
Frühe molekulare Ereignisse in der Tumorentstehung und Carcinogenese
Allgemeiner Hintergrund
Nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis entstehen Karzinome durch eine Akkumulation von Defekten in kritischen Genen. Neben der Art spielt auch die Reihenfolge, in der diese der auftretenden genetischen Defekte eine entscheidende Rolle. Inzwischen gilt zusätzlich als akzeptiert, dass epigenetische Veränderungen an DNA und Histonen die Genexpression kritischer Gene verändern können. Dies kann zu neoplastischem Phänotyp führen, obwohl entsprechende fixierte Gendefekte noch nicht vorliegen und schafft zusätzlich günstige Bedingungen für deren Entstehung.
Über die frühen molekularen Veränderungen, die zu ersten Tumorentwicklung führen, ist bisher wenig bekannt.
Spezieller Hintergrund
Das Kolonkarzinom (CRC) gehört zu den häufigsten Karzinomen unserer Wohlstandsgesellschaft und ist für die Wissenschaft ein wichtiger Modelltumor. Seit den 90er Jahren sind die Gendefekte, welche zur Neoplasie – und in der Progression zum Karzinom führen, bekannt (Multi-Step Karzinogenese nach B. Vogelstein; Vogelstein-Modell).
Gegenüber den Neoplasien gelten die hyperplastischen Polypen (HP), die schon als mikroskopisch kleine Aberrante Crypt Foci (ACF) darstellbar sind, als harmlos und an der Entwicklung von Neoplasien nicht beteiligt. Diese Hyperplasien entstehen durch eine verminderte Apoptose in den betroffenen Kryptenschläuchen. Unsere Arbeiten der letzten Jahre haben einen molekularen Defekt in der Kolonzellendifferenzierung identifiziert, der den Apoptoseverlust erklärt und damit für die Entstehung von Hyperplasien bedeutsam sein könnte.
Der Tumorsupressor CEACAM1 und die Gewebehomöostase, Tumorentstehung und -progression
Oberflächenproteine erfüllen Schlüsselfunktionen bei Aufbau und Erhalt von Gewebestrukturen. Diese Funktionen werden durch Adhäsionseigenschaften, häufig in Kombination mit Signaltransduktion, erfüllt. Das humane Glykoprotein CEACAM1 (Carcino-Embryonic Antigen-like Cell Adhesion Molecule 1, Mitglied dder CEA-Genfamilie) wird normalerweise in Epithelien wie Kolon, Prostatagewebe oder Mammagewebe, aber auch in aktivierten Lymphozyten exprimiert. Bei Melanomen ist eine starke Neoexpression möglich, die mit schlechter Prognose einhergeht. Experimentelle Untersuchungen konnten eine Vielzahl von in-vitro Funktionen für CEACAM1 aufzeigen.
Wir konnten als erste die Tumorsuppressorfunktionen von CEACAM1 darstellen und in neuen Arbeiten seine wichtige Bedeutung in der Regulation der differenzierungsabhängigen Apoptose zeigen. Verlust der CEACAM1 Expression ist das erste Merkmal, welches Hyperplasie und Neoplasie verbindet und legt nahe, dass das Molekül eine generelle Bedeutung für Tumorentstehung im Kolon besitzen könnte.
Aus den zurückliegenden neueren Arbeiten haben wir eine neue Hypothese zur kolorektalen Tumorgenese formuliert, welcher die Vogelsteinhypothese zugrunde liegt, die über diese aber hinausgeht, indem sie Precursorläsionen mit Regressionspotential einbezieht. Danach kommt es erst bei Auftreten kritischer Gendefekte (bei sog. permissiven Defekten) zu einem Übergang in die Neoplasieentwicklung nach Vogelstein. Entsprechend haben wir diesen Übergang als „Vogelstein Exit“ bezeichnet.
Dieses als „permissive mutational model“ bezeichnete Modell ist Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen.
Folgende Projekte werden derzeit bearbeitet oder gestartet (zu den einzelnen Unterpunkten werden definierte Doktorarbeiten vergeben)
Bedeutung der CEACAM1-Ligand-induzierten Apoptose in Tumorinitiation und –progr
Regulation der CEACAM1-Expression
Gewebespezifische Faktoren, welche die CEACAM1-Expression steuern, sind bisher nicht bekannt. Unser Ziel ist,
Untersuchung der CEACAM1-Regulation in Melanomen
Das Thema geht der Frage nach, wie es CEACAM1 Neoexpression in Melanomen kommt, und wie sich CEACAM1-Expression auf Apoptoseverhalten von malignen Melanoms auswirkt.
Experimentelle Methoden für die Erarbeitung
Mitglieder der Arbeitsgruppe
Prof. Dr. med. Michael Neumaier
Dr. rer. nat. Stefanie Nittka
Bettina Hill (BTA)
Cornelia Keup (MTLA)
Ingrid Brechtel (MTLA)
Bärbel Moos (BTA)
Dipl. Biol. Stefano Gerola (Doktorand)
Dipl. Biol. Matthias Melcher (Doktorand)
Kontakt
Prof. Dr. Michael Neumaier
Institut für Klinische Chemie, Universitätsmedizin Mannheim
Tel. +49 621 383 2222 (Sekr. Frau Leone)
Tel. +49 621 383 2631 (Sekr. Frau Katzmarek)
Fax +49 621 383 3819
Email
Dr. Stefanie Nittka
Institut für Klinische Chemie, Universitätsmedizin Mannheim
Tel. +49 621 383 3922
Fax +49 621 383 3819
Email
Eigene wesentliche Publikationen zum Thema
Vollständige Publikationsliste von Neumaier M
Vollständige Publikationsliste von Nittka S
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