PD Dr. med. Wiebke Ludwig-Peitsch
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
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Psoriasis – eine Volkskrankheit im Umbruch
Die Psoriasis, im Volksmund auch als Schuppenflechte bekannt, ist mit einer Prävalenz von ca. 2% eine der häufigsten Hautkrankheiten und besitzt nicht nur eine große medizinische, sondern auch eine enorme gesundheitsökonomische Bedeutung. Die Patienten leiden nicht nur unter körperlicher Beeinträchtigung, sondern oft auch unter Stigmatisierung im beruflichen und sozialen Umfeld. Bei etwa einem Drittel entwickelt sich im Verlauf der Erkrankung ein psoriatisches Gelenkrheuma („Psoriasisarthritis“). Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts stand die Therapie der Psoriasis auf drei Säulen, der Lokaltherapie, der Lichttherapie und der klassischen antipsoriatischen Systemtherapie. Seit dem Jahr 2004 wurden mit den „Biologicals“, monoklonalen Antikörpern und Rezeptorantagonisten, hoch wirksame Alternativen eingeführt, die die Psoriasis-Therapie geradezu revolutioniert haben. In jüngster Vergangenheit rückte die Psoriasis auch noch in anderer Hinsicht in den allgemeinen Blickpunkt, indem deutlich wurde, dass Psoriasis einen Risikofaktor für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen darstellt. Diese Assoziation verdeutlicht einmal mehr, dass die Psoriasis nicht als harmlose, auf Haut und ggf. Gelenke beschränkte Krankheit, sondern vielmehr als Multisystemerkrankung betrachtet werden sollte.
Krankheitskosten stationär und ambulant betreuter Psoriasispatienten
Zur Lokaltherapie mittelschwerer und schwerer Formen der Psoriasis ist das bereits im Jahr 1916 eingeführte Cignolin gut geeignet, das sich optimal mit Lichttherapien kombinieren lässt und meist im Rahmen eines stationären oder tagesklinischen Aufenthalts appliziert wird. In Deutschland stellt diese Therapie seit Jahrzehnten eine bevorzugte Behandlungsform dar, während im angloamerikanischen Raum das Konzept der „Chronic Outpatient Therapy“ die stationäre Psoriasistherapie immer mehr verdrängt hat, eine Entwicklung, die durch die Einführung der Biologicals beschleunigt wurde. So stellt sich auch für das deutsche Gesundheitssystem die Frage, ob eine stationäre Therapie aus gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten heute noch gerechtfertigt ist.
Um die Kosten der stationären und der ambulanten Psoriasistherapie miteinander zu vergleichen, wurde eine retrospektive Analyse an Psoriasispatienten der Mannheimer Hautklinik durchgeführt. Dabei wurden direkte medizinische Kosten, direkte nicht-medizinische Kosten, individuelle, vom Patienten selbst zu tragende Kosten und indirekte, durch Arbeits- und Freizeitausfall bedingte Kosten durch Extraktion aus den Patientenakten und in persönlichen Interviews erfasst. Es konnte gezeigt werden, dass eine stationäre Therapie wesentlich höhere Gesamtkosten als eine ambulant durchgeführte Therapie verursacht, vor allem aufgrund signifikant höherer direkter medizinischer Kosten und höherer indirekter Kosten durch Arbeitsausfall. Unabhängig von stationärer oder ambulanter Therapie entstehen jedoch durch Verordnung von Biologicals die höchsten Kosten, ein Aspekt, der beim zunehmenden Einsatz dieser neuen Medikamente bedacht werden sollte.
Kardiovaskuläre und metabolische Komorbiditäten bei Psoriasispatienten
Für Psoriasispatienten ist das Risiko für Herz-Kreislauf- und metabolische Erkrankungen z. T. erheblich erhöht. Dies gilt insbesondere für junge Patienten mit schwerer Psoriasis. Zur Bestimmung der Prävalenz kardiovaskulärer und metabolischer Erkrankungen und Risikofaktoren wurde eine prospektive Studie an stationär behandelten Psoriasispatienten im Vergleich mit nach Alter und Geschlecht „gematchten“ Kontrollpatienten initiiert. An einer Teilgruppe der Psoriasispatienten wurde zusätzlich zu Laboruntersuchungen auch eine apparative Diagnostik zur Früherkennung einer endothelialen Dysfunktion durchgeführt. Die Untersuchungen zeigen bei Psoriasispatienten eine wesentlich höhere Prävalenz von Diabetes mellitus II, von stattgehabten Myokardinfarkten und von risikorelevanten Störungen des Cholesterinstoffwechsels als bei den Kontrollpatienten. Darüber hinaus weist die Psoriasis-Gruppe signifikant höhere Werte für „high sensitvity“ CRP auf, das als inflammatorischer Risikofaktor für die Entwicklung einer Arteriosklerose gilt. Diese Befunde unterstreichen einmal mehr die Bedeutsamkeit von kardiovaskulären und metabolischen Screening-Untersuchungen für Psoriasispatienten. Da Dermatologen gerade von jungen Psoriasispatienten oft als erste und einzige Ärzte konsultiert werden, ist es ihre Aufgabe, ein entsprechendes Screening einzuleiten und ggf. in Kooperation mit Allgemeinärzten und Internisten präventive oder therapeutische Maßnahmen zu veranlassen.
Einfluss von Patientenpräferenzen auf Therapieerfolge
Zur Therapie der Psoriasis stehen heute eine Vielzahl von Optionen – Lokaltherapie, Lichttherapie, klassische systemische Therapie oder Biologicals – zur Verfügung. Welche Option gewählt wird, richtet sich nach Art und Schweregrad der Psoriasis, nach dem Vorhandensein einer Psoriasisarthritis sowie nach Vortherapien und Komorbiditäten des jeweiligen Patienten. Ziel sollte dabei sein, eine möglichst effektive Behandlungsform mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu finden, die außerdem möglichst kostengünstig ist. Im klinischen Alltag werden häufig mehrere Therapien nach dem „Trial and Error“-Prinzip ausprobiert, bevor die für den einzelnen Patienten am besten geeignete Behandlung gefunden wird. Zudem wird nicht immer ausreichend darauf geachtet, dass die gewählte Therapieform mit den Bedürfnissen und Lebensumständen der Betroffenen kompatibel ist. Dies kann zu Frustration und Non-Compliance und damit zu schlechteren Therapieergebnissen führen. Daher ist zu fordern, die Patienten im Sinne eines partnerschaftlichen Arzt-Patienten-Verhältnisses vermehrt in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Zur Korrelation von Therapiewünschen mit Therapieerfolgen wurden „Conjoint Analyses“ entwickelt, in denen die Erwartungen und Wünsche des Patienten vor Therapiebeginn unsichtbar für den Arzt elektronisch dokumentiert und nach Therapieeinleitung mit dem objektiven therapeutischen Ansprechen korreliert werden. In Kooperation mit Frau Dr. Darcey D. Terris und Herrn Dipl.-Pharm. Nasir Umar aus dem Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) wurden solche „Conjoint Analyses“ an Psoriasispatienten der Mannheimer Hautklinik initiiert. Hiermit hoffen wir zeigen zu können, dass sich sowohl objektivierbare Therapieerfolge als auch Patientenzufriedenheit und Compliance verbessern lassen, wenn die Präferenzen des einzelnen Patienten möglichst gut im Einklang mit der tatsächlich verordneten Therapie stehen. Übergeordnetes Ziel unserer Untersuchungen ist es, auf der Basis unserer Erkenntnisse ein einfaches, im klinischen Alltag einsetzbares Instrument zu entwickeln, mit Hilfe dessen sich Patientenpräferenzen und evidenzbasierte Medizin im Sinne eines „Shared Decision Makings“ aufeinander abstimmen lassen. Dieses soll auch für weitere dermatologische und nicht-dermatologische Erkrankungen adaptierbar sein.
Prof. Dr. med. Matthias Goebeler, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Gießen
Prof. Dr. med. Hans-Peter Hammes, Dr. med. Alexander Lammert, Abteilung für Diabetologie und Endokrinologie, V. Medizinische Klinik, Universitätsmedizin Mannheim GmbH, Universität Heidelberg
Dr. Darcey D. Terris, Dipl.-Pharm. Nasir Umar, Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg
A 3 month, randomized, open label, parallel group, descriptive study to explore and compare perceptions and satisfaction for two different delivery mechanisms for etanercept (etanercept autoinjector and the etanercept prefilled syringe) in patients with psoriasis. Sponsor: Wyeth Pharma GmbH.
Ansprechen psoriatischer Nagelveränderungen auf Systemtherapeutika, die bei schwerer und mittelschwerer Psoriasis eingesetzt werden. Sponsor: Abbott GmbH.
Langzeitdokumentation zu Verträglichkeit und Wirksamkeit sowie Auswirkungen auf die Arbeitsproduktivität bei Patienten mit mäßiger bis schwerer Psoriasis unter HUMIRA (Adalimumab) in der klinischen Routine (LOTOS). Sponsor: Abbott GmbH.
Prospektive nicht-interventionelle Beobachtungsstudie über die routinemäßige Anwendung von Etanercept in der Langzeittherapie von Patienten mit Plaque-Psoriasis in der täglichen Praxis: eine Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Gesundheitsökonomie. Sponsor: Wyeth (Pfizer AG).
Identifizierung von Psoriasis-Arthritis Patienten in der Kohorte dermatologisch betreuter Psoriasis-Patienten. Sponsor: Abbott GmbH
1. Ludwig-Peitsch WK. Psoriasis. In: Klinische Pharmakologie, Wehling M, Hrsg. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2. Auflage, 2010, im Druck.
2. Müller DS, Ludwig-Peitsch WK, Goerdt S, Goebeler M. Optimierung der klinikinternen Ablauforganisation nach Einführung klinischer Pfade am Beispiel der Psoriasis. Akt Dermatol 2010; 36: 115-120.
3. Ludwig-Peitsch WK. Psoriasis – eine Volkskrankheit im Umbruch. Akt Dermatol 2009, 35: 7-14.
4. Ludwig-Peitsch WK, Kemmler N, Goebeler M, Goerdt S. Klassische systemische Therapie der Psoriasis. Akt Dermatol 2006; 32: 190-200.
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