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AFIC-Studie

Knochenbrüche bei Kindern

Kinder besitzen einen ausgeprägten Bewegungsdrang und im Eifer des Gefechtes kommt es häufig zu Stürzen und Unfällen. Da der kindliche Knochen noch nicht den Kalksalzgehalt eines Erwachsenen aufweist, brechen sich Kinder die Knochen viel leichter und schneller als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Das hat nichts mit schwachen Knochen oder einer Störung zu tun. Die meisten Knochenbrüche heilen im Kindesalter deutlich schneller und problemloser, als dies bei Erwachsenen der Fall ist.

Da auch Kinder beim Fallen sich versuchen abzufangen, sind Knochenbrüche an den oberen Gliedmaßen viel häufiger als solche der unteren Gliedmaßen. 70 Prozent aller Brüche beim Kind betreffen die Arme, 30 bis 40 Prozent davon wiederum treten am Unterarm nahe dem Handgelenk auf.

Thema unserer Studie: Unterarmbrüche

Die AFIC-Studie (angulated fractures of the distal forearm in children) beschäftigt sich mit Brüchen am Unterarm nahe dem Handgelenk. Sie gehören somit zu den häufigsten Knochenbrüchen überhaupt.

Konservative Therapie

Wenn der Knochenbruch ohne Fehlstellung einhergeht, das bedeutet, dass die Bruchenden nicht nebeneinanderstehen bzw. keine Abwinkelung zeigen, erfolgt eine konservative Behandlung mithilfe eines Gipsverbandes. Dazu wird ohne Narkose einen Gips angelegt, der die Gliedmaße ruhigstellt, damit der Bruch in der richtigen Stellung heilen kann und sich eine Knochennarbe (Kallus) ausbildet.

Knochenbruch beim Kind

Bei geringgradigen Fehlstellungen werden diese Brüche mit einem Plastik- oder Weißgips ruhiggestellt.

Operative Therapie: Fixierung mit Draht

Knochenbruch beim Kind

Bei stärker ausgeprägter Fehlstellung wird in Deutschland in der Regel der Bruch in Narkose gerade gestellt (reponiert).

Fixierung des Bruchs mit einem Draht

Anschließend wird der Bruch mit einem K-Draht fixiert, um ein erneutes Abrutschen zu verhindern.

Wachstumsscheiben:
Verantwortlich für die spontane Korrektur

Kinder befinden sich im Wachstum und für das Längenwachstum sind die Wachstumsscheiben zuständig. Die Wachstumsscheibe am körperfernen Unterarm, nahe dem Handgelenk, ist für 80 Prozent des Längenwachstums des Unterarms zuständig. Im Rahmen dieses ausgeprägten Wachstums ist die Wachstumsscheibe in der Lage, jeweilige verbliebene Fehlstellungen zuverlässig spontan zu korrigieren.

Ab wann muss operiert werden?

Es gibt bisher jedoch keine klaren Regeln, wie viel Fehlstellung bis zu welchem Alter – weil sie durch das weitere Wachstum spontan korrigiert wird – akzeptiert werden und der Knochenbruch konservativ (ohne Operation) behandelt werden kann.

Wir gehen davon aus, dass weit weniger Kinder operiert werden müssten, als das bisher der Fall ist. Kleinere Studien belegen dies.

Ziel unserer Studie

In der AFIC-Studie untersuchen wir Kinder zwischen fünf und elf Jahren, die mit einem Bruch am Unterarm nahe dem Handgelenk zu uns kommen. Per Computer, ohne Einflussmöglichkeit durch uns, wird entschieden, ob das Kind operiert oder konservativ mit Gips versorgt wird. Für diese Hypothese gibt es bereits viele Hinweise, die jedoch noch nie in einer großen Studie bewiesen wurden. Sollte sich die Hypothese bestätigen, müssen in Zukunft weit weniger Kinder operiert werden.

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Ansprechpartner

Miriam Adrian

Dr. med. Miriam Adrian

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Funktionsoberärztin