Manfred-Fuchs-Klinik wird Leuchtturm der uro-onkologischen Chirurgie
Die Manfred-Fuchs-Klinik in Mannheim steht kurz vor der Eröffnung. Sie vereint modernste OP-Technologie, KI und ein innovatives Pflegekonzept für urologische Tumoren.
Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel vor der Informationstafel der Manfred-Fuchs-Klinik. Foto: UMM/Johannes Vogt
Im Mannheimer Stadtteil Neckarau entsteht ein neues Exzellenzzentrum für urologische Krebserkrankungen. Die Manfred-Fuchs-Klinik gehört zum Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim und ist auf operative Behandlungen von Tumoren an Niere, Blase und Prostata spezialisiert. Mit KI-gestützter Technologie, vollständig digitalen OP-Sälen und drei Da-Vinci-Systemen, setzt die Klinik neue Maßstäbe in der uro-onkologischen Chirurgie.
Möglich wurde das Projekt auch durch die großzügige Unterstützung der Dietmar Hopp Stiftung und des Unternehmers Dr. Manfred Fuchs. Fokus der neuen Klinik ist, Patient:innen eine Diagnose zu stellen und sie nach eingehender Abklärung und Beratung bestmöglich und so schnell wie möglich konservativ zu behandeln oder zu operieren.
„Die Manfred-Fuchs-Klinik steht für die Medizin von Morgen“, sagt Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender (CEO) des Verbundes der Universitätsklinika Heidelberg Mannheim. „Die Klinik ist auf eine permanente Weiterentwicklung und Optimierung ausgelegt, anschlussfähig für neue Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz und stellt den Patienten und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Sie ist damit beispielgebend für den Verbund unserer beiden Universitätsklinika und steht für internationale Spitzenmedizin“, so Prof. Knaebel.
„Das Herzstück der Manfred-Fuchs-Klinik sind unsere drei OP-Säle“, sagt der Initiator und Gründer der neuen Klinik Prof. Dr. Maurice Stephan Michel, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Mannheim und Direktor der Klinik für Urologie und Urochirurgie.
Die OP‑Säle sind jeweils mit der neuesten Generation der Da‑Vinci‑Systeme (DV5) ausgestattet. Diese KI-fähigen Roboterassistenz-Systeme ermöglichen minimalinvasive Eingriffe. Gesteuert durch die Hand eines erfahrenen Urochirurgen können zielgenau Karzinome auf engstem Raum entfernt werden, ohne benachbartes relevantes Gewebe zu beeinträchtigen. Das ist besonders wichtig, um die Kontinenz- und Sexualfunktion, etwa bei der Prostataoperation erhalten zu können „Die hochpräzise und maximal schonende Operationstechnik befördert einen schnellen Heilungsprozess“, berichtet Professor Michel. „So gehen wir von einer durchschnittlichen Verweildauer der Patient:innen von drei bis vier Tagen aus.“ Und durch die Option, in allen drei OP-Sälen mit Da Vinci-System arbeiten zu können, werden jährlich über 2.000 Patientinnen und Patienten profitieren. Die Anschaffung der drei Da Vinci Systeme der neuesten Generation hat die Dietmar Hopp Stiftung mit einer Fördersumme von rund neun Millionen Euro ermöglicht.
Gewebeanalyse innerhalb von nur zehn Minuten
Die OP-Säle sind durchgehend vernetzt und KI-fähig. So kann das System schon heute über die Bildgebung Vorschläge für den Chirurgen machen, wo ein Schnitt zu setzen ist – möglich durch die Auswertung tausender Daten. Zudem stehen dem OP-Team alle relevanten Daten wie endoskopische Bilder oder radiologische Befunde in Echtzeit zur Verfügung. Im OP wird beispielsweise ein intraoperativer Gewebescanner genutzt, der über Telepathologie bereits während der Operation eine schnelle Beurteilung der Präparate innerhalb von zehn Minuten ermöglicht. Diese Verfahren werden in enger Kooperation mit der DKFZ-Arbeitsgruppe E140 ‚Intelligente Systeme und Robotik in der Urologie‘ entwickelt, evaluiert und in klinische Workflows überführt.
Dritter urologischer Standort im Verbund
Die Manfred-Fuchs-Klinik, benannt nach dem Mannheimer Unternehmer Dr. Manfred Fuchs, ist der dritte Standort des urologischen Departments der Universitätsklinika Heidelberg-Mannheim. Teams aus beiden Universitätskliniken operieren an der Manfred-Fuchs-Klinik. „Ziel ist es, mit unseren Standorten und den jeweiligen Ausrichtungen die führende urologische Universitätsmedizin in Europa in der Breite, in der Tiefe und in der Spitze zu sein“, sagt der Chef der Heidelberger Urologie, Professor Dr. Dr. Huber. „Wir vereinen unsere Stärken im Verbund und prägen die jeweiligen Spezialgebiete besonders aus.“
Hochleistungsmedizin in Anästhesie
Die Hochleistungsmedizin an der Manfred-Fuchs-Klinik zeigt sich auch in der Anästhesie und Radiologie. „Bei den Operationen kommt die neueste Überwachungstechnik einschließlich einer Schlaftiefemessung zum Einsatz. Wir können die Anästhesiesteuerung individuell so anpassen, dass sich die Patient:innen schnell und angenehm erholen können“, berichtet Professor Dr. Grietje Beck, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. Und ebenfalls auf dem neusten Stand der Technik ist die lückenlose und sichere digital unterstütze Patientenüberwachung nach der Anästhesie im Aufwachraum und auf der Station – verbunden mit einem Frühwarnsystem.
Enge Verzahnung mit Radiologie im selben Gebäude
Ebenso ist die Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Mannheim eng verzahnt mit der Manfred-Fuchs-Klinik in Diagnostik, Therapieplanung und Qualitätssicherung. Im selben Gebäude ermöglicht der Radiologiestandort der Universitätsmedizin Mannheim modernste Medizintechnik mit innovativer Bildgebung, etwa über ein multiparametrisches MRT der Prostata oder eine CT-Darstellung der ableitenden Harnwege. „Das eingebaute MRT ist das modernste System in der gesamten DACH-Region“, sagt Prof. Dr. Stefan Schönberg. Das neue Gerät ermöglicht eine noch höhere Geschwindigkeit bei hervorragender Bildgebung und maximalem Patientenkomfort.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Radiologie, Urologie und Pathologie wird hinsichtlich der Versorgungsprozesse ebenfalls wissenschaftlich untersucht in einer internationalen Zusammenarbeit mit dem Mass General Brigham Hospital/ Harvard Medical School. Die Optimierung des Versorgungsprozesses soll ermöglichen, dass ein Patient nach dem ersten Verdachtsbefund innerhalb von 30 Tagen operiert beziehungsweise individuell behandelt wird. „Im Durchschnitt vergehen in Deutschland drei Monate zwischen Diagnose und Therapie beziehungsweise Operation“, berichtet Professor Huber. Sein Mannheimer Kollege Professor Michel ergänzt: „Diese Spitzenmedizin bieten wir ohne Hürden an. Bei uns wird jeder Patient unabhängig vom Versicherungsstatus behandelt.“
Neue Pflegekonzepte mit wissenschaftlicher Begleitung
Die Patientinnen und Patienten erwartet auch auf Station eine Klinik auf Top-Niveau. Insgesamt 25 Betten als Einzel- oder Zweibettzimmer – alle mit integrierten Badezimmern (WC und Dusche), stehen zur Verfügung. Die Patient:innen können über Tablets mit dem Pflegepersonal kommunizieren und so zum Beispiel gleich auf dem Bildschirm eine neue Flasche Wasser bestellen oder um Hilfe bitten. „Wir sparen Wege und können schneller dem Wunsch der Patient:innen nachkommen“, erläutert Rayk Oemus-Diehl, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Mannheim, die neuen Kommunikationsmittel.
Das gesamte Pflegekonzept an der Manfred-Fuchs-Klinik ist neu und wird wissenschaftlich begleitet. So werden die Rolle und Verantwortung des gesamten Pflegepersonals gestärkt. Entscheidungen, die die tägliche Versorgung betreffen, sollen möglichst gemeinsam im Team mit den Ärztinnen und Ärzten getroffen werden. „Dadurch entsteht mehr Verantwortung, mehr Beteiligung und eine stärkere Identifikation mit der eigenen Arbeit“, verspricht sich der Pflegedirektor vom neuen Konzept. Damit einher geht auch ein Kulturwandel. „In der Manfred-Fuchs-Klinik soll eine Arbeitskultur entstehen, die von Offenheit, Zusammenarbeit und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Pflegepersonen, Führungskräfte und andere Berufsgruppen arbeiten partnerschaftlich zusammen, um die bestmögliche Versorgung für Patientinnen und Patienten zu erreichen“, so Oemus-Diehl.
Künstliche Intelligenz hilft bereits beim Erstgespräch
Im Mittelpunkt stehen Patientinnen und Patienten. So wird bereits beim Eingangsgespräch KI eingesetzt, um die Kommunikation und Abläufe rund um den Patienten zu verbessern: automatisierte Dokumentation, KI‑gestützte Telefonie und leitlinienbasierte Chatbots, die bei Informationsrecherche und Aufklärung helfen.
In nur 14 Monaten Bauzeit ist aus zweieinhalb komplett leeren Etagen eines Neubaus eine neue Klinik in dem Gebäudekomplex Salutem entstanden. „Dieses Tempo ist nur möglich gewesen, weil alle Beteiligten des Verbundes an einer gemeinsamen Vision gearbeitet haben“, drückt Sandra Henek, kaufmännische Geschäftsführerin des Universitätsklinikums Mannheim, ihren Dank an die Mitarbeitenden aus. „Der Verbund hat uns die Investition in die Spitzenmedizin am Standort Mannheim möglich gemacht.“
Der Namensgeber und Stifter Dr. Manfred Fuchs
Namensgeber der neuen Klinik ist der Mannheimer Unternehmer Dr. Manfred Fuchs (geb. 1939). Er prägte über Jahrzehnte das Familienunternehmen FUCHS SE und entwickelte es zu einem Weltkonzern der Schmierstoffbranche mit über 6.000 Mitarbeitenden in 50 Ländern. Als Stifter unterstützt Herr Dr. Manfred Fuchs seit Jahrzehnten Wissenschaft, Medizin, Bildung und Kultur in der Region. 2014 ernannte ihn die Stadt zum Ehrenbürger Mannheims. Die Manfred-Fuchs-Klinik trägt seinen Namen als Zeichen der Dankbarkeit und weil sein Wirken Vorbild für gesellschaftliche Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement ist.
Besonders überzeugt haben ihn für die Förderung: modernste Technik in Diagnose, OP und Nachsorge, sowie die kurze Diagnose- und Therapiezeit. Die neue Klinik sei ein „Musterfall für den Verbund der Universitätsklinika Mannheim und Heidelberg. Und die Versorgung von Privat- als auch Kassenpatienten.
„Man wollte die Klinik - wie vor allem in USA üblich – mit einem Personennamen verbinden und trat an mich als Ehrenbürger der Stadt Mannheim sowie langjährigen Förderer der Universitätsklinika Mannheim und Heidelberg sowie der Medizinischen Fakultäten der Universität Heidelberg heran. Ich habe zugesagt. So kam es zur Manfred Fuchs-Klinik.
Finanziell habe ich mit Starthilfen im Personalbereich geholfen sowie künftig mit einem jährlichen Austauschprogramm für junge Spitzenforscher der Medizin und Urologie des Verbunds mit dem DKFZ Heidelberg, Harvard und der ORSI Academy, Belgien.“
Dr. Manfred Fuchs
Die Förderung durch die Dietmar Hopp Stiftung
Die Dietmar-Hopp-Stiftung hat den Kauf von drei Da Vinci Systemen der neusten Generation im Wert von rund neun Millionen Euro gefördert. Der Kauf von drei Systemen ermöglicht es, die Hochleistungsmedizin vielen Patientinnen und Patienten zugänglich zu machen. Die 5. Generation der da Vinci-Systeme ist KI-fähig und eröffnet für die Zukunft weitreichende Möglichkeiten in der Urochirurgie.
Isabel Hopp: „In der Manfred-Fuchs-Klinik werden Forschung, Diagnostik und Behandlung urologischer Krebserkrankungen auf höchstem Niveau vereint. In der Dietmar Hopp Stiftung ist es uns ein zentrales Anliegen, medizinische Einrichtungen, die zum Wohle der Patienten mit hoher Qualität und großer Innovationskraft in die Zukunft wirken, zu stärken. Wir unterstützen diese Klinik mit einer Spende in Höhe von fast neun Millionen Euro für die Anschaffung von drei da Vinci-Operationssystemen, damit Patientinnen und Patienten direkt von der hochmodernen Technik und der Expertise der Mitarbeitenden profitieren.“
Ansprechpartner für Rückfragen
Patrick Körber
Leiter Unternehmenskommunikation und Marketing am Universitätsklinikum Mannheim
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