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Ultrasonographische Charakterisierung von Carotisstenosen

Die Intima-Media-Dicke (IMT) wird in zahlreichen klinischen Studien als Surrogatendpunkt für unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse genutzt. In sonographischen Längsschnitten der A. carotis (B-mode) ist die IMT als doppelte Linie zu erkennen, die den anatomischen Grenzflächen zwischen Lumen/Intima und Media/Adventitia entspricht. Davon abzugrenzen sind arteriosklerotische Plaques, die als fokale Verdickungen von mindestens 0.5 mm oder 50% der IMT in das Gefäßlumen ragen. Plaques der A. carotis stellen ein größeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse dar und müssen daher sorgfältig von einer Erhöhung der IMT unterschieden werden. Mit der zuverlässigen sonographischen Differentialdiagnose von IMT und Carotisplaques beschäftigt sich die Arbeitsgruppe u.a. in Form von den 2004 eingeführten Mannheimer Consensus-Papieren. Ein aktuelles Update aus dem Jahr 2012 definiert Empfehlungen zur technischen Durchführung der IMT-Messung für die klinische Praxis sowie den Einsatz in klinischen Studien. Unverändert der wichtigste Marker für drohende Schlaganfälle aufgrund einer „symptomatischen“ Carotisstenose ist der Stenosegrad. Seit den 1980er Jahren können Carotisstenosen nichtinvasiv mit der Doppler-/ Duplexsonographie dargestellt und der Stenosegrad recht genau bestimmt werden. Unklar ist allerdings, ob und wann hochgradige bisher asymptomatische Carotisstenosen gefährlich werden können. Das Konzept der sogenannten „vulnerablen Plaques“ berücksichtigt daher auch die Zusammensetzung der arteriosklerotischen Plaques. Verschiedene Aspekte der Plaquemorphologie können dabei mittels Kontrastmittel-gestütztem Ultraschall (contrast-enhanced ultrasound, CEUS) dargestellt werden. Hierzu zählen potentiell emboligen wirksame Plaquecharakteristika wie Mikroulzerationen (siehe Abbildung) oder die Neubildung von Gefäßen in Plaques. Neben dem Einsatz verschiedener Ultraschallverfahren gewinnen auch andere moderne Bildgebungsverfahren wie hochauflösende MRT und PET an Bedeutung. Noch im experimentellen Stadium sind „Molecular imaging“-Verfahren, bei denen Biomarker von Plaques wie z.B. der Inflammationsmarker VCAM-1 mittels spezifischen Antikörpern markiert und mit Kontrastmittel dargestellt werden. Die Arbeitsgruppe Neurovaskulärer Ultraschall untersucht derzeit im Rahmen einer Kooperation mit dem Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin, der Gefäßchirurgie und der Pathologie Eigenschaften vulnerabler symptomatischer Plaques. Hierbei werden sonographisch definierte Plaquecharakteristika mit MR-morphologischen Ergebnissen verglichen und an histologischen Präparaten nach erfolgter Carotisendarterektomie validiert.

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Angelika Alonso

Prof. Dr. med. Angelika Alonso

Oberärztin