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Schilddrüsenchirurgie/Endokrine Chirurgie

Sehr geehrte/r Patient/in,

Die endokrine Chirurgie ist in den letzten Jahren zunehmend komplexer geworden und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen endokrinen Chirurgen, niedergelassenen Hausärzten, Radiologen und Endokrinologen. An der Universitätsmedizin Mannheim behandeln wir die gesamte Bandbreite der endokrinologischen Erkrankungen. Die hierbei häufigsten sind Knoten der Schilddrüse, gefolgt von Erkrankungen der Nebenschilddrüsen und Nebennieren und anderen endokrinen Tumoren, z.B.  des Gastrointestinaltraktes.

 

Schilddrüse

Steht Ihnen eine Schilddrüsenoperation bevor?

Wenn dieses der Fall ist, so ist dies möglicherweise für Sie interessant. Im Folgenden werden wir auf Fragen eingehen, die uns häufig gestellt werden:

Welche Aufgabe hat die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse und für den Energiehaushalt des Körpers zuständig. Sie befindet sich an der Vorderseite des Halses, etwas unterhalb des Kehlkopfes. 

Bildet sie zu wenig Hormon (Unterfunktion), äußert sich dies vor allem in Müdigkeit und Antriebslosigkeit sowie in einer Verlangsamung des Magen-Darm-Traktes.
Bildet sie dagegen zu viel Hormon (Überfunktion) kommt es vor allem zu allgemeiner Übererregbarkeit, Nervosität, Hitzegefühl, Heißhunger, Durchfällen, Zittern der Hände, Hervortreten der Augen und Herzklopfen.

Was kann an der Schilddrüse erkrankt sein?

Die Unter- und Überfunktion wird meistens durch Entzündungen, gutartige Tumoren oder Autoimmunkrankheiten verursacht. Besondere Sorge verursachen die bösartigen Tumoren. Je nach Art des Tumors ist die Überlebensprognose nach entsprechender Behandlung unterschiedlich, meist jedoch vergleichsweise gut.
Grundsätzlich gilt: Je früher der Tumor erkannt und behandelt wird desto besser die Prognose.

Die gutartige Vergrößerung der Schilddrüse ohne Über- oder Unterfunktion bedarf meistens keiner operativen Behandlung. Hier reicht eine medikamentöse Behandlung  meistens aus. Sollte die Schilddrüse jedoch so groß werden, dass sie mechanische Probleme verursacht, sollte über eine Operation nachgedacht werden.

Welche Untersuchungen gibt es für die Schilddrüse?

Wichtig ist die Erfassung der Krankengeschichte und der Symptome. Durch Blutuntersuchungen kann man die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut bestimmen und Rückschlüsse auf eine Über- oder Unterfunktion ziehen. Auch gibt es Laborwerte, die auf Entzündungen oder Tumoren hinweisen.

Zur Größenerfassung und Erkennung von Knoten wird ein Ultraschall der Schilddrüse durchgeführt. Auch kann vor einer Behandlung eine Szintigrafie durchgeführt werden, die aussagt, wo in der Schilddrüse vermehrt oder vermindert Hormon gebildet wird („heiße“ oder „kalte“ Knoten).

Warum muss operiert werden?

Schilddrüsenoperationen werden vor allem zum Ausschluss und zur Behandlung von bösartigen Tumoren (Schilddrüsenkrebs) durchgeführt.

Aber auch gutartige Tumoren bedürfen, vor allem bei einer Überfunktion der Schilddrüse, möglicherweise einer Operation mit Entfernung der Knoten.
Zu guter Letzt gibt es auch eine Überfunktion der Schilddrüse ohne Knoten (z.B. Morbus Basedow). Diese kann vorübergehend mit Medikamenten behandelt werden, bedarf aber längerfristig meistens einer Operation oder inneren Bestrahlung mit radioaktivem Jod.

Wächst die Schilddrüse, kann sie ein mechanisches Hindernis für Speiseröhre, Luftröhre oder Blutgefäße werden. In diesem Fall sollte man die Schilddrüse operativ verkleinern oder ganz entfernen.

Wie erfolgt die Operation?

In Vollnarkose wird die Schilddrüse über einen Schnitt im unteren Drittel des Halses freigelegt und von den Nachbarorganen (z.B. Stimmbandnerv und Nebenschilddrüsen) isoliert. Ist nur eine Seite betroffen, genügt es, zunächst diese zu entfernen. Wenn beide Seiten betroffen sind, wird meistens die gesamte Schilddrüse bis auf einen minimalen gesunden Rest entfernt.

Bei bösartigen Tumoren erfolgt meist die Entfernung der gesamten Schilddrüse.

Welche Risiken birgt die Operation?

Bei der Lösung der Schilddrüse kann es zu Verletzungen der Nachbarorgane wie z.B. den oberen oder unteren Stimmbandnerven kommen. Dies kann zu Heiserkeit führen.
Nachblutungen in den ersten 24 Stunden sind eine seltene Komplikation, die jedoch ein rasches Handeln erfordern. Insgesamt ist die Schilddrüsenoperation jedoch ein sehr sicherer Eingriff.

Wie kann man die Operation sicherer machen?

Um die Stimmbandnerven sicher zu identifizieren, stellen wir während der Operation die Stimmbandnerven durch eine Nervenstimulation dar (Neuromonitoring).
Zur Vermeidung von Nachblutungen und Verletzungen des Stimmbandnervens ist es jedoch die Erfahrung des/der Operateurs/in von noch größerer Bedeutung. Operateur/in und Team müssen mit Liebe und Geduld sowie der notwendigen Routine an die Operation herangehen. Hier am Universitätsklinikum Mannheim haben wir uns deshalb auf die Schilddrüsenchirurgie spezialisiert.

Wie sieht der Ablauf aus?

Vor der Operation wird die Szintigrafie, der Ultraschall und die Hormonbestimmung durchgeführt. Auch sollten die Stimmbänder vor und nach der Operation auf ihre Funktion überprüft werden.

Sind diese Unterlagen vollständig, werden Sie bei einem ambulanten Termin von uns auf die Operation vorbereitet.

Sie werden erst am Tag der Operation gegen 7:00 Uhr morgens stationär aufgenommen. Die Operation erfolgt im Laufe des Vormittags, sodass mittags Sie meistens schon wieder auf Ihrem Zimmer sind und ein leichtes Mittagessen bekommen. Schläuche (Drainagen) werden nur selten nach der Operation benötigt.

Die nächsten 1-2 Tage bleiben Sie zur Sicherheit im Krankenhaus, können sich aber frei bewegen. Das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung (Histologie), trifft nach ein bis zwei Tagen ein, sodass dies und das weitere Vorgehen schon bei der Entlassung besprochen werden können. Bitte teilen Sie uns mit, wer Sie weiterbehandeln wird. Der/die niedergelassene Kollege/-in bekommt dann automatisch die notwendigen Befunde zugesendet.

Was passiert nach der Entlassung?

Vier Tage nach der Operation sollten Sie zu Ihrem Hausarzt gehen, um die Fäden ziehen zu lassen. Sollte das feingewebliche Ergebnis (Histologie) bei Entlassung noch nicht vorliegen, müssen Sie so lange mit der Einnahme von Schilddrüsenhormonen warten.

Erst wenn sicher ist, dass der Befund gutartig ist, kann mit der sogenannten Substitution der Hormone begonnen werden. Je nachdem wieviel von der Schilddrüse verblieben ist, beginnt man mit 50 oder 100 Mikrogramm L- Thyroxin. Die Feineinstellung erfolgt dann durch Ihren Hausarzt oder den niedergelassenen Schilddrüsenarzt nach 3 Wochen. Die Dosierung der Hormone sollte mindestens einmal im Jahr durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden.

Sollte bei der feingeweblichen Untersuchung ein bösartiger Tumor diagnostiziert werden, wird Ihr Fall in unserem Tumorboard besprochen, welches weitere Behandlungsempfehlungen gibt.

 

 

Nebenschilddrüsen

 

Nebenschilddrüsen

Wir haben 4 Nebenschilddrüsen. Sie befinden sich meist hinter der Schilddrüse. Sie sind zur Regulierung des Calciumhaushaltes in unserem Körper notwendig.
Krankheiten der Nebenschilddrüsen werden oft erst sehr spät erkannt.

Die häufigste Erkrankung der Nebenschilddrüsen sind gutartige Tumoren, die unkontrolliert das Nebenschilddrüsenhormon (Parathormon) produzieren. Ist dies der Fall steigt der Calciumwert im Blut. Dies verursacht verschiedene Symptome wie Nierensteine, Magengeschwüre und Osteoporose. Aber auch psychische Verstimmungen und Darmbeschwerden können Ausdruck einer solchen Überproduktion sein. Seltener sind Erkrankungen der Nebenschilddrüse Folge eines Nierenschadens.

Bösartige Erkrankungen der Nebenschilddrüse sind äußerst selten.
Unterfunktionen sind meist die Folge von Operationen an der Schilddrüse.

Wie weise ich eine Überfunktion der Nebenschilddrüse nach?

Meist fällt ein erhöhter Calciumspiegel im Blut auf. Wenn dann auch das Phosphat im Urin erhöht ist, liegt der Verdacht einer Überfunktion sehr nahe. Ein erhöhter Parathormonspiegel im Blut ist der Nachweis eines sog. Hyperparathyreoidismus, also einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen.  Ist dies der Fall, muss nach einem gutartigen Tumor einer Nebenschilddrüse (Nebenschilddrüsenadenom) gesucht werden.

Wie finde ich ein Nebenschilddrüsenadenom?

Die Nebenschilddrüsen sind normalerweise nur 2-5 mm groß und mit bildgebenden Verfahren nur schwer zu orten.  Adenome sind meistens größer als 10 mm und können im Ultraschall gesehen werden. Liegen sie jedoch nicht an typischer Stelle, wird es schwierig. Sie können überall im Halsbereich liegen, manchmal sogar im Brustkorb.  Eine Szintigraphie gibt manchmal Hinweise darauf, wo sie zu finden sind. In vielen Fällen muss der Chirurg aber an den typischen Stellen suchen.

Seit 2020 haben wir am Universitätsklinikum Mannheim die 4-D-Computertomografie entwickelt, die eine hohe Treffsicherheit bei „versteckten“ Adenomen hat. Es ist eine spezielle Computertomografie des Halses und des oberen Brustkorbes, die wir vor der Operation durchführen.

Wie werden Nebenschilddrüsenadenome behandelt?

Zwar gibt es ein Medikament, das in der akuten Phase die Hormonproduktion ausgleichen kann, die definitive Behandlung der Adenome der Nebenschilddrüse ist jedoch deren operative Entfernung. Ähnlich wie bei einer Schilddrüsenoperation wird das Adenom über einen Schnitt am Hals aufgesucht und entfernt. Meistens fällt das Parathormon im Blut dann schon im OP nach wenigen Minuten auf Normalwerte.

 

Nebenniere

Die Nebennieren sind ebenfalls ein lebensnotwendiges Organ. Sie produzieren u.a. das Adrenalin und weitere Hormone. Aber auch für den Salzhaushalt des Körpers sind sie wichtig. Die Krankheitsbilder sind vielfältig. Je nach Über- oder Unterproduktion treten die unterschiedlichsten, teils lebensbedrohlichen, Krankheitsbilder auf.

Aber auch bösartige Tumoren kommen in den Nebennieren vor. Meist wird die Abklärung dieser Krankheitsbilder in unserer endokrinologischen Klinik durchgeführt. Zu uns kommen Sie, wenn eine Operation notwendig ist. Die Entfernung von Nebennieren führen wir endoskopisch minimalinvasiv durch. In der Regel ist man nach der Operation schnell wieder gesund und kann das Krankenhaus nach 2-3 Tagen verlassen.

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Ansprechpartner

Prof. Dr. med.
Sebastian Freudenberg

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Sollten Sie einen Termin bei uns wünschen, so können Sie diesen in unserem Sekretariat für Terminvergabe der Chirurgie vereinbaren.

Endokrine Chirurgie
Chirurgische Klinik Mannheim
Theodor Kutzer Ufer 1-3
68167 Mannheim

Terminvergabe  Tel.: 0621 383-1501

Gerne beantworten wir dann auch ihre eigenen Fragen. Bei sonstigen Fragen schreiben Sie uns gern eine E-Mail unter:

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