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Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Der Hodenhochstand ist die häufigste angeborene Anomalie des Urogenitaltrakts. Sie betrifft circa 1 bis 3 Prozent der reif geborenen Jungen. Bei Frühgeborenen tritt sie deutlich häufiger auf. Innerhalb der ersten Lebensmonate kann es noch zu einem spontanen Herunterwandern der Hoden in den Hodensack kommen, danach ist die Chance sehr gering. Bleibt der Hoden längere Zeit in der Leiste oder im Bauchraum liegen, kann er sich nicht optimal entwickeln und die Fortpflanzungsfunktion wird eingeschränkt. Außerdem hat dieser Hoden ein etwas erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Hodenkrebs: 10 Prozent aller Hodentumore entstehen bei Männern, die früher einen Hodenhochstand hatten, bzeziehungsweise Kinder mit einem Hodenhochstand haben ein circa zwei- bis achtfach erhöhtes Risiko einen Hodentumor zu entwickeln.

Formen des Hodenhochstands:

Es werden verschiedene Formen des Hodenhochstands unterschieden. Der Pendelhoden – ein Hoden der die meiste Zeit im Skrotalfach (Hodensack) und nur gelegentlich in der Leiste ist – bedarf keiner Behandlung, sollte aber längerfristig kontrolliert werden. Im Gegensatz dazu muss der Leistenhoden ebenso therapiert werden wie der Gleithoden, der sich zwar in das Skrotalfach herunterziehen lässt, aber sofort wieder in die Leiste zurückgleitet. Ein Bauchhoden kann nicht getastet werden, allerdings kann es auch sein, dass kein Hoden angelegt ist oder dieser sehr klein und funktionslos ist.

Diagnostik:

Der Hodenhochstand wird durch eine körperliche Untersuchung des Kindes diagnostiziert. Diese sollte in warmer Umgebung stattfinden. Kann der Hoden nicht sicher getastet werden, ist eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll. Zeigt sich der Hoden hierbei in der Leiste, sollte der Hoden durch einen operativen Eingriff im Skrotum (Hodensack) fixiert werden. Zeigt sich beim Ultraschall kein Hoden, sollte eine laparoskopische Hodensuche durchgeführt werden – der Hoden wird also über eine Bauchspiegelung gesucht. Wenn ein Hoden vorhanden ist, kann dieser in der gleichen Sitzung in das Skrotalfach gebracht werden. Das Führen eines Hodentagebuches wird in den Leitlinien nicht empfohlen, da es sich nicht bewährt hat, ebenso wenig wie eine Untersuchung mit dem Magnetresonanztomographen (MRT).

Wenn der Kinderarzt bei Ihrem Kind den Verdacht auf einen Hodenhochstand hat, achten Sie beim Öffnen der Windel und beim Baden im warmen Badewasser auf die Hodenlage. Bei entspanntem und schlaffem Hodensäckchen sollten beide Hoden im Hodensäckchen zu sehen oder zu fühlen sein. Durch einen kalten Lufthauch (zum Beispiel beim Herausnehmen aus dem Badewasser) oder bei Berührung an den Oberschenkeln (zum Beispiel beim Öffnen der Windel) kann bereits ein Reflex ausgelöst werden, der ein Hochrutschen der Hoden hervorruft.

Therapie:

Die Therapie des primären Hodenhochstandes sollte Ende des ersten Lebensjahres abgeschlossen sein. Eine Hormontherapie wird in den aktuellen Leitlinien nur bei Kindern im ersten Lebensjahr empfohlen, wenn ein Gleithoden vorliegt. Die Chance, dass der Hoden unter dieser Therapie ins Skrotalfach wandert und dort verbleibt liegt bei circa 25 bis 50 Prozent. Bei etwa einem Viertel der behandelten Kinder kommt es zu einem Rückfall. Die Hormontherapie wird auch beim beidseitigen Hodenhochstand empfohlen, da sie unter Umständen vorteilhaft für die Fruchtbarkeit sein kann. In allen anderen Fällen wird eine Hormontherapie heutzutage wegen der Risiken und Nebenwirkungen nicht mehr durchgeführt.

Bei Gleithoden oder tiefen Leistenhoden kann der Hoden im Hodensack über einen kleinen Schnitt im Hodensack operativ fixiert werden (Orchidopexie), ansonsten werden Hoden und Samenstrang zuerst über einen Leistenschnitt (inguinaler Zugang) chirurgisch freigelegt und verschiebbar gemacht (Orchidofunikulolyse). Ist der Hoden nicht tastbar und im Ultraschall nicht sichtbar, wird er laparoskopisch – also minimalinvasiv – gesucht. Findet sich der Hoden hierbei in der Nähe der Leiste, wird er minimalinvasiv freigelegt und verschiebbar gemacht (Orchidofunikulolyse). Andernfalls wird der Hoden zunächst im Bauchraum beweglich gemacht und dann bei einem zweiten Eingriff in den Hodensack verlagert.

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