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Kinder- und Jugendurologie für mehr Lebensqualität*

Für Kinder ist es ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit zu lernen, ihre Ausscheidungen zu kontrollieren. Für einige Mädchen und Jungen ist das durch angeborene Fehlbildungen oder auch wegen einer Störung nur bedingt oder gar nicht möglich. Dann bietet das Zentrum für Kinder-, Jugend- und rekonstruktive Urologie der UMM fachkundige Unterstützung: „Wir behandeln sämtliche kinderurologischen Erkrankungen und Anomalien des Urogenitaltrakts“, erläutert Professor Dr. med. Raimund Stein. „Damit verhelfen wir unseren Patienten zu deutlich mehr Lebensqualität. Oft erreichen wir sogar, dass sie ganz beschwerdefrei leben können“, betont der Leiter des Zentrums.

Insbesondere bei angeborenen Leiden ist häufig eine Operation notwendig. Dabei kommt den Patienten die interdisziplinäre Ausrichtung des Zentrums zugute. „Wir profitieren sehr von der Zusammenarbeit mit der Klinik für Urologie und Urochirurgie und der Kinderchirurgischen Klinik“, betont Stein. „Fachmediziner unserer Kliniken operieren regelmäßig gemeinsam“, verdeutlicht Professor Dr. med. Maurice Stephan Michel, der Leiter der für Klinik für Urologie und Urochirurgie. „Mit der Neugründung des Zentrums 2015 hat die UMM ihr Behandlungsspektrum für urologische Erkrankungen wesentlich erweitert“, hebt Michel hervor.

Hoch spezialisiertes Fachzentrum

Die Mannheimer Mediziner sind hoch spezialisiert. Unter anderem führen Dr. med. Katrin Zahn und Dr. med. Maria Roll, Oberärztinnen der Kinderchirurgischen Klinik, vielfach zusammen mit Professor Stein und der Urologin Dr. med. Nina Huck Operationen an der Niere minimal-invasiv durch – und damit besonders schonend für die kleinen Patienten.

Selbst hoch komplexe Eingriffe kann das Zentrum erfolgreich umsetzen. „Wir führen unter anderem Operationen durch, die den Harn um- oder ableiten, bei Fehlbildungen wie beispielsweise der Blasenekstrophie oder auch bei neurogen bedingten Blasenfunktionsstörungen“, erläutert Stein. Eine Blasenekstrophie entsteht, wenn sich während der Schwangerschaft die untere Bauchwand des Kindes nicht normal ausprägt: Die Harnblase liegt dann nach außen hin offen, sodass fortlaufend Urin austritt. Dieses Krankheitsbild ist sehr selten, es kommt nur bei einem von circa 40.000 Neugeborenen vor. Nur eine Handvoll Kliniken in Deutschland können diese Fehlbildungen behandeln, wie Stein betont: „Als hoch spezialisiertes Fachzentrum haben wir die notwendige Erfahrung für diese Eingriffe und die anschließende lebenslange Nachsorge.“

Bei einer solchen Operation werden Teile von Dünn- oder auch Dickdarm entnommen und mit der Blase verbunden, um diese zu vergrößern. Die Mediziner verstärken oder verschließen manchmal operativ den Blasenhals und schaffen einen neuen Ausgang zur Entleerung des Urins: So kann zum Beispiel aus dem Blinddarm ein Kontinenzmechanismus gebildet werden, der zum Nabel führt. Über den Nabel können die Patienten dann mit einem Katheter Urin ablassen. „Für die betroffenen Kinder wird es so erstmals überhaupt möglich, ihre Harnausscheidung selbst zu kontrollieren“, hebt Stein hervor.

Normales Leben dank frühzeitiger Operation

Viele Operationen führt das Zentrum im Kleinkindalter durch – beispielsweise im Fall von Hypospadien oder Epispadien. Bei diesen angeborenen Entwicklungsstörungen endet die Harnröhre bei einem Jungen nicht an der Spitze des Penis, sondern an der Unter- beziehungsweise Oberseite. Eine frühzeitige Operation ist hier empfehlenswert, so Stein: „Betroffene leiden, wenn sie älter werden, oft an einer eingeschränkten Sexualfunktion. Dank einer Operation im Kindesalter können die Patienten später meist ein normales Leben führen.“

Nach einem Eingriff werden die kleinen Patienten auf der kinderchirurgischen Station betreut. „Unsere Ärzte und Pflegekräfte haben viel Erfahrung und versorgen Kinder und Jugendliche optimal entsprechend ihrer Bedürfnisse“, betont Professor Dr. med. Lucas Wessel, der die Kinderchirurgische Klinik leitet. Das Kinderzentrum der UMM bietet darüber hinaus ein kindgerechtes Umfeld fernab einer nüchternen Krankenhaus-Atmosphäre.

„Wir haben viele farbenfroh gestaltete Bereiche oder auch Betreuungsangebote wie die Kinderoase. Das alles unterstützt unsere kleinen Patienten beim Gesundwerden“, sagt Wessel.

Keine Altersgrenze für Behandlungen

Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums für Kinder-, Jugend- und rekonstruktive Urologie sind nicht-chirurgische Behandlungen. „Viele Eltern kommen zum Beispiel mit ihren Kindern zu uns, wenn sich diese häufig einnässen“ sagt Nancy Baez-Doelle. Als zertifizierte Urotherapeutin überprüft sie nicht nur genau die Funktion von Blase und Harnröhre, sie geht auch einfühlsam mit den kleinen Patienten um: „Anfangs sind die Kinder oft schüchtern und zurückhaltend oder sie schämen sich. Wenn sie merken, dass sie mit mir ohne Druck oder Vorwürfe über ihr ‚Problem‘ reden können, entsteht schnell ein Vertrauensverhältnis“, erzählt die spezialisierte Pflegefachkraft. Liegt bei einem Kind keine körperliche Ursache für sein Leiden vor, helfen oft Tipps, um im Alltag die Blase zu trainieren. „Wir unterstützen die Kinder dabei trocken zu werden – das entlastet auch die Eltern sehr“, merkt die Urotherapeutin an. Für eine Behandlung durch die Mannheimer Experten gibt es übrigens keine Altersgrenze. „Wir betreuen Patienten auch langfristig und über die Jugend hinaus. Patienten jeden Alters können sich zum Beispiel an uns wenden, wenn es zu Problemen des Urogenitalen Traktes kommt oder Komplikationen nach vorangegangenen Operationen entstehen“, sagt Stein.

* Dieser Artikel stammt aus dem Jahresbericht 2016.

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