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Nierenbecken-Abgangsenge
(Subpelvine Stenose)


Eine Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems wird heutzutage häufig schon beim Ultraschallscreening vor der Geburt erkannt. Sie ist eine der häufigsten Anomalien des oberen Harntrakts bei Kindern. In circa 40 bis 50 Prozent der Fälle liegt eine Verengung am Übergang des Nierenbeckens zum Harnleiter (Ureter) vor. Meist verwächst sich diese Verengung im Kleinkindalter und die Erweiterung des Nierenbeckenkelchs nimmt ab beziehungsweise verschwindet. In wenigen Fällen ist, unter Umständen auch sehr frühzeitig, eine operative Korrektur notwendig.

Diagnostik:

An erster Stelle bei der Diagnostik steht die Ultraschalluntersuchung. In den meisten Fällen ist bereits vor der Geburt ein sonografischer Befund erhoben worden. Dieser wird am dritten oder vierten Lebenstag des Säuglings kontrolliert und bei Auffälligkeiten zunächst in relativ kurzen Abständen weiter beobachtet. Durch mehrfache Untersuchungen wird der Ultraschall dabei letztlich zu einer dynamischen Untersuchung, die zeigt, ob die Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems ab- oder zunimmt.

Zeigt sich eine deutliche Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems, mit einem Durchmesser des Nierenbeckens über 1,2 Zentimeter, oder eine kugeligen Aufweitung der Kelche, dann sollte eine sogenannte Nierensequenzszintigrafie (MAGIII-Clearance) durchgeführt werden. Bei dieser Untersuchung kann die Funktion jeder einzelnen Niere dynamisch beobachtet werden. Dazu wird eine schwach radioaktiv markierte Substanz über die Vene gegeben. Diese reichert sich nach ein bis zwei Minuten in den Nieren an und wird dann über die Nierentubuli ausgeschieden. So wird die Ausscheidungsleistung der Nieren sichtbar. Zeigt sich in der ersten halben Stunde keine ausreichende Ausscheidung aus der Niere, wird ein ausscheidungsstimulierendes Mittel (Lasix / Furosemid) verabreicht. Anhand der Ausscheidungskurve kann abgeschätzt werden, ob ein schwerwiegendes Abflusshindernis vorliegt. Gleichzeitig wird die seitengetrennte Funktion der Niere mitbestimmt. Hierbei zeigt sich, ob die Nierenfunktion durch die Abflussbehinderung eingeschränkt ist. Normalerweise arbeiten beide Nieren in etwa gleich, das heißt der seitengetrennte Funktionsanteil beträgt ca. 50 Prozent.

Therapie:

In den meisten Fällen verwächst sich die relative Enge am Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter. Gerade bei älteren Kindern kann jedoch der Verlauf eines Gefäßes den Übergang zusätzlich einengen, was dann zu einer wiederkehrenden Aufweitung des Nierenbeckens führt. Das kann unter Umständen mit Funktionseinschränkungen und Schmerzen einhergehen, die insbesondere nach hoher Trinkmenge auftreten.

Ob eine operative Korrektur notwendig ist, ist von mehreren Einflussfaktoren abhängig: Von der seitengetrennten Funktion, der Ausscheidungsfähigkeit der Nieren in der MAGIII-Clearance, dem Nierenbeckendurchmesser in den sonografischen Verlaufskontrollen, beziehungsweise bei älteren Kindern vom Auftreten von Symptomen (zum Beispiel Schmerzen bei vermehrtem Trinken). Die Entscheidung über eine operative Korrektur muss immer individuell getroffen werden. Zeigt sich im Verlauf, dass es zu einer Einschränkung der seitengetrennten Funktion kommt, beziehungsweise dass der Abfluss aus der Niere deutlich schlechter wird, dann sollte eine operative Korrektur erwogen werden.

Bei der Operation wird das enge Segment des Übergangs vom Nierenbecken zum Harnleiter herausgeschnitten und das Nierenbecken mit dem spatulierten Harnleiter trichterförmig vernäht, damit ein guter Abfluss aus dem Nierenbecken gewährleistet ist. Die neue Verbindung zwischen dem Nierenbecken und dem Harnleiter wird mit einer Harnleiterschiene für circa sieben bis 14 Tage geschützt. Außerdem wird während der Operation ein Blasenkatheter eingelegt, der normalerweise schon nach wenigen Tagen entfernt werden kann, wenn der Urin nicht mehr blutig ist. Im Zentrum für Kinder-, Jugend- und rekonstruktive Urologie bieten wir verschieden operative Zugangswege an. Insbesondere bei Säuglingen hat sich gezeigt, dass die offene Operation über einen 3 Zentimeter großen Flankenschnitt am sichersten und schonendsten ist. Bei älteren Kindern erfolgt der Zugang minimal-invasiv, das heißt laparoskopisch (so gennante Bauchspiegelung, Schlüssellochtechnik). Bei Jugendlichen führen die Kollegen der Urologie eine Roboter-assistierte Nierenbeckenplastik durch. Zeigt sich bei den Untersuchungen, dass am ehesten ein überkreuzendes Gefäß die wiederkehrende Stauung und die Schmerzen verursacht, gerade bei Kindern und Jugendlichen, dann wird das Gefäß laparoskopisch (also minimal-invasiv) verlagert. In diesen Fällen wird keine Harnleiterschiene benötigt.

Nach der Operation wird die Harnleiterschiene – je nach Operationstechnik – nach sieben bis 14 Tagen entfernt. Im weiteren Verlauf sind in der Regel Verlaufskontrollen per Ultraschall ausreichend. Zeigt sich innerhalb der ersten drei bis sechs Monate keine Abnahme der Nierenbeckenkelchdilatation, wird eine erneute Nierensequenzszintigafie durchgeführt. Die Erfolgsraten dieser operativen Korrekturen liegen zwischen 95 und 99 Prozent.

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