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Therapie der Stuhlinkontinenz

Konservative Therapie

Es stehen verschiedene konservative Therapieverfahren zur Verfügung.

  • Stuhlregulierende Maßnahmen

Ein großer Anwendungsbereich der konservativen Therapie ist die Stuhlregulierung. Bei vielen Inkontinenz-Patienten ist der Stuhlgang zu flüssig. Hier kann es helfen, den Stuhl einzudicken. Unter Anleitung des Arztes ist in speziellen Situationen die Einnahme weiterer Medikamente möglich, zum Beispiel Medikamente, die für einen geplanten Zeitraum die Darmtätigkeit verlangsamen und Durchfälle vermeiden sollen.

  • Ernährung

Eine spezielle Diät bei Inkontinenz gibt es nicht. Es ist jedoch durchaus möglich, durch eine bewusste, sehr individuelle Umstellung der Ernährung Besserungen zu erzielen. Ähnlich wie bei den eben beschriebenen stuhlregulierenden Maßnahmen geht es hierbei wesentlich um die Beschaffenheit des Stuhls, um die Stuhlkonsistenz, die es dem Patienten erlaubt, besser mit seiner Inkontinenz zurecht zu kommen.

  • Pflegerische Maßnahmen

Im Rahmen der konservativen Behandlung sind auch die Anwendung von hautschützenden Salben und Pasten sowie eine sorgfältige Analhygiene zu nennen. Falls erforderlich, sollten spezielle, weiche Einlagen verwendet werden.

  • Stärkung der Beckenboden- und Sphinktermuskulatur

Bei analer Inkontinenz ist die Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur sinnvoll. Es gibt zum einen das aktive Beckenbodentraining, das der Patient ohne Hilfsmittel unter physiotherapeutischer Anleitung durchführt, und zum anderen die elektronisch unterstützten Trainingsmethoden (Training mit Biofeedback und Elektrostimulation).

Operative Therapie

Es stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung.

  • Sphinkterrekonstruktion

Eine Sphinkterrekonstruktion bietet sich an, wenn der Schließmuskel verletzt wurde und nicht mehr richtig arbeitet, weil Narben-, also Bindegewebe die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt. In solchen Fällen wird der Schließmuskel erneut durchtrennt, das Narbengewebe entfernt und das eigentliche Muskelgewebe wieder zusammengenäht. Die Erfolgsaussichten dieser Sphinkterrekonstruktion durch eine Direktnaht sind sehr gut, insbesondere, wenn die Nerven unbeschädigt geblieben sind. Ist der Muskel frei von einer solchen neurogenen Vorschädigungen, ist die Operation auch beim alten Menschen trotz viele Jahre zurückliegender Verletzung des Schließmuskels Erfolg versprechend.

  • Sphinkter-Raffung

Wenn keine bindegewebliche Muskellücke, wie bei der Sphinkterrekonstruktion beschrieben, vorliegt, bleibt nur die Möglichkeit einer Raffung der Muskulatur. Diese operative Raffung erfolgt entweder vor und hinter dem Analkanal oder als eine Kombination von beidem.

  • Dynamische Grazilis-Plastik

Seit den 60er Jahren wurde vor allem bei Kindern mit angeborenem fehlendem After die Grazilis-Plastik angewendet. Es wird hierbei der Grazilismuskel, ein langer, schlanker Skelettmuskel, der an der Innenseite des Oberschenkels verläuft, an seinem Ansatz abgelöst und ringförmig um den After verpflanzt, um als Schließmuskel zu dienen. Da es sich bei den Skelettmuskeln jedoch um eine Muskelart handelt, die auf kurzzeitige Höchstleistung spezialisiert ist und nicht auf Dauerleistung, kam es zu Ermüdungserscheinungen. Um eine Dauerkontraktion zu erreichen, entwickelte man die dynamische Grazilis-Plastik, bei der ein elektrischer Impulsgeber (Schrittmacher) den Skelettmuskelfasern die Eigenschaften eines auf Daueranspannung angelegten Sphinkters antrainiert. Das System wird vom Patienten mit einem Magneten von außen gesteuert.

  • Sphinkter-Ersatz (künstlicher Schließmuskel)

1987 wurde erstmals ein künstlicher, aufblasbarer Schließmuskel, ein artificial bowel sphincter, um den Analkanal herum eingepflanzt. Mit einer unter der Haut liegenden Pumpe kann der Patient das System steuern. In fast allen Fällen wird eine Kontinenz für flüssigen und festen Stuhl erreicht. Doch auch dieses Verfahren ist aufwändig und von einer hohen Komplikationsrate begleitet. Da ein Fremdkörper aus Kunststoff implantiert wird, besteht hohe Infektionsgefahr. Bei einer Infektion ist meist die Entfernung des Systems erforderlich.

  • Sakrale Stimulation

Bei diesem Verfahren, das seit 1995 angewendet wird, werden Elektroden in den Bereich der Sakralnerven S2, S3 und S4 implantiert. Wie bei der dynamischen Grazilis-Plastik kann der Patient mit einem gleichfalls implantierten Impulsgeber die Sakralnerven stimulieren, die den Schließmuskel aktivieren. Er erreicht damit, dass sich der Sphinkter zusammenzieht und den Analkanal verschließt. Die Technologie ähnelt der eines Herzschrittmachers.

  • Stoma (künstlicher Darmausgang)

Die Erwähnung eines künstlichen Darmausgangs als Therapieoption löst bei Patienten meist Entsetzen aus. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass viele Patienten mit einem jahrelangen Leidensweg die Versorgung mit einem Anus praeter als große Erleichterung empfinden. Bei der schweren Inkontinenz, wenn alle Methoden versagt haben, ist er als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nicht selten fühlt sich der Patient durch die Stomaanlage in seinem sozialen Leben weitaus weniger eingeschränkt als zuvor.

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