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Klinische Schlaganfallforschung

Integriertes Versorgungs- und Forschungszentrum Schlaganfall

Die Arbeitsgruppe Klinische Schlaganfallforschung befasst sich insbesondere mit der Erforschung Prognose-relevanter Parameter nach ischämischem und hämorrhagischem Schlaganfall. Dazu zählt u. a. die Korrelation von bildgebenden Befunden mit Klinik und Outcome nach Schlaganfall. Zu dieser Thematik besteht eine enge Kooperation mit der Arbeitsgruppe Neurologische Bildgebung (Arbeitsgruppenleiter: Prof. Dr. A. Gass) und der Abteilung für Neuroradiologie (Direktor: Prof. Dr. C. Groden). Läsionslokalisation und –muster können Aufschluss geben über das resultierende klinische Syndrom und seine potentielle Reversibilität; Aspekte aus der computer- und magnetresonanztomographischen Bildgebung werden jedoch auch zunehmend zur Abschätzung des Therapieansprechens auf systemische (Thrombolyse) oder lokale (mechanische Thrombektomie) Therapieverfahren genutzt. Übergeordnetes Ziel ist eine optimale Selektion von Patienten, die von der gewählten Therapiestrategie profitieren können.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Prognose haben Vorerkrankungen des Patienten, die einerseits das funktionelle Outcome mitbestimmen, andererseits aber auch Therapieentscheidungen beeinflussen. Ein Fokus liegt dabei auf Patientenkollektiven, die aus randomisierten Schlaganfallstudien in der Regel ausgeschlossen werden, insbesondere Patienten mit schwerem prämorbidem funktionellem Defizit und psychiatrisch vorerkrankten Patienten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Analyse von neurologischen und nicht-neurologischen Komplikationen nach Schlaganfall, die einen relevanten Einfluss auf die Prognose haben können. In einer früheren Analyse konnte aufgezeigt werden, dass eine dekompressive Hemikraniektomie zur Therapie des raumfordernden Mediainfarktes in der Versorgungsrealität im Alltag mit einer deutlich höheren Rate an neurologischen und nicht-neurologischen Komplikationen behaftet ist als in den hochselektiven Kollektiven randomisierter Studien (Pledl H et al., Eur Neurol. 2016).

Konzept einer multifaktoriellen Ätiologie des poststroke-Deliriums. Neben prädisponierenden und präzipitierenden Faktoren spielen wahrscheinlich eine neuronale Dysfunktion durch direkten neuronalen Schaden, Neuroinflammation mit Zytokininvasion in das zentrale Nervensystem über die gestörte Blut-Hirn-Schranke sowie eine neurochemische Imbalance u. a. durch Aktivierung einer Stressreaktion eine Rolle.

Ein aktuelles Projekt der Arbeitsgruppe berücksichtigt die spezifische Problematik nicht-kommunikationsfähiger Patienten nach Schlaganfall, die eine Symptomdetektion von Schmerzen deutlich erschwert. Mit einer Inzidenz von etwa 20% trägt das poststroke-Delir erheblich zur Prognose nach Schlaganfall bei und ist mit einem schlechteren funktionellen Outcome, einer längeren Krankenhausverweildauer und einer erhöhten Mortalität assoziiert. Die Ätiologie des poststroke-Delirs ist wahrscheinlich multifaktoriell und soll in einem multimodalen Projektansatz mithilfe von laborchemischen und bildgebenden Biomarkern sowie Analyse umfangreicher prädisponiernder und präzipitierender Faktoren untersucht werden (siehe Abbildung). Zu den häufigsten metabolischen Komplikationen gehören Blutzuckerentgleisungen in der Akutphase der Erkrankung, die sowohl bei Diabetikern als auch bei Patienten ohne Diabetes mellitus auftreten können. Während akute Blutzuckerentgleisungen als Ausdruck einer schweren Akuterkrankung einen negativen prognostischen Marker darstellen, untersucht unsere Arbeitsgruppe aktuell auch den Einfluss einer chronischen Hyperglykämie bei Diabetikern auf das funktionelle Outcome nach Schlaganfall.

Ausgewählte Publikationen

  • Wolf, M.E., Rausch, H.W., Eisele, P., Habich, S., Platten, M., Alonso, A. (2019). Acute corticonuclear tract ischemic stroke with isolated central facial palsy. J Stroke Cerebrovasc Dis, 28(2), 495-498. doi: 10.1016/j.jstrokecerebrovasdis.2018.10.030
  • Förster, A., Al-Zghloul, M., Wenz, H., Böhme, J., Groden, C., Alonso, A. (2019). Gadolinium leakage in ocular structures is common in lacunar infarction. Stroke, 50(1), 193-195. doi: 10.1161/STROKEAHA.118.023573
  • Hoyer, C., Filipov, A., Neumaier-Probst, E., Szabo, K., Ebert, A., Alonso, A. (2018). Impact of pre-admission treatment with non-vitamin k oral anticoagulants on stroke severity in patients with acute ischemic stroke. Journal of Thrombosis and Thrombolysis, 45(4), 529-535. doi: 10.1007/s11239-018-1634-1
  • Filipov, A., Ebert, A.D., Neumaier-Probst, E., Alonso, A. (2018). The burden of diabetes and the chance of a previous stroke: Thrombolysis for recurrent stroke in diabetics. Journal of Stroke and Cerebrovascular Diseases, 27(5), 1343-1349. doi: 10.1016/j.jstrokecerebrovasdis.2017.12.027
  • Alonso, A., Dörr, D., Szabo, K. (2017). Critical appraisal of advance directives given by patients with fatal acute stroke: An observational cohort study. BMC Medical Ethics, 18(1), 7. doi: 10.1186/s12910-016-0166-5

Kontextspalte

Prof. Dr. med. Kristina Szabo

Prof. Dr. med. Kristina Szabo

Leitende Oberärztin

Prof. Dr. med. Angelika Alonso

Geschäftsführende Oberärztin

PD Dr. med. Carolin Hoyer

Oberärztin

Dr. med. Alexandra Filipov

Fachärztin

Dr. med. Josephine Kraus

Assistenzärztin

Hendrik Lesch

Assistenzarzt