Das innovative Modell verbindet wissenschaftliche Qualifizierung mit berufspraktischer Erfahrung und schafft so attraktive Perspektiven für angehende Hochschullehrende. Mit Mirjam Gauch (30) hat die Akademie der UMM ihre erste Tandem-Professorin gewonnen. Die ausgebildete Logopädin hat ihre Promotion an der Universitätsmedizin Mainz 2025 abgeschlossen und ist seit dem 1. Januar 2026 im Rahmen der Tandemprofessur tätig.
Tandemprofessur: Neue Wege zwischen Theorie und Praxis
Heute arbeitet sie in einem geteilten Modell: Zwei Tage pro Woche ist sie an der Akademie der UMM sowie in der Klinik in Mannheim tätig, ein weiterer Tag ist dem Homeoffice gewidmet. Die restliche Zeit verbringt sie an der Katholischen Hochschule Mainz, wo sie Seminare und Vorlesungen hält. Diese Struktur macht ihren Arbeitsalltag besonders abwechslungsreich und ermöglicht ihr, Theorie und Praxis unmittelbar miteinander zu verknüpfen.
Die Tandemprofessur entstand im Rahmen des vom Bund geförderten Projekts „Kids Gesund“ mit dem Ziel, gezielt Nachwuchskräfte für die Hochschullehre zu gewinnen. Gleichzeitig bietet das Modell die Möglichkeit, fehlende Praxiserfahrung zu sammeln – eine zentrale Voraussetzung für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften.
An der Akademie der UMM ist Mirjam Gauch eng in die Ausbildung eingebunden: Sie unterrichtet alle drei Jahrgänge der Logopädieschule und begleitet Auszubildende in der Praxis – sowohl in der Klinik als auch in einem Seniorenheim. Besonders die Praxisanleitung empfindet sie als bereichernd: Hier arbeitet sie gemeinsam mit den Auszubildenden mit Patientinnen und Patienten, reflektiert Behandlungsverläufe und entwickelt sich auch selbst kontinuierlich weiter. „Das ist eine sehr schöne Rolle, weil man nicht nur Wissen weitergibt, sondern auch selbst viel lernt und die eigene Arbeit immer wieder hinterfragt“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.
Auch inhaltlich bringt sie ihre wissenschaftliche Expertise ein: In ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit Biografiearbeit bei Menschen mit seltenen Demenzerkrankungen – einem spezialisierten Themenfeld innerhalb der Logopädie. Darüber hinaus arbeitet sie an verschiedenen Projekten und profitiert von der Offenheit des Programms, das bewusst Raum für eigene Schwerpunkte lässt.
Neben der individuellen Qualifizierung leistet die Tandemprofessur auch einen Beitrag zur Entlastung bestehender Teams. „Ich kann hier nicht nur viel lernen, sondern auch Kolleginnen und Kollegen unterstützen, die aktuell stark eingebunden sind, und gleichzeitig neue Perspektiven einbringen“, so Gauch.
Auch persönlich ist sie in Mannheim angekommen: Die Stadt habe sie schnell überzeugt, berichtet sie – vor allem durch die vielen offenen und freundlichen Menschen. „Ich fühle mich pudelwohl – nur am Dialekt muss ich noch ein bisschen arbeiten“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Das auf drei Jahre angelegte Projekt versteht sich als Pilot mit Entwicklungspotenzial. Wie es danach weitergeht, ist noch offen – erste Ideen für Anschlussprojekte gibt es jedoch bereits. Schon jetzt zeigt sich: Die Tandemprofessur an der Akademie der UMM verbindet erfolgreich wissenschaftliche Qualifizierung, praktische Erfahrung und innovative Lehre – und könnte damit richtungsweisend für die Zukunft akademischer Karrierewege sein.