Ziel rekonstruktiver urologischer Eingriffe ist es, durch etablierte und innovative Operationstechniken die Funktion der urologischen Organe wieder herzustellen.
Ursache der Beschwerden können Verletzungen, Tumoroperationen, Gewebeinsuffizienz (Beckenboden) oder angeborene Fehlbildungen sein. Bei den Operationen handelt es sich um funktionelle Korrekturen, wie bei der Fehlfunktion der ableitenden Harnwege (z. B. Nierenbecken-Abgangsenge, Harnröhrenstriktur) oder des Beckenbodens, Organersatz (Neoblase) nach Verlust der Harnblase wegen eines Harnblasenkarzinoms oder plastisch-ästhetischer Korrekturen bei angeborenen (z. B. Hypospadien) oder erworbenen (z. B. Penisdeviation) Fehlbildungen.
Zu den verwendeten Techniken gehören u.a. der gestielte Gewebetransfer, die Verwendung von Mundschleimhaut als freien Gewebetransfer, Prothetik sowie mikrochirurgische Techniken unter Verwendung des Operationsroboters DaVinci.
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Die Belastungs-Harninkontinez nach radikaler Prostatektomie oder Zystektomie (Neoblase) ist eine seltene, aber typische Komplikation mit erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität. Meist ist durch konservative Therapie, insbesondere dem Beckenbodentraining, innerhalb eines Jahres eine zufriedenstellende Kontinenz zu erreichen. In etwa 5% der Fälle kommt es jedoch zu einer dauerhaften höhergradigen Harninkontinenz. Für diese Patienten ist die Implantation eines künstlichen Schließmuskels (artifizieller Sphinkter) eine sinnvolle Therapieoption.
Der artifizielle Sphinkter ist eine hydraulisch arbeitende Silikon-Kautschuk-Prothese, die aus 3 Hauptkompo-nenten besteht (s. Bild): einer Manschette (1), die um die Harnröhre gelegt wird, einer Pumpe (2), die ins Skrotum eingesetzt wird und einem druckregulierenden Ballon (3), den man in die Bauchhöhle implantiert. Die Operation findet unter Vollnarkose statt, mit einem Zugangsweg über den Damm und erfordert einen Krankenhausaufenthalt von etwa 1 Woche.
4 Wochen postoperativ wird der künstliche Schließmuskel aktiviert. Im aktivierten Zustand verschließt die Harnröhrenmanschette die Harnröhre und stellt dadurch die Harninkontinenz her. Durch Betätigen der Pumpe im Bereich des Hodensacks wird die Manschette bei Bedarf (=Harndrang) entleert und damit das Wasserlassen ermöglicht. Der Verschluss der Manschette erfolgt im Anschluss wieder automatisch.
In etwa 80% erzielt die Operation ihre gewünschte Wirkung und es kommt zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität. Hauptrisiko bei dieser Operation ist die Notwendigkeit eines Zweiteingriffs, z.B. aufgrund von technischen Defekten oder Infektionen des Implantats. Letzteres erfordert in etwa 5% der Fälle eine operative Entfernung des Sphinkters.

Viele Millionen Männer leben mit erektiler Dysfunktion. Sind Vakuum-Erektionshilfen, orale Medikamente oder Schwellkörperinjektions-
therapien erfolglos, dann bieten Schwellkörperim-
plantate eine wirkungsvolle chirurgische Möglichkeit.
Die von uns verwendete Prothese besteht - ähnlich wie der künstliche Schließmuskel - aus 3 Hauptbestand-teilen und funktioniert hydraulisch. Es werden 2 Zylinder in die Schwellkörper des Penis implantiert, die über eine kleine Pumpe im Hodensack bei Bedarf aktiviert werden. Die Operation findet unter Vollnarkose statt und erfordert einen Krankenhausaufenthalt von etwa 1 Woche. Die Aktivierung der Prothese ist 4 Wochen nach der Operation möglich. Durch Druck auf die Pumpe im Hodensack werden die künstlichen Schwellkörper entweder gefüllt, so dass eine Erektion entsteht oder wieder entleert, wenn keine Erektion mehr gewünscht ist. Dadurch wird maximale Flexibilität im Bereich des Sexuallebens erreicht. Die Zufriedenheit der Patienten und ihrer Partnerinnen mit Schwellkörperprothese liegt bei über 80%.
Ebenso wie beim artifiziellen Sphinkter besteht bei der Penisprothese die Gefahr eines Zweiteingriffs, z.B. weil Teile des Systems ausgetauscht werden müssen oder weil das Implantat nicht vertragen wird. Die Rate dieser Komplikation liegt bei etwa 15-20%

Angeborene oder erworbene narbige Verengungen der Harnröhre (Harnröhrenstriktur) führen zu Blasenentleerungs-störungen und sind ein häufiges urologisches Krankheitsbild. Ursachen sind Manipulationen der Harnröhre (transurethrale Eingriffe, Katheter), Infektionen und Unfälle. An unserer Klinik werden alle operativen Verfahren der Harnröhrenchirurgie angeboten. Die transurethrale Sicht-Urethrotomie nach Sachse (Schlitzung unter Sicht) mit dem kalten Messer oder dem Laserstrahl (Laser-Urethrotomie) als alleinige Therapie, ist häufig leider nicht ausreichend, da das Narbengewebe weiterwächst und eine erneute Enge bildet (Rezidiv). Bei erneutem Auftreten dieses Krankheitsbildes ist eine offene Harnröhrenchirurgie angezeigt. Die chirurgischen Techniken beinhalten die End-Zu-End Anastomosierung sowie den gestielten und freien Gewebetransfer mit Mundschleimhaut mit ventralen und dorsalen Onlays.

Die Induratio Penis Plastica (IPP) ist eine Erkrankung, bei der sich im Bereich der Schwellkörper-außenhülle (Tunica albuginea) des Penis knotige bindegewebige oder verkalkende Veränderungen (sog. Plaques) bilden, die zu einer Verkrümmung (Deviation) des Penis führen können. Bevorzugt betroffen sind Männer im Alter zwischen 45 und 60 Jahren. Eine eindeutige Ursache der Erkrankung ist bislang nicht bekannt, es werden verschiedene Ursachen verantwort-lich gemacht, wie z. B. ein autoimmunes Geschehen, entzündliche oder altersbedingte Gewebeveränderungen. Dementsprechend gibt es bislang auch keine erfolgver-sprechenden medikamentösen Therapieansätze. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben, nach 2-3 Jahren kommt es in der Regel zu einem natürlichen Stillstand. In Fällen, bei denen durch die krankhaften Veränderungen Beschwerden auftreten, wie z. B. bei Deviation, die Unmöglichkeit des Geschlechtsverkehrs oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, ist eine operative Korrektur angezeigt. Wichtig ist, dass die Operation erst dann durchgeführt wird, nachdem der Entzüngungsvorgang vollständig zum Stillstand gekommen ist.
Unterschiedliche Operationsmethoden werden zur Korrektur eingesetzt - mit guten Erfolgsaussichten. Unerwünschte Ereignisse nach der Operation sind das Wiederauftreten der Deviation, als auch die Penisverkürzung.

Für Patienten, für die eine Bedienung des künstlichen Blasenschließmuskels aufgrund mangelnder Fingerfertigkeit oder technischen Verständnisses keine Behandlungsmöglichkeit darstellt, ist die "Schlinge für den Mann" eine wichtige Therapiealternative. Darüber hinaus hat sie ihren Stellenwert bei Patienten, die nur über geringe bis mäßige Schwere der Belastungs-Harninkontinenz klagen. Denn bereits diese geringe Ausprägung des unwillkürlichen Urinverlustes kann das Alltagsleben bereits deutlich einschränken.
Die Kontinenzrate nach diesem Eingriff liegt bei etwa 40%. Darüber hinaus wird bei 30% der behandelten Patienten eine deutliche Verbesserung der Kontinenz mit einer Reduktion der Vorlagenmenge auf 1-2 Vorlagen beschrieben.
Harninkontinenz stellt für viele Frauen eine starke Einschränkung ihres Alltags, wie auch eine belastende Gesamtsituation in Partnerschaft und Gesellschaft dar. Eine Belastungsharninkontinenz macht sich dabei durch einen Urinverlust beim Husten, Niesen und Lachen, bzw. bei leichter bis starker körperlicher Belastung bemerkbar. Nicht-operative Methoden zu ihrer Behandlung umfassen Beckenbodenmuskulatur-Training oder den Behandlungs-versuch mit dem Arzneimittel Duloxetin, welches jedoch eine relativ hohe Unverträglichkeitsrate aufweist. Als operative Therapieoption steht die Anwendung eines minimal-invasiven OP-Verfahrens zur Verfügung, dessen Grundprinzip darin besteht, eine reaktive Bindegewebs-vermehrung zur Stärkung des Halteapparates der Harnröhre herbeizuführen.
Das sogenannte transobturatorische Band (TOT=transobturatorical tape) findet derzeit die wohl häufigste Verwendung, da es gegenüber dem älteren OP-Verfahren des spannungsfreien vaginalen Bandes (TVT=tension free vaginal tape) den Vorteil der übersichtlicheren und risikofreien Operationstechnik bietet. Bei TOT wird ein bandförmiges Polypropylen-Kunststoffnetz durch die Beckenschaufeln (Foramina obturatoria) unter die Harnröhre gelegt. Dies erfolgt minimal-invasiv mit einer geringen Risikorate. Der Heilungserfolg nach einem Jahr liegt bei etwa 90%.
Die Implantation einer Hodenprothese kann notwendig werden, wenn es z. B. nach einem traumatischen oder tumorbedingten Hodenverlust zu einer starken physischen oder kosmetischen Beeinträchtigung kommt. Hodenprothesen sind Silikonprothesen mit einer Flüssigkeitsfüllung in verschiedenen Standardgrößen. Informiert wird jeder Patient unter anderem über die Gefahr einer Protheseninfektion mit der Notwendigkeit der Entfernung und über Gewebeverhärtungen infolge fibröser Gewebereaktion um die Prothese.

Etwa 60% aller Männer, die sich einer Sterilisation unterzogen haben, äußern im Laufe ihres Lebens aufgrund veränderter Lebensumstände den Wunsch, ihre Zeugungs-fähigkeit wieder herstellen zu lassen.
Die Vasovasostomie bezeichnet einen operativen Eingriff, durch den eine zuvor durchgeführte Sterilisation des Mannes mittels Durchtrennung der Samenleiter (=Vasektomie) wieder rückgängig gemacht werden kann. Dabei werden die durchtrennten Samen-leiterenden wieder zusammengeführt und vernäht.
Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. In der Regel wird die Operation mit Hilfe eines Mikroskops, bzw. einer Lupenbrille durchgeführt, da die Strukturen sehr klein sind und der Erfolg der Operation entscheidend davon abhängt, dass die Samenleiter - die einen Durch-messer von etwa 1mm haben - genau aneinandergefügt werden. Daher wird auch durch uns als neuestes Verfahren der OP Roboter "daVinci" eingesetzt, mit dem ein noch präziseres Arbeiten möglich ist.
Die Risiken der Operation sind sehr gering. Abgesehen von generellen OP-Komplikationen wie Entzündungen, Nachblutung oder Schmerzen, besteht das Hauptrisiko in einem Nichtgelingen der Operation. Insgesamt sind die Erfolgsraten mit 70-80% sehr hoch, abhängig von der Zeitdauer der zurückliegenden Durchtrennung. Zu beachten ist außerdem, dass es bis zu 1 Jahr dauern kann, bevor die Fruchtbarkeit wieder voll hergestellt ist.
Inhaltlich verantwortlich gemäß § 6 MDStV ist der/die jeweilige Direktor/in bzw. Leiter/in der Einrichtung.
Universitätsmedizin Mannheim
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