Übersicht über urologische Krankheitsbilder

Vorhautverengung (Phimose)

Die Verklebung zwischen innerem und äusserem Vorhautblatt ist physiologisch bis zum 2. Lebensjahr – bis zu diesem Alter ist keine operative Therapie notwendig. Rezidivierende Entzündungen des inneren oder äusseren Praeputialblattes (Blanitiden), Schmerzen bei der Miktion mit Aufballonieren der Vorhaut können jedoch eine frühere Therapie notwendig machen.

Konservative Therapie

Da in der heutigen Zeit immer häufiger der Wunsch nach einer Vorhauterhaltenenden Therapie geäussert wird besteht die Möglichkeit, bei nicht narbig veränderteren Phimosen, einer Kortisionsalbentherapie mit Metylprednisolon 0,1%. Hierbei wird über einen Zeitraum von 4 Wochen 2 x tgl. lokal Kortison auf die Phimose aufgetragen. Zusätzlich sollte versucht werden die Vorhaut regelmässig zu reponieren. Erfolgsraten von bis zu 70% können bei guter Mitarbeit des Kindes und der Eltern erreicht werden.

Operative Therapie

  • Vorhauterhaltende Operationen
    • Dorsale Schnürring Incision (Welsh Plastik)
    • Triple Incision
  • Radikale Beschneidung (Zirkumzision)

Die operativen Korrekturen der Phimose sind ambulante Eingriffe, die entweder in OP Räumen der Kinderchirurgischen Klinik oder im Kurztherapiezentrum (KTZ) durchgeführt werden.

Hydronephrose - Wasserniere

Eine Wasserniere ist meistens keine eigenständige Erkrankung sondern die Folge einer anderen,   zugrundeliegenden Krankheit.   Wenn eine Engstelle im Bereich der Harnleiter auftritt, produziert die Niere Urin, der aber nicht in die Blase abfliessen kann, deshalb kommt es zu einer Drucksteigerung im Bereich des Nierenbeckens, das darauf mit  Aufweitungen reagiert.  Andere Ursache kann ein Urinrückfluss aus der Blase in die NIere sein.   Diese druckbedingten Aufweitungen können die Niere dauerhaft schädigen, weshalb Wassernieren unbedingt behandelt, zumindest aber regelmässig kontrolliert werden müssen.   Abzugrenzen von den Wassernieren sind die insbesondere bei sehr kleinen Kindern und Babys zu findenden frühkindlichen Nierenkelche, die keinen Krankheitswert haben.   Die Unterscheidung ist schwierig und sollte nur durch spezialisierte, kinderurologisch tätige Ärzte erfolgen.

Hypospadie - Fehlmündungen der Harnröhre

Bei einem von 300 Jungen mündet die Harnröhre nicht in der Eichelspitze sondern am Penisschaft oder am Hodensäckchen.   Meist ist die Vorhaut segelartig verändert.   Eine Hypospadie ist für den Jungen keine gefährliche Erkrankung, sollte aber ab dem vollendeten zweiten Geburtstag operativ korrigiert werden.  Das fehlgebildete Glied kann in der Entwicklung zu schweren psychischen Belastungen führen.    In ausgeprägten Formen kann es zu Störungen der Fortpflanzung kommen.Operativ wird eine neue Harnröhre geschaffen, die zum Schutz vor Verletzungen mit Bindegewebe aus der Vorhaut  bedeckt wird.   Dazu wird das Vorhautsegel entfernt.   Der Junge sieht nach der Operation wie beschnitten aus.

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Urinrückfluss (Vesico-ureteraler Reflux - VUR)

Rückfluss von Urin aus der Blase in die Niere

Im Normalfall fließt der Urin aus den Nieren über den Harnleiter in die Blase. Beim vesicoureteralen Reflux (VUR) kann der Urin auch den entgegengesetzten Weg nehmen, d. h. er fließt aus der Blase über den Harnleiter wieder zurück in die Nieren, dies kann sowohl einseitig als auch beidseitig vorkommen.

Die Harnleiter münden bei gesunden Kindern nicht direkt in die Blase, sondern verlaufen eine kurze Strecke zwischen Blasenschleimhaut und Blasenmuskulatur. Diese kurze Strecke führt zu einem Ventilmechanismus, der verhindert, dass bei voller Blase der Urin aus der Blase in die Harnleiter zurückfliessen kann ( Reflux ). Bei Kindern mit einem Reflux findet sich in aller Regel eine Fehlmündung der Harnleiter, diese münden dann direkt in der Harnblase. Dadurch fehlt der Ventilmechanismus und es kommt zu einem Rückfluss von Urin in den Harnleiter und in die Niere. Dies führt zu einem erleichterten Eindringen von Bakterien aus der Blase in Richtung Niere – die Kinder neigen daher verstärkt an Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritiden), die zu Nierenschädigungen führen können.

Der vesico-ureterale Reflux kommt zu 75% bei Mädchen vor, zusätzlich gibt es eine familiäre Häufung. Die häufigste Erstmanifestation eines Refluxes ist der Harnwegsinfekt (HWI).

Reflux Diagnostik

Um einen Reflux zu diagnostizieren wird ein sogenanntes Miktonszystouretrogramm (MCU) oder eine Miktionsurosonographie (MUS) durchgeführt. Hierbei wird ein dünner Katheter über die Harnröhre in die Blase geführt und ein Kontrastmittel in die Blase eingebracht. Anschliessend werden Bilder unter kontinuierlicher Füllung der Blase und beim Wasserlassen gemacht. Hierbei kann genau erkannt werden ob ein Rückfluss von Urin Richtung Niere vorhanden ist. Die Untersuchung dauert im Normalfall 20 – 25 min. Bei kleinen Kindern kann diese Untersuchung auch mit eine Sedierung durchgeführt werden.

Bei rezidivierenden Pyelonephritiden oder sonographischen Verdacht auf eine Nierenschädigung wird zur weiteren Diagnostik eine Nierenfunktionsszintigraphie durchgeführt.

Bei schwerem Reflux kann es erferderlich sein, die Harnleiter operativ neu in die Blase einzupflanzen.

Welche Methode bei Ihrem Kind die erfolgversprechendste ist, hängt von vielen Faktoren ab, die in einem persönlichen Gespräch geklärt werden sollten.

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Reflux Grade Einteilung

Der Reflux wird nach einer internationalen Klassifizierung in 5 Grade eingeteilt:

  • Grad I
    Reflux nur in den Harnleiter
  • Grad II
    Reflux in Harnleiter und Niere bei zartem Nierenbeckenkelchsystem
  • Grad III
    Reflux in Harnleiter und Niere mit min. Weitstellung (Dilatation) des Nierenbeckenkelchsystemes
  • Grad IV
    Reflux in Harnleiter und Niere mit einer deutlichen Weitstellung von HL und Nierenbeckenkelchsystem, Kelche noch erkennbar
  • Grad V
    Mäanderförmige Erweiterung des Harnleiters und ein verplumptes Nierenbeckenkelchsystem.
Abb: Einteilung der Refluxe;
Abb. VUR III-IV° bds. vor Deflux;
Abb. VUR III-IV° bds. vor Deflux;

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Therapie des Refluxes

Je nachdem wie ausgeprägt der Reflux und wie alt das Kind ist, kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Betracht:

Konservativ

Bei Säuglingen und kleinen Kindern kann unter regelmässigen sonographischen Kontrollen und unter dem Schutz eines Antibiotikums zugewartet werden, da der Reflux spontan ausreifen kann (Maturation). Im Abstand von 6 Monaten werden Kontroll MCU´s durchgeführt.

Operative Behandlung des Refluxes

Bei weiterhin bestehenden Reflux bei Kindern jenseits des Kleinkindesalters, beim Auftreten von Durchbruchsinfektionen unter einer antibiotischen Prophylaxe oder der Gefahr einer Nierenschädigung, sollte eine operative Sanierung des Refluxes angestrebt werden. Dies kann sowohl minimal invasiv (endoskopisch) oder offen operativ geschehen.

Endoskopisch

Beim endoskopischen Vorgehen wird eine Blasenspiegelung durchgeführt, bei der der betroffene Harnleiter mit einem Medikament (Deflux, Vantris) unterspritzt wird. Durch die Unterspritzung wird ein Ventilmechanismus geschaffen, so dass kein Urin aus der Blase zurück in den Harnleiter fliessen kann. Dieser Eingriff ist minimal invasiv, es wird kein Hautschnitt benötigt, das Kind muss lediglich eine Nacht in der Klinik bleiben. Diese OP Technik kommt bei Refluxgraden I°- IV° zur Anwendung.

Offen operativ

Bei hochgradigen bilateralen Refluxen ist diese Behandlung nicht möglich und eine offen operativere Antirefluxplastik (Lich Gregoir, Psoas Hitch, Cohen, Politano Leadbetter) wird notwendig. Bei den offenen Eingriffen liegen die Kinder zwischen 5 bis 10 Tage stationär.

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Abb.: MCU nach Deflux Unterspritzung bds.;
Abb.: MCU nach Deflux Unterspritzung bds.;
Abb.: Refluxives Ostium vor Unterspritzung;
Abb.: Refluxives Ostium nach Unterspritzung

Inhaltlich verantwortlich gemäß § 6 MDStV ist der/die jeweilige Direktor/in bzw. Leiter/in der Einrichtung.

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