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Knochenmetastasen

Knochenmetastasen (Skelettmetastasen) sind Absiedlungen von Tumoren in die Knochen. Sie sind nicht zu verwechseln mit dem eigentlichen Knochenkrebs, der im Knochen selbst entsteht - wie beispielsweise Osteosarkome. Knochenmetastasen entstehen, wenn sich Krebszellen vom Ursprungstumor ablösen und durch die Blutbahn zu den Knochen in anderen Körperregionen wandern. Da der Weg der Krebszellen über die Blutbahnen oder Lymphbahnen führt, sind gut durchblutete Körperregionen besonders stark von Metastasen betroffen. Knochenmetastasen bilden sich daher bevorzugt in den am stärksten durchbluteten Skelettabschnitten wie der Wirbelsäule, dem Becken, und den Hüftgelenk- und Schultergelenknahen Knochen.

Das Zentrum für Metastasen- und Tumorrezidivchirurgie hat sich auf die interdisziplinäre Behandlung von Knochenmetastasen spezialisiert. Welche Behandlungsmethode im Einzelfall die Richtige ist, besprechen die Krebsspezialisten im regelmäßig stattfindenden Metastasenboard des Interdisziplinären Tumorzentrums (ITM).

Knochenmetastasen Symptome

Die beiden häufigsten Symptome von Knochenmetastasen sind starke Schmerzen und Knochenbrüche. Schmerzen entstehen, wenn die Skelettmetastasen die empfindliche Knochenhaut dehnen. Die Schmerzen können von den betroffenen Körperstellen auf andere Regionen ausstrahlen. Knochenmetastasen in der Halswirbelsäule oder in der oberen Brustwirbelsäule verursachen daher unter Umständen auch Schmerzen im Nacken und in den Schultern. Kreuzschmerzen im unteren Bereich des Rückens können auf Metastasen in der Lendenwirbelsäule hindeuten. Hüftschmerzen, die bei Belastung zunehmen, sind möglicherweise auf Knochenmetastasen im Oberschenkel zurückzuführen. Ein weiteres Symptom bei Skelettmetastasen können Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit sein, wenn die Metastasen auf Nerven oder auf das Rückenmark drücken. Auch Lähmungserscheinungen sind möglich, wenn das Rückenmark bereits geschädigt ist.

Knochenbrüche bei Knochenmetastasen

Knochenmetastasen schwächen den Knochen und können früher oder später zu Knochenbrüchen (Frakturen) führen. Sogenannte osteolytische Metastasen führen zu Knochenabbau und damit relativ schnell zu Knochenbrüchen – selbst bei normaler Belastung. Osteoplastische Metastasen regen dagegen eine überschießende Knochenproduktion an. Das verbessert allerdings nicht die Stabilität der Knochen. Im Gegenteil: Die neue Knochensubstanz ist minderwertig und die Gefahr von Knochenbrüchen steigt ebenfalls. Bestimmte Medikamente helfen, den unkontrollierten Knochenumbau einzudämmen. Diese sogenannten Bisphosphonate hemmen die Osteoklasten (Zellen), die am Abbau von Knochengewebe beteiligt sind. Bisphosphonate schützen somit das Skelett vor weiterer Zerstörung und lindern indirekt die Schmerzen der Patienten. Einige Laborparameter können bei bestimmten Tumoren Frühmarker für Knochenmetastasen sein.

Knochenmetastasen Diagnose

Wenn sich die Diagnostik nicht aus den Symptomen ergibt, ist bei einer Suche („Sceening“) oder Nachsorge eine Skelettszintigraphie meist die erste Wahl für die Diagnose bei vermuteten Knochenmetastasen. Ein in die Blutbahn gespritzter Marker aus schwach radioaktiven Substanzen soll unkontrollierten Knochenabbau oder Knochenaufbau aufdecken. Zur Bestätigung der Diagnose und zur Einordnung von Größe, Anzahl und Lage der Knochenmetastasen sind oft weitere bildgebende Verfahren nötig. Möglich sind neben dem Röntgen die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT), die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sowie eine Kombination aus PET und CT.

CUP-Syndrom bei Knochenmetastasen

Knochenmetastasen weisen auf eine fortgeschrittene Krebserkrankung hin. Meistens ist die ursprüngliche Krebsart bereits bekannt und in Behandlung. In wenigen Fällen jedoch werden die Skelettmetastasen als Erstes entdeckt. Dann spricht man von "Krebs mit unbekanntem Primärtumor", "cancer of unknown primary" oder „CUP-Syndrom“. Das Tumorgewebe von Knochenmetastasen weist meist noch typische Eigenschaften der ursprünglichen Krebsart auf. Dieser Umstand kann bei der Suche nach dem Ursprungstumor helfen. Eine Biopsie des befallenen Knochens gibt Aufschluss über die ursprüngliche Krebsart.

Knochenmetastasen Operation

Grundsätzlich ist eine Operation bei Knochenmetastasen indiziert, wenn Schmerzen ansonsten nicht beherrschbar sind oder Frakturen mit Funktionsausfall (nicht mehr gehen können, nicht mehr die Arme nutzen können) aufgetreten sind. Eine Operation bei Knochenmetastasen kann aber auch Schmerzen der Patienten lindern. Üben die Metastasen Druck auf Nerven aus, werden die Schmerzen durch die Entfernung des einengenden Gewebes gemildert und auch Lähmungen können sich wieder zurückbilden. Sind die Knochen bereits zu instabil und reicht es nicht mehr aus, die Lücken mit Knochenzement zu füllen (sog. Verbundosteosynthese, an der Wirbelsäule auch Kyphoplastie), setzen die Ärzte eine Prothese (künstliches Gelenk) ein.

Knochenmetastasen Bestrahlung

Bei der Bestrahlung von Knochenmetastasen ohne gleichzeitigen operativen Eingriff durchdringt ionisierende Strahlung aus einem Linearbeschleuniger die Haut. Dies dient der Abtötung der Metastase und der Schmerzbefreiung. Diese perkutane Strahlentherapie führen die Krebsspezialisten ambulant über mehrere Wochen durch. Die einzelne Bestrahlung dauert nur einige Minuten und ist schmerzlos. Die Strahlendosis ist abhängig von der Lage und Größe der Knochenmetastasen. Die perkutane Strahlentherapie gibt es in verschiedenen Verfahren, die jeweils spezielle Anforderungen berücksichtigen.

Intraoperative Radiotherapie

Das Universitätsklinikum Mannheim verfügt über Hybrid-Operationssäle in denen bildgebende diagnostische Verfahren wie Angiografie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) während der Operation durchgeführt werden. Das spart kostbare Zeit im Therapieverlauf und die Chirurgen können mithilfe der hochauflösenden Bilddaten auch in schwierig einsehbaren Bereichen operieren. OP-Mikroskope mit Körper-Navigationsfunktionen sorgen zusätzlich für einen haargenauen Einblick in die Körperstrukturen. Die Stabilisierung der mit Metastasen befallenen Wirbelkörper mit Knochenzement (Kyphoplastie) kann durch die Hybrid-Technik mit einer Bestrahlung verbunden werden. Diese „Intraoperative Radiotherapie“ (Kypho- IORT) kombiniert die zwei zuvor getrennten Therapieschritte auf optimale Weise. Bei dem minimalinvasiven Eingriff ermöglicht die Bildgebung während der Operation eine exakte Ausrichtung des Bestrahlungsgeräts. Die Strahlendosis wird genau so berechnet, dass sie die Metastasen zerstört und dabei das angrenzende Umfeld, wie zum Beispiel das Rückenmark schont. Da die Bestrahlung während der Operation stattfindet, kann ein Teil oder sogar die Gesamtdosis der Strahlentherapie schon während der Operation gegeben werden. Das reduziert die perkutanen (durch die Haut) Bestrahlungseinheiten.

Knochenmetastasen Chemotherapie

Bei zahlreichen Knochenmetastasen an unterschiedlichen Stellen im Körper kommt eher eine systemische Therapie (den ganzen Körper betreffend) wie die Chemotherapie infrage. Reduzieren die Knochenmetastasen ihre Größe und Anzahl durch die Chemotherapie, können Operation oder Bestrahlung wieder effizienter eingesetzt werden. Auch die Chemotherapie verringert die Schmerzen der Patienten und trägt damit zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Bewegung bei Knochenmetastasen

Patienten sollten Bewegung bei Knochenmetastasen nicht komplett vermeiden. Dies könnte zu einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands führen, der ausschlaggebend für den Erfolg der Krebsbehandlung bei Skelettmetastasen ist. Patienten, die sich aus Angst vor Knochenbrüchen kaum noch bewegen, fördern das Risiko von Muskelabbau, Herz- und Kreislaufkrankheiten, Atembeschwerden, Appetitlosigkeit sowie Depressionen. Die Physiotherapeuten des Universitätsklinikums Mannheim begleiten Patienten mit Knochenmetasten während der Krebstherapie und klären darüber auf, in welchem Umfang Bewegung im individuellen Fall möglich und sinnvoll ist.

Knochenmetastasen: Weitere Unterstützung

Im Universitätsklinikum Mannheim betreuen ausgezeichnete Mediziner, Psychoonkologen, Onkologische Fachkrankenpfleger und der Sozialdienst die Patienten während und nach ihrer Behandlung.

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