19.05.2009

Wissenschaftlicher Dachverband setzt auf Kompetenz aus Mannheim

Neurophysiologe und Schmerzexperte ins Präsidium der AWMF gewählt / Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede engagiert sich für bessere Schmerztherapie

Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Inhaber des Lehrstuhls für Neurophysiologie am Zentrum für Biomedizin und Medizintechnik der Medizinischen Fakultät Mannheim (CBTM), ist in das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gewählt worden.

Professor Treede ist damit eines von zehn Mitgliedern des Präsidiums der AWMF. Als Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) vertritt er dort sowohl diese Fachgesellschaft als auch die Deutsche Physiologische Gesellschaft.

Der Schmerzexperte engagiert sich sehr für eine verbesserte Schmerzversorgung: Noch immer litten auch in Deutschland Menschen unnötig unter starken Schmerzen. Und das, obwohl in Deutschland die Verfügbarkeit von Schmerzmitteln geregelt und die Gesetzeslage vorbildlich sei. So haben Patienten seit 2007 ein gesetzlich verbrieftes Recht auf ambulante palliativmedizinische Versorgung am Lebensende. Dies sollte es ihnen erlauben, schmerzfrei und in Würde zu Hause zu sterben. Trotzdem wünschen sich viele Patienten ohne Aussicht auf Heilung einen schnellen Tod – aufgrund ihrer Schmerzen, die Sie nicht erleiden müssten.

Warum weist die Schmerzversorgung trotz der guten Rahmenbedingungen in Deutschland Mängel auf? Professor Treede identifiziert Lücken in der Ausbildung der Ärzte: „Schmerz ist der häufigste Grund, warum die Menschen zum Arzt gehen. Und dennoch müssen sich angehende Mediziner in ihrem Studium kaum mit diesem Thema auseinandersetzen.“

Professor Treede setzt sich für die Verbesserung der Ausbildung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein. Die DGSS stellt allen Medizinischen Fakultäten in Deutschland ein Kernkurrikulum, einen Lehrplan zur Vermittlung des Wissens zur Schmerztherapie zur Verfügung. In der Medizinerausbildung an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg wird das Kurrikulum bereits erprobt.

 

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften:
Der AWMF gehören 154 wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften mit rund 170.000 Mitgliedern an. Die Arbeitsgemeinschaft hat vielfältige Aufgaben: Sie berät ihre Mitglieder über grundsätzliche und fachübergreifende Angelegenheiten, erarbeitet Empfehlungen und Resolutionen, koordiniert die Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie durch die Fachgesellschaften und vertritt die Interessen der medizinischen Wissenschaft nach außen.

Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede ist Mitglied des Präsidiums der AWMF.

Von Dr. Eva Maria Wellnitz