
Viele Fragen aus dem vorangegangenen Vortrag leiteten schon zur zweiten Vorlesung über, wie zum Beispiel diese: Wieviel Blut kann man verlieren, damit man nicht stirbt? Die Antwort: In der Regel hat ein erwachsener Mensch fünf bis sechs Liter Blut, ein dreißig Kilo schweres Kind etwa zweieinhalb Liter – wenn man mehr als die Hälfte davon verliert, wird’s gefährlich. Und was passiert, wenn man bei einem Unfall viel Blut verliert? Hierauf hatte Dr. Karin Janetzko vom Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie die Antworten.

Daniela hat einen Unfall
Auch Dr. Janetzko begann ihre Vorlesung mit einem Beispiel: Die fünfjährige Daniela, die mit ihrem Roller einen Verkehrsunfalls hat, wird mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Schnell steht fest, dass sie sich das Bein gebrochen hat – da sie geblutet hat, besteht außerdem die Befürchtung, dass sie fremdes Blut braucht, um wieder zu Kräften zu kommen. Von hier ausgehend stellte die Dozentin die Fragen: Was ist überhaupt Blut? Woraus besteht Blut? Warum braucht der Mensch Blut? Und was ist die Aufgabe des Blutes?
Von Leuko-, Thrombo- und Erythrozyten
„Der Saft des Lebens“ besteht aus drei Bestandteilen: 1. den Leukozyten, auch weiße Blutzellen oder Blutkörperchen genannt; ihre Aufgabe ist es, Fremdstoffe und Krankheitserreger zu „fressen“, die in den Körper eindringen, und von ihnen gibt es 6.000 pro Mikroliter Blut; 2. den Thrombozyten oder Blutplättchen, die für die Gerinnung des Blutes zuständig sind; sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Wunden schnell wieder verschlossen werden – 300.000 gibt es davon pro Mikroliter; und 3. den Erythrozyten, auf Deutsch rote Blutzellen oder -körperchen genannt, die den Sauerstoff transportieren – davon gibt es in einem Mikroliter so viele wie Einwohner in Finnland: fünf Millionen!

Blutgruppenbestimmung "live"
Auf den roten Blutkörperchen gibt es Strukturen, durch die die Blutgruppe eines Menschen festgelegt ist; herausfinden kann man die Blutgruppe, indem man einem Blutstropfen bestimmte Antikörper hinzu gibt, die zu diesen Strukturen wie ein Schlüssel ins Schloss passen – oder eben auch nicht; wenn beide sich ergänzen, verklumpt das Blut in der Testschale, und daran kann man sehen, ob es sich um die Blutgruppe A, B, AB oder 0 handelt; wenn ein Mensch dann Blut benötigt, erhält er genau die passende Blutkonserve zu seiner Blutgruppe. Wie die Blutgruppenbestimmung funktioniert, konnten die jungen Studis übrigens am lebenden Beispiel verfolgen – drei Mitglieder des UMM-Organisationsteams ließen sich dafür im Laufe des Tages von Dr. Janetzko in den Finger pieksen. Nebenbei erfuhren die Kinder, dass die Blutgruppe A (positiv) am häufigsten vorkommt, während AB die am seltensten auftretende Blutgruppe ist.
Blut spenden - wie geht das?
Doch woher kommt die Blutkonserve, fragte Dr. Janetzko: Die Kinder wussten gleich, dass sie weder vom Bäcker noch von der Tankstelle noch aus der Apotheke kommt – sondern von der Blutbank. Hier wird Blut aufbewahrt, das Menschen freiwillig spenden, um es denjenigen zu geben, die es nach einem großen Blutverlust dringend brauchen. Zum Beispiel Herr Adler: Er ist Polizist und Blutspender. Jedes Mal, wenn er zur Blutspende geht, muss er einen Fragebogen ausfüllen. Darin wird er unter anderem gefragt, ob er vor kurzem krank war, bestimmte Medikamente genommen oder in einem exotischen Land Urlaub gemacht hat, wo es ansteckende Krankheiten gibt. Außerdem wird er ärztlich untersucht, damit sicher ist, dass er selbst fit genug ist, Blut zu spenden: Hat er genug rote Blutkörperchen, ist sein Blutdruck in Ordnung, hat er genug gegessen und getrunken?
Dann kann es losgehen: Durch eine Nadel mit einem Hohlraum wird aus Herrn Adlers Vene in der Armbeuge Blut abgezapft. Es fließt in einen Beutel auf einer Waage, die piepst, wenn die Grenze von 500 Milliliter erreicht ist – das entspricht einer halben Milchpackung, wie die Dozentin erklärte. Diese Menge an Blut wird vom menschlichen Körper im Knochenmark innerhalb von vier bis fünf Wochen neu gebildet.

Nur gesundes Blut wird weitergegeben!
Bevor das Blut an andere weitergegeben wird, wird es noch einmal auf Bakterien und Viren untersucht, damit eventuelle Krankheiten nicht an den Blutempfänger weitergegeben werden. Falls es nicht brauchbar ist, wird es auf 134 Grad erhitzt, damit mögliche Keime abgetötet werden, und dann als Sondermüll entsorgt. Im Normalfall – also, wenn mit dem gespendeten Blut alles in Ordnung ist, wird es in einer Zentrifuge in Plasma (gelblich, klar, oben), Thrombo- und Leukozyten (gelblich, milchig, Mitte) und Erythrozyten (rot, unten) getrennt; daraus entstehen drei Blutprodukte, die als Arzneimittel Patienten helfen können.
"Wir brauchen Spender!"
Das Interesse der Kinder-Studis auch an diesem Thema war sehr groß, wie man in der Fragerunde merkte: Wie oft kann man Blut spenden? Die Antwort: nicht häufiger als vier Mal im Jahr, damit der Körper ausreichend Zeit hat, das verlorene Blut wieder nachzubilden. In welchem Alter darf man Blut spenden? Antwort: von 18 bis 68 Jahren. Spenden viele Menschen Blut? Leider noch immer zu wenige im Verhältnis dazu, wie viel gebraucht wird. Daher appellierte die Dozentin an die Kinder: „Wenn ihr groß seid, brauchen wir euch alle als Spender!“
Inhaltlich verantwortlich gemäß § 6 MDStV ist Klaus Wingen.
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