähnlich wie bei einem Piratenschiff, das in eine Windflaute gerät: Die Besatzung muss dann rudern – aber wenn jeder rudert, wie er will, bewegt sich das Schiff nicht in die richtige Richtung, also muss ein Trommler den Rhythmus vorgeben, damit alle im gleichen Takt rudern. So in etwa wirkt der Defibrillator auf das Herz: Er bringt die durcheinander geratenen elektrischen Impulse, mit denen die Nervenzellen im Herz Botschaften an die Muskelzellen weitergeben, wieder in einen Gleichklang – dadurch erhalten die Muskelzellen wieder regelmäßige Informationen darüber, in welchem Rhythmus sie sich zusammen ziehen müssen, und das Herz kann wieder von alleine schlagen.

Wiederbelebung in der Praxis
Wesentlich einfacher nachzuvollziehen, ist die Wiederbelebung ohne den „Defi“, der ja ohnehin in der Regel nicht überall zur Verfügung steht. Dass die Reanimation dennoch kein Kinderspiel ist, erfuhren die Studis in der praktischen Übung an einer Puppe; denn Dr. Terboven erklärte ihnen, was sie tun können, um einen leblosen Menschen wiederzubeleben. Dabei geht man in einer bestimmten Reihenfolge vor, die Schritt für Schritt abgearbeitet werden sollte:
1. den scheinbar leblosen Menschen ansprechen und auch mal zwicken, um festzustellen, ob er nicht doch wach und lebendig ist; wenn er darauf nicht reagiert, wird 2. die Atmung überprüft – am besten, indem man die eigene Wange und das Ohr über die Nase und den Mund des am Boden liegenden Menschen hält; dabei kann man auch gut sehen und fühlen, ob sich der Brustkorb bewegt. Wenn man feststellt, dass kein Atem mehr fließt, kann man 3. noch den Puls fühlen. Sollte keine Lebenszeichen mehr erkennbar sein, beginnt man die Herzdruckmassage im Wechsel mit der Beatmung, die Notärzte und Rettungssanitäter mit einem Blasebalg vornehmen – man kann aber auch statt dessen eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung machen.

Praktische Übung an der Puppe
Obwohl das Thema so ernst war, war nicht zu übersehen, dass die Übung den Kinder-Studis großen Spaß machte: Während vier Kinder sich gemeinsam mit Dr. Terboven um die Wiederbelebung kümmerte, zählten die restlichen Vorlesungs-Besucher laut mit, um sicherzustellen, dass die Herzdruckmassage korrekt durchgeführt wurde – dabei drückte das betreffende Kind der Übungspuppe 30 Mal fest auf die Mitte des Brustbeins. Anschließend wurde zwei Mal auf den Blasebalg gedrückt, der über eine Maske auf Nase und Mund der Puppe Luft in die Lunge pumpte. Dann wieder 30 Mal Herzmassage, zwei Mal Beatmen und so weiter – bis das Herz wieder von alleine schlägt und der Mensch von selbst atmet.
Überlebenschancen im Ernstfall
Im Ernstfall kann eine solche Wiederbelebung länger als eine halbe Stunde dauern, lernten die Kinder. Manchmal wacht der Patient aber auch nach einer Minute wieder auf, und seine Überlebenschancen sinken stark, wenn er nach zehn Minuten noch keine Lebenszeichen zeigt. Einen von drei Patienten kann Dr. Terboven als Notarzt im Durchschnitt erfolgreich wiederbeleben – wenn es sich um eine Reanimation außerhalb des Krankenhauses handelt, zum Beispiel nach einem Unfall oder nach einem Herzstillstand zu Hause. Im Krankenhaus können mehr Patienten wieder ins Leben zurück geholt werden – und danach ganz normal weiterleben, wie Dr. Terboven betonte.

Viele schlaue Fragen
Wie immer stellten die Kinder-Studis viele schlaue Fragen: „Wie lange überlebt man bei Atem- und Herzstillstand ohne sofortige Wiederbelebung?“ Die Antwort: „Nicht länger als drei bis fünf Minuten; wenn es länger dauert, steigt die Gefahr, dass vor allem das Gehirn bleibende Schäden davonträgt.“ „Welche Medikamente werden zur Unterstützung der Reanimation benötigt?“ „Hauptsächlich verwenden wir Adrenalin, und das wird gespritzt“, lautete Dr. Terbovens Antwort. „Wie lange dauert es, bis der Notarzt kommt?“ „Das variiert je nachdem, wie weit der kranke Mensch vom Ausgangspunkt des Notarztes entfernt ist – oft nur sechs bis sieben Minuten“, beteuerte der Dozent, und Dr. Olli ergänzte: „Vom ersten Piepser, der den Notarzt darauf aufmerksam macht, dass es einen dringenden Notfall gibt, bis zum Start des Rettungswagens dauert es nur eine einzige Minute – nur beim Hubschrauber dauert es etwas länger, da der Motor und die Rotoren erst in Gang gebracht werden müssen.“ Insgesamt eine sehr beruhigende Perspektive, auch wenn es allen Anwesenden lieber war, wenn sie keinen Notarzt benötigen.
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