Bei dem System handelt es sich um einen komplett kabellosen Zweikammer Herzschrittmacher. Zwei winzige, kapselartige Geräte werden direkt im Herzen implantiert und kommunizieren dort kabellos miteinander. Sie übernehmen gemeinsam die Aufgabe, den Herzrhythmus präzise zu steuern – ganz ohne klassische Elektroden oder eine Aggregattasche unter der Haut.
Deutlich längere Batterielaufzeit bringt mehr Sicherheit
„Ein entscheidender Vorteil des neuen Systems ist die hervorragende Energieeffizienz. Die integrierten Batterien sind darauf ausgelegt, über viele Jahre stabil zu arbeiten – deutlich länger als bei dem bisherigen System“, sagt Kardiologe Professor Dr. Jürgen Kuschyk von der I. Medizinischen Klinik der UKMA. „Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das: weniger Folgeeingriffe, weniger Belastung und langfristig mehr Sicherheit.“
Gerade für Menschen mit chronischen Herzrhythmusstörungen kann die verlängerte Batterielebensdauer entscheidend sein. Jeder vermiedene Austausch bedeutet weniger Operationsrisiken und mehr Lebensqualität.
Neue, intelligente Stimulationsalgorithmen helfen dem Gerät, Energie zu sparen. Im normalen Betrieb stimuliert das System vor allem den Vorhof, während im Hintergrund eine Sicherheitsfunktion die Herzkammer überwacht und nur dann eingreift, wenn es wirklich erforderlich ist. So werden unnötige Impulse in die rechte Herzkammer vermieden, was den Energieverbrauch weiter senkt und die Batterielaufzeit des Aggregats zusätzlich verlängert.
Schonender Eingriff – schnelle Erholung
Das System wird minimalinvasiv über einen Katheter in die rechte Herzkammer und den rechten Vorhof eingebracht. Der Brustkorb bleibt unangetastet, es entsteht keine sichtbare Narbe, und auch die typischen Einschränkungen durch ein Aggregat unter dem Schlüsselbein entfallen. Patient:innen sind dadurch meist schnell wieder mobil.
Durch den kompletten Verzicht auf Elektroden gehören viele typische Komplikationen der Vergangenheit an – etwa Kabelbrüche oder Infektionen entlang der Leitungen. Die Betroffenen profitieren von größerer Bewegungsfreiheit im Alltag, und das Risiko für Folgeeingriffe sinkt deutlich.
Ein weiterer Schritt in Richtung Zukunftsmedizin
Das System ist modular aufgebaut. Je nach vorliegender Erkrankung kann einzeln im Vorhof oder der Kammer implantiert werden und bei Progression auf ein Zweikammersystem aufgerüstet werden oder direkt, wie in dem aktuellen Fall ein Zweikammersystem eingesetzt werden. Zudem können sich Patient:innen trotz Implantat weiterhin MRT Untersuchungen unterziehen, was eine moderne Diagnostik gewährleistet.
„Wir sind stolz darauf, bei dieser Technologie ganz vorne mit dabei zu sein und so Vorreiter in der Spitzenmedizin zu sein. Unsere Patient:innen profitieren hier direkt von Innovationen in der Medizintechnik“, sagt Professor Dr. Daniel Dürschmied, Klinikdirektor der I. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim.