14.01.2009

Thesima – das Lernkrankenhaus

Medizinische Fakultät Mannheim eröffnet neues Lernkrankenhaus / Studiengebühren finanzieren authentische Lernumgebung und einmaliges Unterrichtskonzept

Mit einer landesweit einmaligen Einrichtung beschreitet die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg neue Wege im praktischen Unterricht ihrer Medizinstudierenden: Das Lernkrankenhaus Thesima, Kurzform für Themenräume – Simulation – Mannheim, wurde am 14. Januar 2009 feierlich eröffnet. Thesima bietet Studierenden die Möglichkeit, den ärztlichen Alltag und die Anforderungen an Mediziner im Krankenhaus in einer authentischen Lernumgebung gezielt zu trainieren.

„Die Medizinische Fakultät Mannheim legt traditionsgemäß sehr viel Wert auf den klinisch-praktischen Teil der medizinischen Ausbildung“, so Dekan Professor Dr. Dr. h.c. Klaus van Ackern bei der feierlichen Eröffnung. „Dem trägt Thesima als weiterer Baustein in unserem Modellstudiengang MaReCuM Rechnung.“

Im Thesima werden sowohl Alltagssituationen als auch die Atmosphäre eines Krankenhauses so wirklichkeitsnah wie möglich simuliert. „Mit dem Thesima-Unterricht geht die Mannheimer Fakultät weit über das reguläre Lehrprogramm hinaus“, lobte die Mannheimer Bürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheusser in ihrer Begrüßungsansprache das Konzept. „Die Stadt ist stolz, ein solches Studienangebot zu beherbergen.“

Auf die Qualität in der medizinischen Lehre und die Notwendigkeit, verbindliche Standards zu schaffen und einzuhalten, verwies Bettina Jorzik vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in ihrer Festansprache. Die Hochschulen, so ihr Credo, seien hier besonders verpflichtet. Dies betreffe gerade die Medizinischen Fakultäten in hohem Maße; schließlich bildeten sie junge Menschen aus, die im späteren Berufsleben große Verantwortung zu tragen und unter oftmals hoher Belastung weitreichende Entscheidungen zu fällen hätten.

Im Lernkrankenhaus Thesima wird auch die ärztliche Kommunikation strukturiert erarbeitet – mit Hilfe von Schauspielpatienten, die eigens dafür bestimmte Rollen einstudieren. Praktische Fertigkeiten wie Nähen, Gipsen, Auskultieren oder venöse Zugänge legen werden im Unterricht mit den Dozenten und später dann unter Anleitung studentischer Tutoren aus höheren Semestern unter anderem an Modellen und Simulatoren geübt. Für Visite und Untersuchungsübungen stehen eigens Krankenzimmer samt Betten und Nachttischen zur Verfügung. „Eine wirklichkeitsnahe Lernumgebung ist für die gezielte Vorbereitung auf die Praxis entscheidend“, so Dr. Harald Fritz, Geschäftsbereichsleiter Studium und Lehrentwicklung an der Mannheimer Fakultät und Initiator von Thesima. „Die Patientenbetten und Arztzimmer sind deshalb genauso wichtig wie die technische Ausrüstung, die wir für die Lehre bereitstellen.“

Eine weitere Besonderheit: Für die Arzt- und Krankenzimmer stehen Ärztinnen, Doktoren und Krankenschwestern der Mannheimer Geschichte Namenspate. So verweist etwa der Julius-Moses-Saal auf einen Armen- und Fürsorgearzt, der seit 1896 in Mannheim praktizierte und unter den Nationalsozialisten seine Approbation abgeben und nach Palästina emigrieren musste. Der Pauline-Maier-Saal erinnert an eine Krankenschwester im jüdischen Krankenhaus Mannheim, auch sie wurde Opfer der Nationalsozialisten. „Mit der Namensgebung der Räume“, so Studiendekan Professor Dr. Harald Klüter, „möchten wir auch die Verbundenheit der Fakultät mit der Stadt Mannheim, seinen Bürgern und dem Klinikum demonstrieren.“

Finanziert wird Thesima aus Studiengebühren. „Ohne diese Gelder hätten wir eine solche aufwändige Einrichtung nicht bereitstellen können“, betont Professor Dr. Harald Klüter bei der symbolischen Schlüsselübergabe an den ärztlichen Leiter von Thesima, Professor Dr. Jens Kaden. „Mit Thesima wird das Konzept des Mannheimer Reformstudienganges MaReCuM konsequent weiter verfolgt.“

Der Unterricht im Thesima läuft seit Beginn des Wintersemesters. Die Studierenden zeigen sich mit Konzept und Durchführung von Thesima und mit dieser Verwendung ihrer Studiengebühren mehr als zufrieden und enthüllten stolz die Gedenktafel ihres Lernkrankenhauses.

Foto von zwei Studenten, die eine Untersuchung an einem Schauspieler-Patienten üben.

Mannheimer Studenten trainieren den "Ernstfall" im neu eröffneten Lernkrankenhaus. Dieses und andere Fotos können Journalisten zur Verfügung gestellt werden (Quelle: Universitätsmedizin Mannheim).

Von Jutta Becher