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Hand in Hand für Patienten*

Zusammen machen Spezialisten verschiedener Berufsgruppen universitäre Maximalversorgung möglich, zum Beispiel hoch komplexe Operationen für ein selbstständiges Leben oder eine eingespielte Schlaganfallbehandlung nach neuesten Methoden. Eine wichtige Grundlage dafür ist die rundum zuverlässige Versorgung des Hochleistungsbetriebs.

STROKE UNIT - Schlagkräftig bei Schlaganfall

Beim Schlaganfall gilt: Je schneller die Behandlung beginnt, desto weniger Schäden erleidet ein Patient. Es gilt aber auch: Die besten Heilungschancen bietet ein spezialisiertes Krankenhaus, in dem unterschiedliche Fachrichtungen eingespielt zusammenarbeiten – so wie es das Schlaganfallzentrum der UMM seit Jahrzehnten praktiziert und fortlaufend weiterentwickelt.

Der Körper ist plötzlich auf einer Seite gelähmt oder taub, Sprech- oder Sehvermögen sind gestört, dazu Schwindel oder starke Kopfschmerzen – die klassischen Anzeichen eines Schlaganfalls. „Wenn Patienten mit diesen Symptomen in der Notaufnahme eingeliefert werden, versorgt sie unsere Stroke Unit“, sagt Professor Dr. med. Marc Fatar, leitender Oberarzt der Neurologischen Klinik. Die Stroke Unit stellt sicher, dass bei allen rund 1.400 Schlaganfall-Patienten pro Jahr die notwendigen Schritte abgestimmt sind und ohne Verzug ablaufen: „Unser Team vereint Spezialisten aller benötigten Fachgebiete, die sich von der Einlieferung bis zur Entlassung um die Patienten kümmern: Von Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen und Kardiologen über spezialisierte Pflegekräfte, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten bis hin zu Sozialarbeitern, die Patienten beispielsweise dabei unterstützen, die Reha-Behandlung oder die weitere häusliche Versorgung zu organisieren.“

Thrombolyse löst Gerinnsel auf

Bei Eintreffen in der Notaufnahme werden Patienten sofort fachneurologisch untersucht. Dabei werden Symptome und Defizite festgestellt und die weitere Therapie wird festgelegt. Dann erfolgt eine sofortige Bildgebung des Gehirns mittels Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT), bei der Neuroradiologen beurteilen, welche Art von Schlaganfall vorliegt: Hat ein Thrombus – ein Blutgerinnsel – eine Ader im Gehirn verstopft, ist es also ein so genannter ischämischer Schlaganfall? Oder ist ein Blutgefäß im Gehirn geplatzt, hat der Patient demnach den selteneren hämorrhagischen Hirninfarkt erlitten? „Die moderne Bildgebung liefert entscheidende Hinweise für die beste Behandlung des Patienten. Bei einer verschlossenen Ader setzen wir meist auf die Thrombolyse: Wir geben den Patienten per Infusion eine hochwirksame Blutverdünnung, die das Gerinnsel auflöst“, erläutert Fatar. Davor sei aber zunächst sicher auszuschließen, dass eine Hirnblutung vorliegt, verdeutlicht der Neurologe: „Sonst könnte das Verdünnungsmedikament die Blutung verschlimmern.“ 

Thrombektomie: Mit Kathetern gegen große Blutpfropfen

Vielfach ist auch eine Thrombektomie erforderlich – eine Behandlung, die nur spezialisierte Maximalversorger wie die UMM leisten können. „Die Thrombektomie eignet sich vor allem, wenn große Blutgefäße blockiert sind und eine Blutverdünnung alleine nicht ausreicht“, sagt Professor Dr. med. Christoph Groden, Leiter der Abteilung für Neuroradiologie. „In diesem Fall führen wir minimal-invasiv einen Katheter-Schlauch von der Leiste bis zu dem verstopften Blutgefäß und können den Thrombus entweder absaugen oder wie mit einer Fischreuse herausziehen“, beschreibt Groden die Methode. Damit Ärzte und Pflegekräfte bei einer Thrombektomie präzise arbeiten können, zeigen Monitore durchgehend Röntgenaufnahmen des Gehirns, auf denen die Blutgefäße klar erkennbar sind.

Fachkliniken beraten und behandeln mit

Je nach Fall stehen dem Team der Stroke Unit Kollegen aus den anderen Fachkliniken der UMM mit Rat und Tat zur Seite. Beispielsweise öffnen Neurochirurgen in einer Operation den Schädelknochen, wenn das die Heilung einer starken Hirnschwellung fördert. Ebenfalls operativ können Gefäßchirurgen die Halsschlagadern von ausgeprägten Kalk- oder Fettablagerungen befreien, um den Blutfluss zu verbessern.

Frühzeitige Therapie verbessert Chancen

Vom ersten Tag auf der Stroke Unit an fördern auch spezialisierte Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden den Heilungsprozess: „Studien belegen, dass ein frühestmöglicher Therapiebeginn die Chancen der Betroffenen deutlich erhöht, ihre sensomotorischen und kognitiven Funktionen zurückzugewinnen“, sagt Physiotherapeut Nils Wetterauer. Die täglichen Therapieeinheiten sind dabei immer individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. „Ziel ist es, die Patienten in ihrer körperlichen und geistigen Mobilität und Selbstständigkeit zu fördern, damit sie ihren Alltag möglichst unabhängig gestalten können“, erläutert Wetterauer.

Forschung und Wissenstransfer

Als universitäres Klinikum forscht die UMM, um die Krankenversorgung weiterzuentwickeln. „Wir führen wissenschaftliche Studien durch und können so unseren Patienten Methoden anbieten, die andernorts noch nicht verfügbar sind“, verdeutlicht Professor Dr. med. Michael Platten, der Direktor der Neurologischen Klinik. Die UMM arbeitet auch daran, das neueste Fachwissen über den Schlaganfall zu verbreiten: Das im Januar 2017 gegründete Neurovaskuläre Zentrum der UMM bietet Medizinern mit regelmäßigen Konferenzen ein Forum zum fachlichen Austausch. Patienten profitieren bereits vor der Einlieferung von der Expertise der UMM, weil hier Rettungskräfte aus der Region regelmäßig informiert werden über aktuelle Forschungsergebnisse sowie typische Schlaganfall-Symptome, wie akute Sprachstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle.

Auch strukturell baut die UMM ihre Expertise bei Schlaganfall aus: Mit zukünftig 17 Monitorbetten für Patienten, die eine intensive Überwachung benötigen, sowie weiteren 20 vorgelagerten Betten wird die Mannheimer Stroke Unit zu einer der größten Schlaganfallstationen Deutschlands erweitert. So können noch mehr Patienten bestmöglich versorgt werden – durch ein eingespieltes Team von Fachleuten aller Disziplinen.

* Dieser Artikel stammt aus dem Jahresbericht 2016.

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Kompetenzzentrum Schlaganfall

Das Zentrum kooperiert mit den Abteilungen für Kardiologie, Gefäßchirurgie, Neurochirurgie und Neuroradiologie.

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