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Ambulanz für ADPKD und genetische Nierenerkrankungen

Nicht jede Nierenerkrankung ist erworben. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten liegt die Ursache im Erbgut, manchmal eindeutig familiär, manchmal erst auf den zweiten Blick. Unsere Sprechstunde richtet sich an Menschen mit ADPKD und anderen vermuteten oder bestätigten genetischen Nierenerkrankungen sowie an Patientinnen und Patienten, die eine Einordnung ihrer Befunde wünschen.

Wenn die Ursache im Erbgut liegt

Gene enthalten die biologische Information, nach der Zellen Eiweiße herstellen und Gewebe aufbauen, erhalten und steuern. Jeder Mensch erhält einen Teil dieses Bauplans von der Mutter und einen Teil vom Vater. Liegt in einem Gen eine krankheitsverursachende Veränderung vor, kann dies die Funktion eines einzelnen Organs – zum Beispiel der Niere – beeinträchtigen. Manche genetischen Erkrankungen betreffen überwiegend die Nieren, andere sind Teil eines Syndroms und gehen zusätzlich mit Veränderungen an Harnwegen, Hörvermögen, Augen, Leber oder anderen Organen sowie Stoffwechselerkrankungen einher.

Wichtig ist: eine angeborene oder erbliche Nierenerkrankung muss sich nicht zwangsläufig im Kindesalter zeigen. Viele Formen werden erst im Erwachsenenalter klinisch sichtbar. Die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist dafür das klassische Beispiel.

Auch eine lange Zeit unklare chronische Nierenerkrankung, oder ein histologisch nicht eindeutiger Befund können Anlass sein, die genetische Ursache gezielt zu prüfen.

Moderne genetische Diagnostik

Mit Next-Generation-Sequencing (NGS) können heute viele nierenrelevante Gene gleichzeitig untersucht werden. Das ist oft sinnvoller als die schrittweise Analyse einzelner Gene, weil sich klinische Bilder überschneiden können. Eine genetische Diagnostik kann eine Verdachtsdiagnose bestätigen, eine bislang unklare Erkrankung präzisieren, den Verlauf besser einordnen und Konsequenzen für Therapie, Verlaufskontrollen und Familienberatung haben. Ebenso kann sie helfen, unnötige weitere Diagnostik zu vermeiden und den Krankheitsmechanismus besser zu verstehen.

Wann ist eine Vorstellung in der Sprechstunde sinnvoll?

  • bei Zystennieren (polyzystischen Nierenerkrankungen)
  • bei chronischer Nierenerkrankung unklarer Ursache, beispielsweise bei fehlender histologischer Sicherung (Nierenbiopsie) oder histologisch nicht eindeutigem Befund
  • bei Nierenerkrankungen mit zusätzlicher Fehlentwicklung der Nieren oder der ableitenden Harnwege (bspw. Einzelniere, vesikoureteraler Reflux)
  • bei familiärer Häufung von Nierenerkrankungen, Dialyse, Transplantation oder bekannten Zystennieren
  • bei Verdacht auf eine erbliche glomeruläre, tubuläre oder tubulointerstitielle Erkrankung

ADPKD – autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung

Die ADPKD gehört zu den häufigsten erblichen Nierenerkrankungen im Erwachsenenalter. Typischerweise wird sie autosomal-dominant vererbt; für Kinder eines betroffenen Elternteils ergibt sich daher in der Regel ein Risiko von 50­­%, die genetische Veränderung zu erben. Meist sind hierbei die Gene PKD1 und PKD2 betroffen. Mit zunehmendem Alter bilden sich Nierenzysten aus, die über die Jahre an Zahl und Größe zunehmen können. Die Nierenfunktion kann zwar über einen längeren Zeitraum stabil bleiben, nimmt aber häufig mit zunehmendem Alter und Wachstum der Zysten ab. Der Verlauf der Erkrankung und Verlust der Nierenfunktion kann hierbei sehr unterschiedlich sein und sich auch innerhalb einer Familie unterscheiden.

Für die Einordnung der ADPKD sind neben dem Verlauf der Nierenfunktion auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT wichtig, um Nierengröße und Zystenlast zu beurteilen. Ergänzend hilft die genetische Diagnostik, die Diagnose zu sichern, überlappende Zystennierenerkrankungen abzugrenzen und das Progressionsrisiko besser einzuschätzen. In ausgewählten Fällen kommen auch krankheitsmodifizierende Therapien in Betracht. Entscheidend ist hierfür eine strukturierte Gesamtschau aus klinischem Verlauf, Bildgebung und Genetik.

Weitere Erkrankungsgruppen mit erblicher Komponente

  • Alport-Syndrom und weitere Kollagen-IV-assoziierte Nephropathien
  • Ziliopathien, einschließlich Erkrankungen des Nephronophthise-Spektrums
  • angeborene Fehlbildungen der Nieren und Harnwege (CAKUT)
  • autosomal-dominante tubulointerstitielle Nierenerkrankungen (ADTKD)
  • HNF1B-assoziierte Nierenerkrankungen
  • andere hereditäre glomeruläre und tubuläre Erkrankungen, z.B.:
    • FSGS (Fokal segmentale Glomerulosklerose)
    • TMA/aHUS (thrombotische Mikroangiopathie, atypisches hämolytisch-urämisches Syndrom)
    • Gitelman-Syndrom
    • Bartter-Syndrom
  • Stoffwechselerkrankungen:
    • Cystinose
    • Morbus Fabry

Ablauf der Sprechstunde

Unsere Sprechstunde verbindet nephrologische Erfahrung, strukturierte Phänotypisierung, Bildgebung und molekulargenetische Diagnostik. Wir besprechen die Ergebnisse verständlich und leiten daraus konkrete Konsequenzen für Diagnose, Verlaufskontrollen, Therapie und – wenn gewünscht – die Abklärung von Angehörigen ab. Unser Ziel ist nicht nur ein genetischer Befund, sondern eine medizinische Einordnung und eine gemeinsame Planung des weiteren Vorgehens, inklusive möglicher therapeutischer Optionen.

Bitte bringen Sie mit:

  • Überweisung
  • Versichertenkarte
  • aktuellen Medikamentenplan
  • falls vorhanden: Vorbefunde

Terminvereinbarung für Bestandspatienten:

Terminvereinbarung für Neu-Patienten:

Bitte senden Sie uns eine Terminanfrage über unser Kontakt-Formular

Sprechstunden:

Freitags nach Vereinbarung

Standort:

Haus 11, Ebene 1