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Erfolgsrezept MaReCuM*

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Die Sorge um den wissenschaftlichen Nachwuchs in der medizinischen Forschung wächst. Immer weniger junge Mediziner entscheiden sich für eine Karriere als Wissenschaftler. Um dem drohenden Nachwuchsmangel in der klinischen Forschung entgegenzuwirken, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) schon 2010 den Medizinischen Fakultäten empfohlen, systematische und transparente Karrierewege für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt war der MaReCuM-Modellstudiengang an der Medizinischen Fakultät Mannheim vier Jahre alt und hatte sein Curriculum längst mit attraktiven Angeboten gespickt, um das Interesse der Studierenden für wissenschaftliches Arbeiten zu wecken.

Die Fakultät hat eine ausgezeichnete Grundlagenforschung aufgebaut, die auch der Ausbildung der Graduierten zugutekommt. Gefäßbildung und Gefäßfunktion im Kontext von Krankheitsprozessen erforscht Professor Kroll am Modellorganismus Zebrafisch.

Ihre Wurzeln hat die wissenschaftliche Nachwuchsförderung an der Mannheimer Medizinfakultät aber noch früher, im Regelstudiengang der damaligen „Fakultät für Klinische Medizin Mannheim“. Schon im Jahr 2002 etablierte Prof. Dr. med. Fokko van der Woude, damaliger Direktor der V. Medizinischen Klinik, die Junior Scientifi c Masterclass (JSM). Ziel dieses erfolgreichen Ausbildungsprogramms war und ist es, motivierten Medizinstudierenden eine wissenschaftliche und experimentelle Basis zu vermitteln.

Strukturierte Förderung von Anfang an

Mit MaReCuM ist daraus ein strukturiertes Programm der Nachwuchsförderung erwachsen, das sich quasi über das gesamte Studium spannt. Es beginnt im zweiten Studienjahr mit der Seminarreihe Klinische Forschung, auch „Triple B“ genannt. Hier wird interessierten Studierenden anschaulich das Prinzip der Translationalen Forschung – from bed to bench and back – vermittelt. Aus den Teilnehmern dieser Seminarreihe rekrutieren sich im 3. Studienjahr die künftigen Absolventen der Junior Scientific Masterclass, die sich mit ausgewählten Wissenschaftsthemen der Kliniken und Institute beschäftigen. Das Ausbildungsprogramm, das bislang aus einer Einführungswoche und einer intensiven Laborwoche bestand, ergänzt seit 2016 eine Sommerakademie.

Wissenschaft im internationalen Kontext

Als konsequente Weiterentwicklung der wissenschaftsorientierten Medizinerausbildung erwuchs bereits 2004, wiederum aus der V. Medizinischen Klinik heraus, ein internationales englischsprachiges MD/PhD-Promotionsprogramm mit der Universität Groningen. Es startete mit einem Graduiertenkolleg zur Vaskulären Medizin (GRK 880) mit Prof. Dr. med. Hans-Peter Hammes als Sprecher, in dem Mediziner und Lebenswissenschaftler zusammen promovieren. Das Graduiertenkolleg wurde zehn Jahre fortgeführt und schöpfte damit die maximale Förderdauer aus. Daran schloss sich unmittelbar das Internationale Graduiertenkolleg DIAMICOM (IRTG 1874) an, das sich mit der Schädigung kleinster Blutgefäße bei Diabetes befasst. „Das Besondere dieses internationalen Graduiertenkollegs ist, dass Mediziner und Lebenswissenschaftler gemeinsam in einem Fach mit klinischer Bedeutung, hier zum Diabetes mellitus, forschen und lernen“, so Professor Hammes. Dies schafft eine gute Basis für spätere wissenschaftliche Kollaborationen über die Grenzen des eigenen Faches hinweg: „Sie entwickeln dadurch quasi automatisch ein tiefes Verständnis für die anderen Disziplinen.“ Darüber hinaus können Mediziner neben dem deutschen Dr. med. auch den internationalen PhD erwerben.

In der klinischen Forschung ausgewiesene
Mediziner leiten die Graduierten in enger persönlicher Betreuung an. Professor Hammes erforscht die Mechanismen, über die der Diabetes kleinste Gefäße in der Netzhaut schädigt.

Exzellenz unter Beweis gestellt

Nach dem Motto „Exzellente Forschung braucht exzellente Lehre“ ist das Graduiertenkolleg DIAMICOM, das jetzt gemeinsam von dem Mediziner Professor Hammes und dem Lebenswissenschaftler Prof. Dr. biol. hum. Jens Kroll geleitet wird, Anfang des Jahres in die Begutachtung der DFG gegangen und hat dort überzeugt. Auch dieses Programm schöpft mit der weiteren Förderung von viereinhalb Jahren die maximale Förderdauer aus. „Das Programm unterstützt speziell die translationale Forschung. Während die Graduiertenkollegs Studierenden der Medizin überhaupt die Möglichkeit eröffnen, in der Forschung Fuß zu fassen, ist der Benefit für die Studierenden der Lebenswissenschaften vor allem die unmittelbare Verbindung der Forschung zur medizinischen Anwendung“, so Professor Kroll. Zusammen mit einem weiteren Graduiertenkolleg zum Hautkrebs (GRK 2099), einem Kooperativen Promotionskolleg mit der Hochschule Mannheim zur Gewebeanalytik und einem Stipendienprogramm, das Studierende der Medizin bei der Doktorarbeit unterstützt, bietet die Universitätsmedizin Mannheim Medizinern und Lebenswissenschaftlern beste Bedingungen für den Start in eine wissenschaftliche Karriere.

Weitere Förderung der Karriere

Um die talentiertesten Nachwuchswissenschaftler weiter zu fördern, hat die Fakultät außerdem Programme entwickelt, die junge Wissenschaftler auf allen Etappen der Karriere unterstützen: MEAMEDMA bei der Durchführung eines ersten DFG-Projekts, SEED bei der Vorbereitung von größeren Forschungsvorhaben. TraPS fördert speziell die klinische und translationale Forschung und ein Programm zur Förderung der Gleichstellung unterstützt speziell Ärztinnen und Wissenschaftlerinnen in ihrer Karriere. Die Programme sind größtenteils 2016 gestartet.

* Dieser Artikel stammt aus dem Jahresbericht 2016.

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