02.11.09

Vorreiter in der Erforschung von Nervenschmerzen

BMBF bewilligt Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz eine dritte Förderperiode / Aufbau eines Qualitätsmanagementzentrums an der Universitätsmedizin Mannheim geplant

Der Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS) konnte sich eine weitere dreijährige Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sichern. Der Verbund, in dem sich Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Mannheim maßgeblich engagieren, wird damit bereits in der dritten Förderperiode unterstützt. Mit der Anschlussförderung festigt das deutschlandweite Netzwerk seine Vorreiterrolle in der Erforschung neuropathischer Schmerzen.

Jeder Schmerzmechanismus erfordert eine spezifische Therapie – so der Leitgedanke der DFNS. Man spricht von einer Mechanismen-orientierten oder Symptom-basierten Therapie. Um die dem Schmerz zugrunde liegenden biologischen Mechanismen im einzelnen Fall zu erkunden, bedarf es einer genauen Analyse der Schmerzsymptomatik. Mit der so genannten Quantitativen Sensorischen Testung (QST) kann die Schmerzsymptomatik mit einfachen Mitteln wie Pinsel und Wattebausch exakt erfasst werden. Eines der wichtigsten Ziele des Forschungsverbunds war in der Vergangenheit die Entwicklung eines standardisierten Protokolls zur Quantitativen Sensorischen Testung, mit dessen Hilfe sensible Defizite und schmerzhafte Symptome beim einzelnen Patienten nicht nur umfassend analysiert, sondern auch standardisiert erfasst werden können.

Professor Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Inhaber des Lehrstuhls für Neurophysiologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, gehört dem Leitungsgremium des DFNS an. Der Mannheimer Schmerzexperte hat das Projekt „Validierung der Quantitativen Sensorischen Testung (QST) als klinisches Instrument zur Untersuchung neurobiologischer Mechanismen bei neuropathischem Schmerz“ geleitet und inzwischen zum Abschluss gebracht.

Aktuell treibt Professor Treede den Aufbau eines zentralen Qualitätsmanagement-Zentrums an der Universitätsmedizin Mannheim voran, um die QST flächendeckend in Deutschland und international verfügbar zu machen und damit eine hoch qualifizierte Diagnostik neuropathischer Schmerzen sicherzustellen. Ziel ist es, die QST im wissenschaftlichen als auch im medizinischen Alltag als Standard zu etablieren. Das übergreifende Qualitätsmanagement-Zentrum wird darüber hinaus auch eine Implementierung der QST in verschiedenen neurologischen und interdisziplinären Leitlinien anstreben, wie sie bereits modellhaft in der Leitlinie "Neuropathischer Schmerz" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zu finden ist.

In Deutschland leiden etwa sechs Prozent der Bevölkerung, also knapp fünf Millionen Menschen, an so genannten neuropathischen Schmerzen – meist chronischen Schmerzen, deren Ursachen im zentralen oder peripheren Nervensystem zu finden sind. Etwa 20 Prozent aller Patienten, die in Deutschland wegen Schmerzen eine schmerztherapeutische Spezialeinrichtung aufsuchen, leiden an ungenügend behandelten neuropathischen Schmerzen.  

Deutscher Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS)
Der heute weltweit anerkannte Deutsche Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz wurde im Jahr 2002 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungsverbünde für Schmerzforschung“ gegründet. Seitdem befasst sich der Verbund mit der Pathophysiologie, der Prävention und der Therapie neuropathischer Schmerzen mit dem Ziel, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen grundlegend zu verbessern.

Weitere Netzwerkprojekte:

Weiterer Ausbau der weltweit größten Datenbank zu neuropathischem Schmerz - unterstützt die Erforschung neuer Therapiestrategien und eine individualisierte Diagnostik.

Blut- und DNA-Bank – Ressource für genetische Analysen, zur Identifizierung von Risikogenen für neuropathische Schmerzerkrankungen.

Zentrale Organisation und Koordination klinischer Studien – diese bilden die Grundlage für die Entwicklung neuer medikamentöser Therapieoptionen.


Von Dr. Eva Maria Wellnitz