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Pressemitteilung

Neue europäische Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Gehirnblutungen veröffentlicht

Die drei führenden Fachgesellschaften präsentieren evidenzbasierte Empfehlungen / Prof. Dr. med. Nima Etminan, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), stellt die Leitlinie bei der European Stroke Organisation Conference in Maastricht vor

Prof. Dr. med. Nima Etminan

Eine neue, europaweit gültige Leitlinie der drei führenden Fachgesellschaften zur Behandlung aneurysmatischer Hirnblutungen (ESO, EANS und ESMINT*) wird heute, am 7. Mai 2026, von Professor Dr. med. Nima Etminan im Rahmen der European Stroke Organisation (ESO) Conference in Maastricht präsentiert – 13 Jahre nach der ersten Veröffentlichung einer entsprechenden Leitlinie zur Behandlung aneurysmatischer Subarachnoidalblutungen durch die ESO. Professor Etminan ist Direktor der Neurochirurgischen Klinik der UMM und Chair sowie Seniorautor der Leitliniengruppe.

Die Handlungsempfehlungen zielen darauf ab, die Genesung und langfristige körperliche, kognitive und emotionale Funktionsfähigkeit durch eine frühzeitige, multidisziplinäre Behandlung der Subarachnoidalblutung zu verbessern. Sie basieren auf höchst qualifizierten Studienergebnissen, die der medizinischen Fachliteratur entnommen sind, sowie aus Erfahrungswerten einschlägiger Experten.

Eine aneurysmatische Gehirnblutung ist eine lebensbedrohliche Blutung, welche durch ein Einreißen einer sackartigen Aussackung (Aneurysma) einer Hirnarterie verursacht wird. Die Einblutung in den mit Gehirnwasser (Liquor) gefüllten Raum zwischen dem Gehirn und den es umgebenden Hirnhäuten wird als aneurysmatische Subarachnoidalblutung bezeichnet.

Es wird vermutet, dass etwa drei bis fünf Prozent der gesunden Erwachsenen ein asymptomatisches Aneurysma im Schädelinneren (intrakranielles Aneurysma) haben, das also keine Beschwerden verursacht und daher oft unerkannt bleibt. Im Vergleich hierzu tritt eine Hirnblutung aufgrund eines geplatzten Aneurysmas sehr selten auf, betrifft dann aber überwiegend Menschen in einem relativ jungen Alter: Etwa die Hälfte der betroffenen Patienten ist unter 50 Jahren alt, und etwa zwei Drittel sind Frauen.

Die Prognose nach einer aneurysmatischen Subarachnoidalblutung ist oft schlecht: Etwa 50 Prozent der Patienten sterben innerhalb von drei Monaten, und die meisten Überlebenden erreichen nicht wieder das Niveau der Selbstständigkeit und Fähigkeiten, welches sie vor der Blutung hatten. Aus diesem Grund haben Aneurysmablutungen, die in ihren Folgen deutlich schwerwiegender sind als übliche ischämische Schlaganfälle – ausgelöst durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn ­­– für die Betroffenen aber auch gesamtgesellschaftlich enorme sozioökonomische Implikationen.

Wie gut sich jemand nach einer aneurysmatischen Gehirnblutung erholt, hängt einerseits vom Schweregrad der Blutung, ganz maßgeblich aber auch von Komplikationen ab, welche insbesondere in den ersten zwei Wochen nach der Blutung auftreten können – und die unbedingt zu vermeiden sind. Dazu zählen eine erneute Blutung aus dem gerissenen Aneurysma (vor dessen Behandlung), sowie sekundäre Durchblutungsstörungen des Gehirns, welche zu Schlaganfällen in den ersten 14 Tagen führen.

Mannheim gilt als eine international führende Institution auf dem Gebiet der neurovaskulären Erkrankungen und insbesondere auch der Hirnaneurysmen. Als Chair und Seniorautor der Leitliniengruppe hat Nima Etminan wesentlichen Anteil an der Entwicklung der neuen Handlungsempfehlungen: „Diese Leitlinie ist ein bedeutender Meilenstein für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit aneurysmatischen Hirnblutungen in Europa und darüber hinaus. Sie bündelt die aktuell beste verfügbare Evidenz und praxisnahe Expertenmeinungen. Die Tatsache, dass die bei der Behandlung wesentlich beteiligten Fachdisziplinen Europas diese Leitlinie gemeinsam entwickelt und verabschiedet haben, ist wichtig, um künftig eine konsistente, hochwertige Versorgung sicherzustellen.“

Das Spektrum der Empfehlungen ist umfangreich und adressiert Fragen wie: Zu welchem Zeitpunkt sollte ein geblutetes Aneurysma behandelt werden? Welche Behandlungsmethoden sind am besten geeignet? Welche Medikamente können dazu beitragen, das Risiko von Komplikationen in der Klinik zu senken? Aber auch diagnostische Methoden, um der Ursache einer Verschlechterung des klinischen Zustands auf den Grund zu gehen, sowie die Behandlung von Komplikationen, sind Gegenstand von Empfehlungen.

„Die Leitlinien bieten aktuelle, evidenzbasierte Orientierungshilfen für die klinische Praxis. Darüber hinaus werden Bereiche aufgezeigt, in denen noch Unsicherheiten bestehen. Damit liefern die Leitlinien auch eine Agenda für die Forschungsschwerpunkte der kommenden Jahre“, ergänzt Professor Dr. Gabriel Rinkel, der als Gastprofessor die Forschung in der Neurochirurgischen Klinik der UMM insbesondere im Bereich der neurovaskulären Erkrankungen unterstützt.

*European Stroke Organisation (ESO), European Association of Neurosurgical Societies (EANS) und European Society for Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT)

Guideline on Aneurysmal Subarachnoid Haemorrhage

Pressemitteilung der European Stroke Organisation