19.10.06

Abschiedsraum am Klinikum Mannheim eingerichtet

Am Donnerstag, 19. Oktober 2006, wurde am Universitätsklinikum Mannheim ein so genannter Abschiedsraum seiner Bestimmung übergeben. In diesem speziell gestalteten Zimmer im Haus 11 des Neubaus Ost haben Angehörige von verstorbenen Patienten die Möglichkeit, sich in Ruhe und Würde zu verabschieden. Initiiert wurde die Einrichtung dieses mit Werken des Künstlers Jürgen Rüdiger ausgestatteten Raumes vom Direktor der I. Medizinischen Universitätsklinik, Professor Dr. Martin Borggrefe. Oberarzt Dr. Joachim Saur trieb das Projekt gemeinsam mit seinem Team von der Medizinischen Intensivstation voran. Alois Baumann, Geschäftsführer des Mannheimer Unternehmens A. Baumann, Bodo Tschierschke,  Inhaber des T & K Wohnstudios in Ludwigshafen, sowie die Heinrich-Vetter-Stiftung ermöglichten die Realisierung durch großzügige Spenden. Hinzu kam eine stattliche Kollekte, die bei einem Narrengottesdienst in der Franziskuskirche im Februar dieses Jahres gesammelt wurde. Für die kostenfreie Ausstattung des Abschiedsraumes mit Pflanzen sorgt die Blumenhandlung Beier (Sandhofen), die  Mannheimer Firma Messner unterstützte Jürgen Rüdiger mit unentgeltlichen Malerarbeiten.

„Wie jedes Krankenhaus sind wir natürlich bestrebt, die uns anvertrauten Patienten zu heilen und Leben zu retten“, sagte Professor Borggrefe anlässlich der heutigen Einweihung. „Doch wir Ärzte müssen uns ebenso wie die Betroffenen damit auseinandersetzen, dass man nicht in allen Fällen helfen kann. Dann ist das Mindeste, was wir tun können, den Menschen ein würdiges Umfeld zu schaffen, in dem sie innehalten und ihrer Trauer Ausdruck verleihen können.“ Er bedankte sich bei den Sponsoren und bei der Geschäftsführung des Mannheimer Universitätsklinikums dafür, dass sie die Einrichtung des Abschiedsraums ermöglicht haben.

Der Mannheimer Künstler Jürgen Rüdiger, der den Abschiedsraum honorarfrei gestaltete, hat seine dort realisierten Werke unter das Motto „Frieden“ gestellt. Für ihn gehören die verschiedenen Bedeutungen des Friedensbegriffes von einer friedfertigen Geisteshaltung bis hin zum Einswerden mit dem Göttlichen im Sterben untrennbar zusammen, so wie auch Leben und Tod nicht voneinander getrennt, sondern eher als Übergang in eine andere Daseinsform gesehen werden sollten. Diese Einstellung spiegelt sich in dem großen Wandgemälde wider, das den neuen Abschiedsraum schmückt: Es zeigt eine strahlende Sonne am Ende einer ruhigen, freundlichen Landschaft; gelbe, grüne und blaue Pastellfarben dominieren die Darstellung. Ein Weg führt vom unteren Rand des Bildes in die Lichtquelle und symbolisiert dadurch den Übergang von diesem Leben in ein neues. Das Bett mit dem verstorbenen Patienten wird so positioniert, dass der Eindruck entsteht, er beschreite aus dem Abschiedsraum heraus diesen Weg. Die anderen, ebenfalls von Rüdiger gefertigten und entworfenen Kunstwerke unterstreichen, dass dies ein Raum ist, der Angehörigen aller Religionen und Glaubensrichtungen offen steht. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang vor allem ein weiteres Gemälde, auf dem unter anderem die Symbole verschiedener Weltreligionen dargestellt werden. Hierzu sagte der Künstler am Donnerstag: „Aus unserer gesamten Welt eilen die Menschen herbei und wenden sich ihren Glaubensrichtungen zu. Die den Sinn des Wortes Frieden erkannt haben, vereinigen sich friedvoll und streben gemeinsam dem Licht zu. Von dort erfolgt die Reise in die Welt des Verstehens, der Liebe und der Wertschätzung.“

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne ein Foto von der Einweihung des Abschiedsraums zur Verfügung (4c; ca. 1 MB; jpg-Datei). Es kann per E-Mail angefordert werden unter stefanie.mueller@klinikum-mannheim.de.

Gruppenfoto von Initiatoren des Abschiedsraums

Setzten sich gemeinsam für die Einrichtung des neuen Abschiedsraums ein (v. l.): Andreas Ihle (katholischer Klinik-Seelsorger), Professor Dr. Martin Borggrefe (Direktor der I. Medizinischen Universitätsklinik), Elfi Claus (evangelische Klinik-Seelsorgerin), Oberarzt Dr. Joachim Saur und der Künstler Jürgen Rüdiger

 



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