Sie befinden sich hier

Inhalt

Tumorerkrankungen

Die Teilung von Zellen in jedem Gewebe unterliegt einer fein abgestimmten Regulierung. Gerät diese Feinabstimmung aus der Bahn, so können sich Zellen unkontrolliert vermehren und das gesunde, normale Gewebe in seiner Funktion beeinträchtigen, verdrängen oder sogar schädigen.

Gründe für diese Störung sind mannigfaltig. Zusammenfassend sind genetische (im Erbgut), umweltbedingte (z. B. Strahlung) und infektiologische (z. B. Papillom-Virus) Faktoren zu nennen. Ebenfalls eine Rolle spielen Ernährung und Lebensführung (z. B. Rauchen).

Häufigkeit

Die häufigste Krebsart sind bösartige Tumoren der Verdauungsorgane. Diese verursachen 30 Prozent der Todesfälle, gefolgt von Tumoren der Lunge (26 Prozent) bei Männern und Tumoren der Brust (18 Prozent) bei Frauen.

Weiterführende Infos

Krebs in Deutschland
Eine gemeinsame Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V..

Wirbelsäulenmetastasen

Etwa 70 Prozent der Tumorpatienten entwickeln Wirbelsäulenmetastasen (Tochtergeschwülste). Bei etwa zehn Prozent kommt es aufgrund des raumfordernden Tumorwachstums zur Verdrängung von Nerven oder zur Einengung des Rückenmarks. Zirka zwei Drittel der Metastasen findet man in der Brustwirbelsäule, ein Drittel in der Lenden- und Halswirbelsäule.

Sind die Wirbelkörper durch die Ansiedelung von Metastasen in den Krankheitsprozess mit einbezogen, so äußert sich dies fast immer in Form von behandlungsresistenten Schmerzen. Diese können lokal (entlang von Nervenversorgungsgebieten) oder aufgrund von Bewegungen auftreten. Werden die Rückenmarks- oder Nervenfunktionen beeinträchtigt, so entwickeln sich Ausfallerscheinungen der Muskulatur, etwa Koordinationsstörungen oder Inkontinenz.

Diagnostik

Neben einer eingehenden körperlichen Untersuchung ist die Anamnese (Vorgeschichte) einer der wichtigsten Pfeiler der Diagnostik. Eine Röntgenaufnahme kann Fehlstellungen, Brüche oder Erkrankungen im Knochen aufzeigen. Ein genaueres Abbild ist durch ein CT und/oder MRT zu erreichen.

Wird der Verdacht bestätigt, so sind verschiedene Zusatzuntersuchungen notwendig, um das Stadium der Erkrankung einzugrenzen und zu erkennen (Knochenszintigraphie etc.). Zur Bestätigung kann eine Probeentnahme von Gewebe die Diagnostik abschließen.

Interdisziplinäre Therapie

Die Behandlung einer Tumorerkrankung basiert auf der Kooperation verschiedenster Fachabteilungen. Neben den chirurgischen Fachgebieten, wie der Orthopädie und Neurochirurgie, sind hier Schmerz-, Strahlen- und Chemotherapeuten zu nennen (in der UMM ausgeführt durch die Neurochirurgische Klinik und die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie). Welche Art der Behandlung durchgeführt wird, hängt von vielen Faktoren ab und ist immer eine individuelle Entscheidung, die sich an dem körperlichen Zustand des Patienten und dem Stadium der Erkrankung orientiert – meist erfolgt eine Kombination aus den oben genannten Verfahren.

Strahlentherapie

Sind die Beschwerden des Patienten gering, lässt der Allgemeinzustand des Patienten keine Operation zu oder besteht keine Gefahr der Rückenmarkschädigung durch Wirbelkörperzusammenbrüche, kann der betroffene Bereich einer Strahlentherapie zugeführt werden. Ziel ist die Schädigung der Tumorzellen, sodass ein weiteres Wachstum verhindert wird und es zu einem Umbau des Gewebes mit tragender Funktion kommt. 

Operative Therapie

Ist die Stabilität der Wirbelsäule oder die Rückenmarkfunktion jedoch gefährdet, so ist ein chirurgisches Verfahren zu bevorzugen, welches das Rückenmark entlastet und die Wirbelsäule stabilisiert – beispielsweise die Implantation von wirbelkörperüberbrückenden Schrauben, die durch Stäbe miteinander verbunden werden oder die Eröffnung des Knochenkanals, welcher das Rückenmark schützt (Dekompression).

Dies kann durch schonende (minimalinvasive) oder auch durch offene OP-Verfahren erreicht werden. Je nach Tumorausdehnung ist ebenfalls eine komplette Entfernung einzelner Wirbelkörper möglich.

Tumor der Halswirbelsäule
MRT-Bild eines Tumors der Halswirbelsäule (Bild links) mit Einbruch in den Rückenmarkkanal und beginnender Querschnittlähmung durch Verdrängung des Rückenmarks. Mitte und Rechts: Zustand nach Entfernung der tumorbefallenen Wirbelkörper und zusätzliche Stabilisierung.

Intraoperative örtliche Bestrahlung & Kyphoplastie

Ein anderes, in unserem Haus entwickeltes Verfahren, ist die örtliche Bestrahlung (Radiotherapie „RT”) der Metastase während einer Operation (intraoperativ „IO”) mit gleichzeitiger Stabilisierung des Wirbelkörpers (Kyphoplastie) durch eine Zementierung (Kypho-IORT).

IORT
Der Wirbelkörper ist mit einer Arbeitskanüle besetzt. Die Bestrahlungsquelle wird durch die Kanüle in den Wirbelkörper eingeführt.

Hierzu wird eine spezielle Bestrahlungshülse in den Wirbelkörper eingebracht und an den Tumorrand platziert. Durch diese Hülse kann dann eine Strahlungsquelle eingebracht werden, die punktgenau die Metastase bestrahlt. Durch dieses lokale Verfahren können deutlich höhere Strahlungsdosen abgegeben werden und somit wird auch die Effektivität der Bestrahlung um ein Vielfaches erhöht. Der bestrahlte Bereich wird folgend mit Zement ausgefüllt, damit es zu keinen Wirbelkörperbrüchen kommen kann. Nach Rückzug der Hülsen bleibt nur der Zement im Röntgenbild erkennbar.

Dieses schonende Verfahren ist in einem weiten Stadium der Erprobung und wird mittlerweile an vielen Wirbelsäulenzentren eingeführt, um das lokale Voranschreiten einer Tumorerkrankung zu verlangsamen oder zu stoppen.

Kontextspalte


Ärztliche Leitung

Dr. med. Frederic Bludau


Oberarzt
Facharzt für Orthopädie und
Unfallchirurgie

Spezielle Unfallchirurgie
Stellvertretender D-Arzt

frederic.bludau@remove-this.umm.de