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Wirbelsäulenchirurgie - Mehr Lebensqualität*

Die Zahl der Wirbelsäulenoperationen in Deutschland nimmt zu – ein Trend, der sich auch an der UMM bemerkbar macht. 2015 führten die Spezialisten am Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrum (OUZ) und an der Neurochirurgischen Klinik insgesamt rund 600 Eingriffe an der Wirbelsäule durch, im Vorjahr waren es rund 520. Auch für 2016 ist die Tendenz steigend. Das liegt vor allem an verbesserten Operationsverfahren und innovativer Medizintechnik.

„Wir können  heute Operationen durchführen, die noch vor 15 Jahren überhaupt nicht möglich gewesen wären“,

betont Dr. med. Frederic Bludau, Leiter der Wirbelsäulenchirurgie am OUZ. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Lebenserwartung die Zahl der Menschen, die bis ins hohe Alter mobil sein wollen. Ihnen kann dank innovativer Verfahren heute deutlich besser geholfen werden.

So ist die Kombination von offenen Eingriffen mit minimalinvasiven Verfahren in der Wirbelsäulenchirurgie im OUZ längst Standard. Beim Einsatz von Pedikelschrauben etwa, die perkutan – also durch die Haut hindurch – in die Wirbelkörper eingebracht werden, gehören die Spezialisten des OUZ zu den Vorreitern in Deutschland. Das minimalinvasive Verfahren hat sich bewährt, um große Abschnitte der Wirbelsäule zu stabilisieren. Gleichzeitig vermeidet es ausgedehnte Operationswunden, was das Infektionsrisiko senkt und die Genesung beschleunigt.

Mit dem Hybrid-OP im 2013 eröffneten Operationszentrum verfügt die UMM über die räumlich-technischen Voraussetzungen für die Optimierung solch schonender Eingriffe. Operationen an der Wirbelsäule stellen durch die Nähe zum Rückenmark und zu lebenswichtigen Blutgefäßen besondere Anforderungen an den Operateur. Im hochmodernen Hybrid-OP lassen sich bildgebende diagnostische Verfahren wie Angiografie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) mit den Therapiemöglichkeiten herkömmlicher Chirurgie verknüpfen. „Wir gewinnen während der Operation hochauflösende Bilddaten, die es den Chirurgen ermöglichen, auch in schwierig einsehbaren Bereichen sicher zu arbeiten“, sagt Dr. Bludau. „CT-Daten werden direkt an ein Navigationsgerät übermittelt, so dass der Operateur auch kleinste Eingriffskorridore präzise findet.“

Meilenstein in der Tumortherapie

Einen Schwerpunkt der Wirbelsäulenchirurgie bilden Tumoroperationen. Viele Krebsarten bilden Metastasen in Knochen, 70 Prozent davon in der gut durchbluteten Wirbelsäule. An der UMM wurde eine bahnbrechende, effektive Operationsmethode für betroffene Patienten entwickelt, die durch die Möglichkeiten des Hybrid-OP weiter optimiert wurde: die Kypho-IORT (Intraoperative Radiotherapie), die zwei zuvor getrennte Therapieschritte in einem einzigen Eingriff kombiniert. Die minimalinvasive Technik verbindet die Kyphoplastie, bei der die Spezialisten die von Metastasen befallenen Wirbelkörper mit Knochenzement stabilisieren, und die IORT, bei der die Tochtergeschwulste während des Eingriffs bestrahlt werden. „Im Hybrid-OP können wir die Position des Bestrahlungsgeräts exakt festlegen und zielgenau eine optimale Strahlendosis abgeben“, erläutert Dr. Bludau. Die Strahlendosis wird individuell exakt berechnet, so dass sie einerseits das angrenzende Rückenmark schont, andererseits aber ausreicht, um die Metastasen abzutöten.

Die Kypho-IORT haben Professor Dr. med. Frederik Wenz, Ärztlicher Direktor der UMM sowie Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, und Professor Dr. med. Udo Obertacke, stellvertretender Direktor des OUZ, gemeinsam entwickelt. Seit der ersten Operation im Jahr 2009 verbessern die Spezialisten der UMM das Verfahren kontinuierlich; es wurde bereits 111 Mal in Mannheim angewandt. Darüber hinaus hat sich die Kypho-IORT auch außerhalb der UMM als erfolgreiche Operationstechnik bewährt und wird inzwischen in Kliniken rund um den Globus eingesetzt. Für betroffene Patienten bietet sie zentrale Vorteile: Sie lindert sofort die Schmerzen, bietet eine gezielte Therapie der Metastasen und spart kostbare Zeit im Kampf gegen den Krebs.