Die Universitätsmedizin Mannheim trauert um Professor Dr. med. Dr. h.c. Klaus van Ackern, der am 18. Januar 2026 im Alter von 84 Jahren in der Klinik verstarb, die er selbst zwei Jahrzehnte als Klinikdirektor leitete. Professor van Ackern wurde im Jahr 1989 auf den Lehrstuhl für Anästhesiologie der Medizinischen Fakultät Mannheim (damals noch Fakultät für Klinische Medizin Mannheim) der Universität Heidelberg berufen und zum Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des damals noch Städtischen Klinikums Mannheim ernannt. Im Jahr 2009 verabschiedete er sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand. Dies betraf allerdings nur die Leitung seiner Klinik und das Ordinariat. Gleichzeitig mit seinem Eintritt in den Ruhestand machte van Ackern seine Herzensangelegenheit, die Führung der Medizinischen Fakultät als Dekan, zum Hauptamt.
Denn: In den zwei Jahrzehnten seines Wirkens innerhalb der Universitätsmedizin Mannheim engagierte sich Klaus van Ackern außer als Kliniker, Wissenschaftler und Hochschullehrer mit großer Tatkraft und außerordentlichem Geschick auch in den Gremien sowohl des Universitätsklinikums als auch der Medizinischen Fakultät – und erzielte dabei Großes.
Gleichzeitig mit seinem Dienstantritt als Klinikdirektor wurde er 1989 zum Stellvertreten Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums ernannt. Mit seiner Wahl zum Dekan der Mannheimer Medizinfakultät im Jahr 1991 begann eine fast zwei Jahrzehnte währende Ära an der Spitze der Medizinischen Fakultät, unterbrochen nur durch eine zweijährige Pause von 1999 bis 2001, in der er wiederum als Ärztlicher Direktor der Klinikum Mannheim gGmbH agierte.
Als Professor van Ackern die Führung der Medizinischen Fakultät übernahm, handelte es sich noch um eine rein auf die klinische Lehre ausgerichtete Fakultät, die der Ausbildung eines Teils der Heidelberger Medizinstudierenden im klinischen Teil ihres Studiums diente. Als Professor van Ackern den Stab 2011 an seinen Nachfolger übergab, hatte sich die Medizinische Fakultät in Mannheim durch sein geschicktes Agieren und seine außergewöhnliche Überzeugungskraft mit dem Aufbau einer Vorklinik längst zur unabhängigen forschenden und lehrenden Vollfakultät entwickelt.
Der Weg war geebnet für den Aufbau eines eigenen, sehr innovativen Modellstudiengangs nach dem Mannheimer Reformierten Curriculum für Medizin (MaReCuM), in dem die Mannheimer Medizinstudierenden seit 2006/2007 vom ersten Semester an mit großem Erfolg das gesamte Medizinstudium absolvieren, und der von Anfang an mit Spitzenwerten bei Rankings gekrönt wurde.
Auch die Einrichtung einer Fraunhofer-Projektgruppe für „Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie“ in Mannheim, als Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart, im Jahr 2011 geht auf ihn und seine Überzeugungskraft zurück.
„Mit Klaus van Ackern verlieren wir eine einzigartige Persönlichkeit und einen leidenschaftlichen Kämpfer für unsere Medizinische Fakultät in Mannheim. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir hier in Mannheim mit unserem MaReCuM-Modellstudiengang einen sehr erfolgreichen Medizinstudiengang aufbauen konnten. Seinem Verhandlungsgeschick verdanken wir auch die Einwerbung einer großen Zahl von Stiftungsprofessuren, die für den Ausbau der Forschung damals notwendig waren. Der Name Klaus van Ackern ist mit dem Erfolg unserer Medizinfakultät in Forschung und Lehre unverrückbar verbunden“ sagt der amtierende Dekan der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Professor Dr. Sergij Goerdt.
In Essen geboren, mit einem Abitur von einem Altsprachlichen Gymnasium in der Tasche, verließ Klaus van Ackern das Ruhrgebiet in Richtung Kurpfalz, die er später zu seiner Wahlheimat machte, um an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg das Studium der Medizin aufzunehmen. Hier promovierte er zum Doktor der Medizin und erhielt als DFG-Stipendiat eine erste wissenschaftliche Ausbildung am Institut für Experimentelle Chirurgie der Universität Heidelberg.
Im Jahr 1972 führte ihn sein Weg erstmals nach Mannheim, wo er am damaligen Institut für Anästhesiologie und Reanimation seine Facharztausbildung absolvierte, die er 1975 abschloss. Im selben Jahr habilitierte er sich an der Universität Heidelberg im Fachgebiet Anästhesiologie und folgte seinem Mentor, Professor Klaus Peter, an das Institut für Anästhesiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort wurde er 1980 zum C3-Professor für Anästhesiologie ernannt.
Ein Ruf als Ordinarius für Anästhesie und Intensivmedizin führte ihn 1986 zunächst nach Lübeck. Drei Jahre später kehrte er nach Mannheim zurück, indem er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Anästhesiologie an die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg folgte – als Nachfolger seines ersten Chefs, Professor Dr. Horst Lutz. Hier wirkte er bis zu seiner Emeritierung am 31. März 2009 zwei Jahrzehnte als Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin höchst erfolgreich. Unter seiner Führung gelang es in Mannheim, die Einheit von Anästhesiologie und Intensivmedizin nicht nur zu erhalten, sondern mit einer deutlichen Erweiterung des anästhesiologischen Leistungsspektrums weiter auszubauen.
Die Schärfung des Forschungsprofils der Klinik auf Sepsis, Muskelrestrukturierung, Lungenversagen und Schmerz ist Ausdruck seiner Vision, dass Medizin an einer Universitätsklinik nicht ohne wissenschaftliches Denken betrieben werden kann. Dabei legte er ein besonderes Gewicht auf die Entwicklung der Schmerzmedizin, mit der Einwerbung einer Stiftungsprofessur und dem Aufbau einer Schmerzambulanz. Zum Ausbau der operativen Intensivmedizin trugen die Einführung innovativer Schwerpunkte wie die ECMO-Therapie, die Förderung eines innovativen OP-Managements sowie die Erweiterung des Spektrums der ärztlichen Notfallversorgung und der Intensivtransporte bei.
Professor van Ackern prägte zudem als Verbandspolitiker die deutsche Anästhesiologie und Intensivmedizin. Er war 1996 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und direkt im Anschluss an die Präsidentschaft für 13 Jahre Generalsekretär der Fachgesellschaft. Zahlreiche Auszeichnungen – darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Cluj-Napoca und der Mannheimer Bloomaul-Orden – würdigten sein Lebenswerk.
Mit Professor Dr. Klaus van Ackern verliert die Universitätsmedizin Mannheim eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit. Wir werden ihn stets in bester Erinnerung behalten. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.