Sie befinden sich hier

Inhalt

Sonothrombolyse

Neben diagnostischen Einsatzgebieten wird auch die therapeutische Anwendung von transkraniellem Ultraschall beim akuten Schlaganfall wissenschaftlich untersucht. Ultrasonographische Beschallung mit Frequenzen im diagnostisch genutzten Bereich können nachgewiesenermaßen die Thrombolyse beschleunigen. So konnten in klinischen und experimentellen Studien höhere Rekanalisationsraten durch Einsatz von kommerziellen 2MHz Ultraschallgeräten in Kombination mit Gewebsplasminogenaktivator (rtPA) als mit Verwendung von rtPA alleine erzielt werden. Eine Auflösung von Thromben ohne Einsatz von Lytika wie rtPA gelang unter experimentellen Bedingungen durch Verwendung von Ultraschall und Microbubbles in einem Frequenzbereich von wenigen Kilohertz (170 kHz) und im Megahertz-Bereich (1Mhz). Als Mechanismus dieses Effektes wird eine inerte Kavitation durch Platzen der Microbubbles genannt, die dann zu einer Destabilisierung des Thrombus führt. In neueren Arbeiten konnte auch die Bedeutung der sog. stabilen Kavitation nachgewiesen werden, bei der die Microbubbles in einem Ultraschallfeld mitschwingen ohne zu platzen. Eine Phase-II-Studie mit Anwendung von Ultraschall in diagnostischer Frequenz (2MHz) in Kombination mit Microbubbles und rtPA konnte eine signifikante Verbesserung der Rekanalisationsrate im Vergleich zu rtPA alleine ohne Erhöhung des Risikos einer sekundären Hämorrhagie zeigen. Unsere neurosonologische Gruppe hat in einem experimentellen Modell weitere Aspekte der Sicherheit dieses Therapieansatzes untersucht: In einem Rattenmodell der akuten Hirnblutung konnten wir zeigen, dass die Verwendung von 2MHz Ultraschall und Microbubbles zu keiner Vergrößerung der Hämorrhagie, des Umgebungsödems oder der Apoptoserate führt.

Um den thrombolytischen Effekt weiter zu optimieren, ist ein zielgerichtetes Ansteuern des Thrombus über eine spezifische Bindung von Microbubbles an das thrombotische Material ein vielversprechender Ansatz. Zu diesem Zweck hat unsere Gruppe neue sog. „Immunobubbles“ entwickelt, auf deren Oberfläche Abciximab, ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen den Glykoprotein IIb/IIIa-Rezeptor auf Thrombozyten, gebunden ist. Diese Immunobubbles zeigen ein hochspezifisches Bindungsverhalten an humanen Thrombus, so dass ein „molekulares Imaging“ des Gerinnsels in vivo möglich wird. Der kombinierte Einsatz von 2MHz-Ultraschall und Abciximab-Immunobubbles verfügt über ein gesteigertes thrombolytisches Potential im Vergleich zu unspezifischen Microbubbles oder alleinigem Ultraschall, wie wir in einem Rattenmodell des akuten thrombotischen Gefäßverschlusses zeigen konnten.

Kontextspalte

Angelika Alonso

Prof. Dr. med. Angelika Alonso

Oberärztin