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Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs ist eine seltene Krebserkrankung, die häufig zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt wird. Abhängig von der Zellart, aus der er hervorgeht, unterscheidet man vier Typen von Schilddrüsenkrebs. Der Verlauf hängt davon ab, an welcher Form des Schilddrüsenkarzinoms der Patient erkrankt ist.

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Das papilläre Karzinom wächst relativ langsam und bleibt zunächst auf die Schilddrüse beschränkt. Dieser mit Abstand häufigste Schilddrüsenkrebs ist differenziert – die Tumorzellen sind den normalen Zellen in der Schilddrüse noch sehr ähnlich und nehmen noch Jod auf. Diese Eigenschaft ermöglicht eine Radiojodtherapie im Anschluss an eine Operation.

Follikuläres Schilddrüsenkarzinom

Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom ist ebenfalls differenziert und für eine Radiotherapie empfänglich, neigt aber zu Fernmetastasen – meist in Lunge, Leber und Knochen. Beim onkozytären Schilddrüsenkarzinom ist die Fähigkeit zur Jodaufnahme bereits deutlich geringer und das Wachstum meist aggressiver.

Undifferenziertes Schilddrüsenkarzinom

Eine weitere Art von Schilddrüsenkrebs ist das undifferenzierte Schilddrüsenkarzinom. Die Zellen dieses Karzinoms weisen eine völlig andere Struktur auf als die Zellen der gesunden Schilddrüse und nehmen kein Jod mehr auf. Eine Radiotherapie ist damit wirkungslos. Undifferenzierter Schilddrüsenkrebs schreitet häufig schnell voran.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Auch das medulläre Schilddrüsenkarzinom nimmt kein Jod auf und bildet rasch Metastasen. Bei etwa 15 Prozent der Patienten mit medullärem Schilddrüsenkarzinom liegt eine vererbte Form vor (familiäres medulläres Karzinom). Diese Form tendiert zu einer sehr frühen Absiedlung über das Blut. Daher sollte bei Patienten und deren Angehörigen eine genetische Untersuchung erfolgen. Auf diese Weise können die Krebsspezialisten der Uniklinik Mannheim herausfinden, ob Eltern, Geschwister oder Kinder ebenfalls gefährdet sind und rechtzeitig vorsorgen.

Symptome bei Schilddrüsenkrebs

Ein Knoten an der Schilddrüse ist vom Patienten selbst recht gut zu tasten. Um Schilddrüsenkrebs frühzeitig zu erkennen, sollten Patienten bei einem Knoten schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. Warnzeichen für eine bösartige Geschwulst in der Schilddrüse sind schnell wachsende und besonders harte Knoten. Weitere Hinweise auf Schilddrüsenkrebs können sein: Schluckbeschwerden, Druckgefühl im Halsbereich, Luftnot, Heiserkeit und Hustenreiz. Natürlich sind diese Beschwerden nicht immer ein Hinweis auf bösartigen Schilddrüsenkrebs. Aber im Zusammenhang mit einem Knoten an der Schilddrüse sollten diese abgeklärt werden.

Diagnose von Schilddrüsenkrebs

Für die Diagnose von Schilddrüsenkrebs ziehen die Ärzte verschiedene Untersuchungsmethoden heran. Bei der Laboruntersuchung gibt die Bestimmung der Schilddrüsenhormone Aufschluss über eine mögliche Fehlfunktion der Schilddrüse, die oft mit Schilddrüsenkrebs einhergeht. Da die Schilddrüse nahe an der Körperoberfläche liegt, ist sie für Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) gut zugänglich. Eine Sonographie kann Auskunft über die Lage und Größe von Knoten in der Schilddrüse geben. Mit einer Feinnadelbiopsie können die Krebsspezialisten außerdem feststellen, ob es sich bei der Veränderung um einen gutartigen Knoten oder um bösartigen Schilddrüsenkrebs handelt. Dabei entnehmen sie mit einer feinen Nadel während des Ultraschalls Zellen aus der verdächtigen Region. Die anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop kann ein bösartiges Schilddrüsenkarzinom aber nicht ganz ausschließen, da die Zellen der differenzierten Arten von Schilddrüsenkrebs den gesunden sehr ähnlich sind.

Operation von Schilddrüsenkrebs

Alle Arten von Schilddrüsenkrebs müssen im ersten Schritt operiert werden. Bei sehr kleinen, papillären Karzinomen können die Chirurgen im Einzelfall die Schilddrüse erhalten und nur den befallenen Schilddrüsenlappen herausnehmen. Sind jedoch auch der andere Schilddrüsenlappen oder benachbarte Lymphknoten befallen, muss die gesamte Schilddrüse mit den umgebenden Lymphknoten entfernt werden (Thyreoidektomie und Neck dissection). Ist die Schilddrüse entfernt, kann der Körper keine Schilddrüsenhormone mehr herstellen, sodass der Patient diese lebenslang in Tablettenform zuführen muss. Eine Komplikation, die bei der Operation von Schilddrüsenkrebs vorkommen kann, ist die Verletzung eines oder beider Stimmbandnerven. In sehr seltenen Fällen entwickeln Patienten nach der Operation der Schilddrüse Beschwerden beim Sprechen oder Heiserkeit. Die Logopäden der Uniklinik Mannheim unterstützen Patienten mit Schilddrüsenkrebs mit speziellen Übungen dabei, Heiserkeit und Sprachstörungen wieder zu überwinden. Bei einer Entfernung aller Nebenschilddrüsen ist der Kalziumgehalt im Blut zu niedrig. Das kann zu Gefühlsstörungen in Armen, Beinen und am Mund sowie zu Muskelkrämpfen führen. Die Behandlung erfolgt durch die tägliche Einnahme von Vitamin D und Kalzium.

Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs

Die Zellen des papillären und des follikulären Schilddrüsenkarzinoms sowie deren Metastasen im Körper speichern Jod. Auf diese Weise erreicht die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs zielgenau die befallenen Zonen und schont die gesunden Zellen in anderen Organen. Das radioaktive Jod soll eventuell verbliebene Reste des Schilddrüsengewebes und Metastasen nach einer Operation beseitigen. Je nach Befund erhält der Patient eine individuelle Menge radioaktives Jod in Tablettenform. Wegen der Strahlenbelastung ist ein mehrtägiger Aufenthalt auf einer spezialisierten nuklearmedizinischen Station nötig.

Strahlentherapie bei Schilddrüsenkrebs

In manchen Fällen kann bei Schilddrüsenkrebs eine Strahlentherapie notwendig sein. Sie erfolgt wie die Radiojodtherapie meist im Anschluss an die Operation, um noch verbliebene Tumorzellen oder Metastasen zu zerstören. Dabei bestrahlen die Ärzte die Tumorregion mit elektromagnetischen Wellen. Hautrötungen, Schluckbeschwerden oder Heiserkeit durch die Strahlentherapie bei Schilddrüsenkrebs können mit Medikamenten gelindert werden und verschwinden meist mit dem Ende der Behandlung.

Chemotherapie bei Schilddrüsenkrebs

Bei den meisten Arten von Schilddrüsenkrebs ist eine Chemotherapie nicht zielführend. Die undifferenzierten Arten sprechen noch am besten auf die Gabe von Zytostatika an. Bei Patienten, die durch eine Operation nicht geheilt werden können oder bei denen eine Radiojodtherapie nicht möglich ist, kann eine Chemotherapie sinnvoll sein.

Medikamente gegen Schilddrüsenkrebs

Seit einigen Jahren sind mehrere Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) für das fortgeschrittene Schilddrüsenkarzinom zugelassen. Folgende Präparate kommen zum Einsatz:

  • für das metastasierte differenzierte Schilddrüsenkarzinom, das nicht mehr auf eine Radiojodtherapie anspricht - Lenvatinib und Sorafenib
  • für das fortgeschrittene medulläre Schilddrüsenkarzinom Cabozantinib und Vandetanib.

Die Entscheidung über die Gabe von TKI wird in einem Tumorboard mit Spezialisten verschiedener Fachdisziplinen getroffen.

Nachsorge bei Schilddrüsenkrebs

In der ersten Zeit nach Operation und Bestrahlung oder der Radiojodtherapie sollten sich Patienten in regelmäßigen Abständen untersuchen lassen, um Neubildungen von Schilddrüsenkrebs auszuschließen oder frühzeitig zu erkennen. Wenn die Kontrolluntersuchungen unauffällig und keine Symptome vorhanden sind, können die Abstände zwischen den Kontrollen größer werden. Die Krebsspezialisten der Uniklinik Mannheim begleiten die Patienten nach einer Krebserkrankung ein Leben lang. Auch Psychoonkologen und der Sozialdienst der Uniklinik Mannheim stehen Patienten mit Schilddrüsenkrebs zur Seite.

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Ärztliche Leitung

 

PD Dr. med. Claudia Scherl

Stellv. Klinikdirektorin

PD Dr. med. Anne Lammert 

Oberärztin


DKG zertifiziert

Zertifiziertes Kopf-Hals-Tumor-Zentrum